Dark Waters (2019)

Dark Waters (2019)

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  2. 126 Minuten

Filmkritik: Industrieschweinereien

Bei «Reise nach Jerusalem» verloren?
Bei «Reise nach Jerusalem» verloren? © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Cincinnati im Jahr 1998: Rob Bilott (Mark Ruffalo) ist soeben zum Partner in der renommierten Anwaltskanzlei Taft Stettinius & Hollister aufgestiegen, als er unerwarteten Besuch im Büro bekommt. Zwei Farmer aus Parkersburg, West Virigina, bitten Rob um Hilfe, weil sie glauben, dass der Chemiegigant DuPont ihr Land vergifte und so schon 190 Kühe auf dem Gewissen habe. Obwohl Rob in seiner Karriere schon Chemiekonzerne wie DuPont vor Gericht verteidigt hat, nimmt er den Fall an.

Der Verurteilte ist jetzt Anwalt.
Der Verurteilte ist jetzt Anwalt. © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Der hartnäckige Unternehmensanwalt erhält daraufhin Unmengen an DuPont-Dokumenten zugestellt, in denen die Abkürzung «PFOA» immer wieder auftaucht. Als er von DuPont-Anwalt Phil Donnelly (Victor Garber) wissen will, was dies genau bedeutet, erhält Rob nur aggressive Gegenfragen. Rob erkennt, dass er womöglich einem riesigen Umweltskandal auf die Schliche gekommen ist. Für ihn beginnt ein über 15 Jahre andauernder Kampf, in dem er die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen will.

Anders als das verschmutzte Wasser im Film ist Dark Waters sauber recherchiert und umgesetzt. Mark Ruffalo trägt den Film auf seinen Schultern und man folgt seinem Anwalt gerne bei einem Kampf gegen eine verantwortungslose Übermacht. Nur schafft es der Film kaum, die ganz grossen Emotionen auszulösen. Für das ist das Ganze dann doch ein Stück zu zurückhaltend umgesetzt.

Während Dark Waters in den USA bereits Ende Dezember 2019 in die Kinos gebracht wurde, musste der Film in der Schweiz auch wegen Covid-19 immer wieder verschoben werden. Nun erscheint der Film hierzulande Mitte Oktober 2020 und damit sechs Wochen vor der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative. Vom Timing her hätten sich die Initianten kaum einen besseren Zeitpunkt für die Veröffentlichung dieses Filmes wünschen können. Denn in Dark Waters geht es genau um einen Konzern, der sich aufgrund Profites entscheidet, auf die Umwelt und die dort lebenden Menschen zu pfeifen. In Todd Haynes' Film entwickelt sich so ein langer Kampf zwischen David gegen Goliath, der auf wahren Begebenheiten basiert.

Es ist kein leichtes Unterfangen, welches sich der echte Rob Bilott vorgenommen hat. Der Film zeigt dies sehr schön und vor allem realistisch auf. Es werden nur sehr wenige grosse Reden geschwungen. Stattdessen nimmt sich der Film zurück und präsentiert fast schon nüchtern die Fakten sowie die Mühen des Anwaltes. Das hat den Nachteil, dass Dark Waters nicht wirklich einen Spannungsbogen besitzt. Der «Sehgenuss» hängt sehr von der eigenen Empörung ab den gezeigten Industrieschweinereien ab. Betroffen sind von dieser Schweinereien laut dem Abspann 99 % der Menschen auf diesem Planeten. Augenöffnend ist es schon, was das Justizdrama zeigt, aber es löst wegen der zurückhaltenden Inszenierung und der wenig dramatischen Höhepunkte dann doch nicht dermassen extreme Gefühle aus wie es zum Beispiel Spotlight (ebenfalls mit Mark Ruffalo) geschafft hat.

Ruffalo spielt Billot als Kämpfer, der zwar sein Bestes gibt, aber eben kein Übermensch ist. So wird Billot im Film auch mal emotional niedergeschlagen gezeigt. Die anderen Darsteller halten sich derweil zurück. Auch Anne Hathaway oder Tim Robbins spielen sich nicht in den Vordergrund, sondern leisten alle ihren kleinen Beitrag dazu, dass aus Dark Waters ein interessanter Film geworden ist.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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