The Dead Don't Die (2019)

The Dead Don't Die (2019)

Die Toten sterben nicht
  1. , ,
  2. ,
  3. 105 Minuten

Filmkritik: Zombies sind auch nur Menschen

72e Festival de Cannes 2019
Eins zwei drei, Polizei.
Eins zwei drei, Polizei.

Besonders viel Aufregendes ereignet sich nicht im verschlafenen Kaff namens Centerville. Wenn ein bärtiger Aussteiger (Tom Waits) dem rassistischen Farmer Miller (Steve Buscemi) Hühner stiehlt, ist das so ziemlich das schlimmste Verbrechen, das den Sheriff Cliff (Bill Murray) und seine Kollegen Ronny (Adam Driver) und Mindy (Chloe Sevigny) auf Trab hält. Doch als sie eines Abends von einem Einsatz nach Hause fahren und aus dem Radio der Song "The Dead Don't Die" ertönt, funktionieren die Handys nicht mehr und die Sonne geht nicht mehr unter. Alles ziemlich seltsam.

Lust for Life
Lust for Life

Als dann auch noch die Toten aus dem Friedhof ihren Gräbern entsteigen, ist den drei Polizisten klar: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Um sich gegen die Zombies zu wehren, gibt es eine wichtige Regel: Kill the Head! Immer auf den Kopf zielen! Unterstützung im Kampf gegen die Untoten erhalten die wackeren Gsetzeshüter dabei von der neuen, aus Schottland stammenden Bestatterin Zelda (Tilda Swinton), die sich als sehr talentiert im Umgang mit scharfen Säbeln erweist.

Ist das nun eine Hommage, eine Parabel oder eine Parodie? Irgendwie alles ein wenig. Jim Jarmuschs Vision eines Zombiefilmes ist ein teilweise vergnügliches, teilweise repetitives Ensemblestück mit einem Haufen sonderlicher Charaktere. Obwohl der Film die Zuschauer durch einige skurrile Wendungen immer wieder überraschen kann, verliert sich diese Friedhof-Scharade gegen Ende in ihrer Ziellosigkeit. Der beste Zombiefilm mit Bill Murray bleibt immer noch Zombieland.

Wenn man einen Theme-Song für einen Zombie-Film wählen müsste, welches Genre würde man da nehmen? Death-Metal? Elektronische Musik? Hardrock? Jim Jarmusch wählt gemütlich-lüpfige Country-Musik. Der titelgebende Song von Sturghill Simpson - der übrigens auch einen Gastauftritt als Untoter hat - ist typisch für diesen Film, der die Erwartungen an das Genre immer mal wieder bewusst unterwandert. Dies zeigt sich auch in einigen Neben-Handlungssträngen, die sich in eine teilweise überraschende Richtung entwickeln - oder eben nicht.

Und solche Handlungsstränge gibt's zahlreiche, versammelt Jarmusch doch einen illustren Cast vor der Kamera. Angeführt von den Jarmusch-erprobten Bill Murray (Broken Flowers), Tilda Swinton (Only Lovers Left Alive) und Adam Driver (Paterson), hält ein knappes Dutzend bekannter Hollywood-Mimen ihre Nase vor die Kamera. Ein bisschen erinnert das an die ebenfalls regelmässig starbesetzten Werke von Woody Allen oder Terrence Malick: Die meisten Stars schreiben sich nur zu gerne einen Jarmusch-Film in den persönlichen CV. Für Jarmusch-Fans zudem erwähnenswert: Die Ungarin Eszter Balint, vor 35 Jahren Hauptdarstellerin in Stranger Than Paradise, hat ebenfalls einen kleinen Auftritt. Daneben sind es vor allem (Neben-) Figuren wie jene von Caleb Landry Jones oder dem immer wieder gerne gesehenen Steve Buscemi, die dem doch eher handlungsarmen Streifen seine Würze geben.

Denn wie die beiden Kollegen pflegt auch Jarmusch seit Jahren seinen Stil, dem er hier treu bleibt. Fans von ausgeklügelten Plots und nervenkitzelnder Spannung dürften seit jeher Mühe haben damit, dafür kommen diejenigen auf ihre Kosten, die ein Flair für lakonischen Humor und leicht ins Absurde driftende Situationen haben. So gibt es in dem Streifen einiges zu grinsen, doch man sei gewarnt: Es ist ein Jarmusch-Film durch und durch und kein Shaun of the Dead! Auf Gags im Sekunden- oder wenigstens Minutentakt wartet man vergebens, statt dessen zieht Jarmusch den Humor aus der Wiederholung, der Lethargie und dem gelegentlichen Durchbrechen der "vierten Wand".

Und natürlich aus den zahlreichen Anspielungen, sei es auf Filme - eigene wie fremde -, sei es auf aktuelle Gegebenheiten aus der Weltpolitik. Klar, dass das Trump-Amerika sein Fett wegkriegt, wenn auch nicht besonders subtil. Und auch die Smartphonisierung der Gesellschaft ist naheliegenderweise ein Objekt der dezenten Kritik. The Dead Don't Die enthält daher auch eine Prise Gesellschaftskritik, die allerdings gegen Schluss mit dem Voiceover von Tom Waits' Figur ins Altkluge abdriftet. Der allerletzte Satz des Filmes könnte glatt aus einem Teenagertagebuch stammen. Die zuvor so sorgfältig Kultivierte Edel-Endzeitstimmung geht da jedenfalls flöten.

/ ebe

Kommentare Total: 2

muri

Unglaublich langweilige erste Stunde. Danach wirds etwas besser. Aber selbst dann als Gesamtpaket recht enttäuschend.

ebe

Filmkritik: Zombies sind auch nur Menschen

Kommentar schreiben