Pain and Glory - Dolor y gloria (2019)

Pain and Glory - Dolor y gloria (2019)

Leid und Herrlichkeit
  1. 113 Minuten

Filmkritik: All about... myself

72e Festival de Cannes 2019
The Square?
The Square? © Pathé Films

Anlässlich der Wiederaufführung seines bekanntesten Werkes "Sabor" wird der alternde Filmregisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas) für ein Q&A angefragt. Idealerweise soll dabei auch der Hauptdarsteller seines Filmes teilnehmen. Da gibt es nur ein Problem. Regisseur und Hauptdarsteller waren jahrelang verkracht, da Salvador mit der Performance von Alberto Crespo (Asier Etxeandia) über eine lange Zeit nicht einverstanden war. Um das Kriegsbeil nun für immer zu begraben, sucht Salvador Alberto auf.

Wer ist hier wohl der Suchti?
Wer ist hier wohl der Suchti? © Pathé Films

Ein paar Runden Heroin später ist alles vergeben und vergessen. Doch Salvador kommt nun nur noch schwer von den Drogen weg - auch wegen körperlicher Schmerzen, die nicht weggehen wollen. Immer mehr driftet er ab und denkt zurück an seine Kindheit und vor allem an seine liebevolle Mutter (Penélope Cruz und Julieta Serrano). Langsam beginnt er zu verstehen, dass Realität und Kreation in seinem Leben untrennbar miteinander verbunden sind.

Dolor y Gloria fokussiert ganz auf die Leiden eines Regisseurs, weshalb Pedro Almodóvars Neuster auch semiautobiographische Züge hat. Doch Almodóvar vergisst, den Zuschauern von Anfang an gute Gründe zu geben, seinem Protagonisten für fast zwei Stunden zu folgen. Aus diesem Grund ist dies wohl fast nur für Fans des spanischen Oscarpreisträgers interessant.

Ein Regisseur sinniert über ein Leben und seine Arbeit. Wait, das kennen wir doch schon. Der bekannteste Film dieses Subgenres dürfte zweifelsohne Fellinis sein - ein Film, der auch nach über 55 Jahre nach seiner Premiere nichts von seiner hypnotischen Faszination verloren hat. Nun zeigt Pedro Almodóvar in seinem semiautobiographischen Drama Dolor y Gloria ebenfalls die Leiden eines Regisseurs - und ist bei seinem Vorhaben für den grossen Teil so ziellos wie sein Protagonist.

Das kann natürlich durchaus beabsichtigt sein. Der von Antonio Banderas gespielte Salvador ist auf der Suche danach, was ihn glücklich macht oder was ihn daran hindert, es zu sein. Sind es vielleicht die körperlichen Schmerzen, die ihn zurückhalten oder ist es eine Kopfsache? Indem der Film vieles anschneidet und ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt, macht er die Gefühlswelt der Hauptfigur so leicht für die Zuschauer spürbar.

Doch es fehlt Almodóvars Film eine einnehmende Komponente, dank der wir gebannt diesem Treiben zuschauen wollen. Wirklich warm werden wir mit Salvador nicht, weshalb das Ganze vor sich hindümpelt. Es gibt ein paar Highlights - wie ein urkomischer Telefonanruf oder alle Szenen, in die Salvadors liebevolle, aber strenge Mutter involviert ist. Diese wird in Kindheitsszenen von Penélope Cruz und später von Julieta Serrano verkörpert. Doch ist das zu wenig, um einem Regisseur zwei Stunden lang beim Leiden in seiner wunderschönen Wohnung zuzusehen.

Almodóvar-Fans wird das jedoch wurst sein. Der Regisseur hat eine überaus treue Fangemeinde, die seine Filme ohnehin anschaut. Als Einsteigewerk für Neulinge ist Dolor y Gloria wegen seiner Trägheit und des Fehlens eines wirklichen emotionalen Punches nicht zu empfehlen. Da hat der Regisseur im Vergleich schon deutlich bessere Filme gedreht - aber auch viel schlechtere.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Der Film wird Openair aufgeführt, das nächste Mal am 16. Juli 2020.

Trailer Spanisch, 01:38