Ema y Gastón (2019)

Ema y Gastón (2019)

Ema
  1. ,
  2. 107 Minuten

Filmkritik: Uff tse uff tse, uff tse uff tse

76. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2019
Gael, du magst mich?
Gael, du magst mich? © trigon-film

Bei der jungen Ema (Mariana Di Girolamo) scheint gerade alles schief zu laufen. Ihren Adoptivsohn Toto hat sie wieder ins Waisenhaus zurückgegeben, da sich dieser als ziemliches Problemkind entpuppte, und die Ehe mit Gastón funktioniert schon eine ganze Weile nicht mehr. Ema sucht sogar eine Scheidungsanwältin auf, um der verkümmerten Beziehung ein Ende zu setzen.

NEONderthalerin?
NEONderthalerin? © trigon-film

Frei und glücklich fühlt sich Ema eigentlich nur noch, wenn sie mit ihren Freundinnen durch die Stadt tanzt. So navigiert sich Ema durch ihr aus den Fugen geratenes Leben und erhofft sich durch die Flucht in den Reaggeaton-Tanz wieder zu sich zu finden. Mit ihrer neuen Anwältin beginnt sie eine Freundschaft, die vielleicht sogar einen Schritt weiter gehen könnte, wenn die beiden es zulassen würden.

Es dauert lange, bis Ema eine eindeutige Richtung einschlägt und sowas wie eine Handlung entwickelt. Erst in den letzten paar Minuten wird klar, worauf Larraín heraus will. Bekanntlicherweise ist aber der Weg wichtiger als das Ziel, und so ist der zwar optisch ansprechende, aber inhaltlich dünngepflasterte Weg selbstverliebtes Arthousekino, welches Nerven und Geduldsfaden strapaziert. Peppige Tanzszenen frischen die Sache immer wieder etwas auf, und der bissige Humor, der gegen Ende seinen Weg in den Film findet, kann den Film gerade noch so über die Runden bringen.

Das Biopic Jackie des Chilenen Pablo Larraín wurde 2017 für drei Goldmännchen nominiert. Seinem Nachfolgewerk Ema dürfte eine solche Ehre wohl verwehrt bleiben. Dafür ist der Film zu sperrig und gekünstelt und mehr interessiert an seinen Tanzszenen und Hauptdarstellerin Mariana Di Girolamos wasserstoffblodem Haar als dem Drama der Geschichte, die er eigentlich erzählen möchte. Optisch sieht alles toll aus mit Neonlicht und energetischer Inszenierung, in der man sich zwar verlieren, kann aber keinen Halt findet.

Gael García Bernal stiehlt in einer einzigen Szene beinahe den ganzen Film. Sein Ausraster, bei dem er seine Meinung zur Reggaetonmusik kundgibt, ist ein Highlight und zeigt Humor, den man ansonsten im Film nicht antrifft, da sich Larraín etwas zu wichtig nimmt. Tanz-, Flammenwerfer- und Sexszenen schienen ihm über weite Strecken wichtiger als menschliche Momente. Nach dieser Frustration ist das überraschende Ende dann eine Art Erlösung und das As im Ärmel, welches aber nicht mehr das ganze Spiel gewinnen kann.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 2

sma

Lust und Zorn. Pablo Larraíns Ema sieht fantastisch aus.
Mariana di Girolamo ist eine faszinierende Schauspielerin. Gael García Bernal war nie attraktiver.

ma

Filmkritik: Uff tse uff tse, uff tse uff tse

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