Doctor Sleep (2019)

Doctor Sleep (2019)

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen
  1. 151 Minuten

Filmkritik: The Shining, Chapter Two

«Here's Danny!»
«Here's Danny!»

Bald 40 Jahre ist es her, seitdem Danny Torrance (Ewan McGregor) im verschneiten Overlook-Hotel Traumatisches erleben musste. Wirklich verarbeiten konnte er diese Erlebnisse nicht. Wie damals sein Vater ist er mittlerweile dem Alkohol verfallen. Erst als er in einer Kleinstadt Billy (Cliff Curtis) kennenlernt, schafft er es, vom Trinken loszukommen und erhält eine Anstellung als Pfleger in einem Altenheim. Dort erweist er sich dank seiner Gabe, dem Shining, als talentiert darin, Sterbenden in ihren letzten Momenten zu begleiten. Aus diesem Grund erhält er bald den Spitznamen «Doctor Sleep».

«Mmmmmmh. Roter Rum! Klingt lecker.»
«Mmmmmmh. Roter Rum! Klingt lecker.»

Mit der Ruhe ist es allerdings zu Ende, als die junge Abra (Kyliegh Curran) telepathisch mit Danny Kontakt aufnimmt. Das Mädchen ist mit einem ähnlich starken Shining ausgestattet, wie er es selbst als Junge war. Was als nette Brieffreundschaft der übersinnlichen Art beginnt, wird schon bald zur lebensgefährlichen Bedrohung. Denn eine obskure Gruppe Untoter unter der Führung von Rose the Hat (Rebecca Ferguson) ist hinter Abra her. Sie ernährt sich vom Shining Unschuldiger und verspricht sich in Abra einen ganz besonderen Leckerbissen.

Regisseur Mike Flanagan versucht den Spagat, Fans von It und solche von The Shining gleichermassen anzusprechen. Ein schwieriges, fast unmögliches Unterfangen, denn das heisst ein Stück weit auch, massenkompatiblen Horror und künstlerischen Anspruch zusammenzubringen. Das Positive daran: Vor allem in der zweiten Filmhälfte gelingt dies gar nicht so schlecht. Das Negative: Der Weg dahin ist viel zu lang und zu holprig. So bleibt Doctor Sleep irgendwo zwischen den vielen Stühlen und Bänken in den Hallen des nach wie vor faszinierenden Overlook-Hotels hängen.

Während die Welt Stanley Kubricks The Shining als Meisterwerk und Meilenstein des Genres feierte, war einer so gar nicht zufrieden mit dem Film: Stephen King, seines Zeichens Autor der Horror-Vorlage. Mit der Fortsetzung Doctor Sleep, der Verfilmung seines Nachfolgeromans aus dem Jahr 2013, hat King nun endlich seinen Frieden gefunden mit Kubrick, wie er unlängst in einem Interview hat verlauten lassen.

Würde aber die Fortsetzung auch dem verstorbenen Meisterregisseur gefallen? Zweifel sind angebracht. Wobei man Mike Flanagan, der sie inszeniert hat, sicher nicht ankreiden kann, dass er dem Original mangelnden Respekt entgegenbringe. Das zeigt sich nur schon eingangs, als er einige Szenen aus dem Original mit neuen Schauspielern sorgfältig nachspielen lässt. In Zeiten digitaler Verjüngung ist das keine Selbstverständlichkeit, aber wohl die richtige Entscheidung, auch wenn es ein wenig seltsam anmutet, Jack Nicholson, Shelley Duvall und Danny Lloyd gedoubelt auf der Leinwand zu erleben. Letzterer, der damals den Dreikäsehoch auf dem Dreirad verkörpert hat, kommt dafür in Doctor Sleep zu einem Cameo-Auftritt.

Der Respekt gegenüber dem Original zeigt sich zudem insbesondere in den Passagen, in denen Flanagan den Schauplatz aus The Shining wiederauferstehen lässt. Dass es die Protagonisten irgendwann ins Overlook-Hotel verschlägt, darf ohne Spoilerwarnung verraten werden. Hier hat dieser Horrorfilm auch seine stärksten Momente. Fast schon nostalgisch und schwelgerisch sind die Szenen, in denen Ewan McGregor durch die unheimlichen Gänge des riesigen Hauses wandelt. Sie sind eine stylische und durchaus gelungene Verbeugung vor dem Vorgängerwerk.

Zuvor ist der mit 150 Minuten sehr lang geratene Film allerdings reichlich konfus. Die Storyline um die Untoten-Gruppe, die sich vom Shining ernährt, scheint konstruiert und hanebüchen. Dazu kommen einige erzählerische Unsauberkeiten; beispielsweise werden zu viele Figuren in zu kurzer Zeit eingeführt. Ausserdem droht der Film immer wieder ins Lächerliche zu kippen. Wenn Sterbende ihren letzten Atemzug hauchen, fühlt man sich unweigerlich an Bill Murrays legendäres Ableben in Zombieland erinnert - was in diesem Fall nicht als Kompliment zu verstehen ist. Gleichzeitig will der Film zu viel erklären, was besser unerklärt geblieben wäre.

Dieser Mix ist nicht sehr ausgegoren. Gerettet wird er von den Darstellerinnen: Kyliegh Curran ist eine erfrischende Sympathieträgerin, während Rebecca Ferguson in der Rolle der Antagonistin mit zunehmender Filmdauer zur Hochform aufläuft und ihre Bösewichtin mit Genuss und einer Portion Selbstironie verkörpert. Die beiden lassen Ewan McGregor recht alt aussehen, im eigentlichen wie auch im übertragenen Sinne. Aber heimlicher Hauptdarsteller ist ohnehin das Overlook-Hotel, das in dieser zwiespältigen Fortsetzung nochmals seinen ganzen Grusel entfaltet. Zumindest daran hätte bestimmt auch Kubrick seine Freude gehabt.

/ ebe

Kommentare Total: 3

woc

Richtig, richtig, richtig gut.

ebe

Filmkritik: The Shining, Chapter Two

muri

Hatte gute Sequenzen drin und das Finale im Hotel verleiht einen Hauch von klassischem Shining. Fand auch Ewan McGregor anständig in seiner Rolle.

Aber.... 155 Minuten sind zu lang. Man hätte das auf knackige 120 Minuten kürzen sollen, dann wäre viel Leerlauf weggefallen.

Kommt natürlich nicht an den Klassiker ran, aber ist gar nicht schlecht.

Kommentar schreiben