Dead to me (2019)

Dead to me (2019 / Serie)

  1. ,
  2. 30 Minuten

Serien-Review: What the Fork happened?

Geheimnisse über Geheimnisse!
Geheimnisse über Geheimnisse!

Jen Harding (Christina Applegate) hat ihren Mann verloren. Bei einem Autounfall mit Fahrerflucht ist dieser noch auf der Unfallstelle verstorben. Jen sucht Hilfe bei einer Trauerrunde, die sich unter der Führung eines Pastors trifft und über die Gefühlswelt, die Verluste und die Ängste unterhält. Dort, an der Kaffeemaschine, trifft sie auf Judy Hale (Linda Cardellini), die ihr Schicksal auf eine andere Weise verarbeitet. Mit frechen Sprüchen und einem grossen Herz ist diese Frau eigentlich genau das, was Jen aktuell in ihrem Leben braucht. Und so überrascht es nicht, dass sich die beiden Frauen anfreunden und Judy auch bald ins Gästehaus bei Jen daheim zieht.

Schöne Momente sind selten
Schöne Momente sind selten

Die beiden Frauen kämpfen sich durch den täglichen Wahnsinn, unterstützen einander in allen Arten und scheinen sich optimal zu ergänzen. Jen beginnt durch diese Freundschaft neue Kraft zu tanken, ahnt aber nicht, dass Judy mit weit ärgeren Problemen zu kämpfen hat, als sie es vorgibt. Als Jen, die als Maklerin arbeitet, das Haus von Judys Exfreund Steve (James Marsden) verkauft, kommt eine weitere Komponente ins Leben der trauernden Witwe. Je mehr sie über ihre Freundin herausfindet, desto schwammiger werden die Geschichten, die Judy jeweils erzählt. Ihre Geheimnisse werden durch Lügen abgedeckt und Jennifer ist drauf und dran, ihrer Leidensgenossin auf die Pelle zu rücken.

Dead to me beginnt zwar interessant, verläuft sich dann aber bald in langwierigen Folgen mit zähem Hintergrund. Da helfen die Cliffhanger nur bedingt weiter, denn auch die Auflösung des ganzen Schlammassels ist nicht wirklich befriedigend. Es stellt aber die Weichen sehr offensichtlich für eine zweite Season. Dann aber bitte frecher und böser. Das verträgt die Serie allemal.

Von Christina Applegate hat man, die Bad Moms-Filme ausgenommen, schon länger nichts mehr gehört. Nun, Netflix sei Dank, ist sie mit einer Serie zurück, die sie als trauernde Witwe zeigt. Diese irrt in einem Sog aus Lügen und Geheimnissen umher und versucht, darin nicht unterzugehen. Dead to me, heisst die Produktion, die in zehn Episoden eine ungewöhnliche Frauenfreundschaft in den Mittelpunkt stellt, in der allerdings kaum etwas so ist, wie es erzählt und dargestellt wird. Unterstützt wird Applegate dabei von der frech und mit viel Freude aufspielenden Linda Cardellini (The Curse of La Llorona, Scooby-Doo).

Die Richtung dieser Serie ist anfänglich unklar. Zwar werden immer wieder witzige Sequenzen in die Story eingestreut und die trauernden Figuren dadurch noch etwas mehr belastet, aber eine Komödie darf man bei Dead to me nicht erwarten. Die Verantwortlichen lassen ihre Figuren nah am realen Leben spielen, setzen sie stillen und gefühlvollen Momenten aus und schreiben ihnen im Hintergrund noch ein "Whodunnit" auf die Leiber. Dieses Ratespiel nach dem Unfallverursacher, der das Leid von Applegates Figur auslöst, wird zwar schon bald geklärt, allerdings ist damit noch lange nicht Schluss. Immer mehr Geheimnisse kommen ans Tageslicht und jede Folge schliesst mit einem klassischen Cliffhanger.

Durch diese Methode drückt man auch mal ein Auge (oder beide) zu, wenn die eigentliche Handlung der Folge zäh und langweilig ist, denn die Schlussmomente bringen immer wieder Neues ans Tageslicht, das die Zuschauer neugierig auf die nächste Episode macht. Leider können die Auflösungen diese Vorfreude bei weitem nicht stillen. So verkommt Dead to me nach einem interessanten Anfang zu einem vor sich hinplätschernden Ding à la Desperate Housewives, dem aber schlussendlich der Pepp und der Drive fehlt.

Die im Mittelpunkt stehenden Chrisitna Applegate und Linda Cardellini hingegen verleihen ihren Charakteren solide Glaubwürdigkeit und haben manch sympathischen Moment, den sie teilen können. Dabei macht vor allem Linda Cardellini einen erfrischenden Eindruck, auch wenn ihr Charakter dunkle und geheimnisvolle Taten zu verantworten hat. Das Zusammenspiel mit Christina Applegate funktioniert einwandfrei und lässt James Marsdens Charakter nie über den Status einens Nebendarstellers hinauskommen.

/ muri