Dance with Me - Dansu wizu mî (2019)

Dance with Me - Dansu wizu mî (2019)

  1. , ,
  2. 103 Minuten

Filmkritik: Hüpf Hüpf Hurra!

NIFFF 2020
Bitte kein Crash vor lauter Trash!
Bitte kein Crash vor lauter Trash! © NIFFF

Seit einer traumatischen Kindheitserfahrung hasst Shizuka (Ayaka Miyoshi) alles, was mit Musik und Tanzen zu tun hat. Stattdessen steigt die ehrgeizige junge Frau in einem Grossunternehmen die Erfolgsleiter hoch und hat die Chance, ihrem attraktiven Chef Murakami (Takahiro Miura) zu beweisen, dass sie die richtige ist für die eine verantwortungsvolle Position, die gerade vakant ist. Doch ihr Leben stellt sich auf den Kopf, als sie mit ihrer Nichte den Jahrmarkt besucht und diese sich dort vom abgehalfterten Martin Ueda (Akira Takarada) hypnotisieren lässt, um ihr ihre Angst vor Gesangsauftritten zu nehmen.

Unbeabsichtigt wirkt die Hypnose nämlich auch bei Shiuzuka, und dies ziemlich heftig: Immer wenn irgendwo Musik erklingt, kann sie nicht anders, als zu singen und zu tanzen. Damit halst sie sich in Beruf und Privatleben einige Probleme auf. Als sie den Hypnotiseur nochmals aufsuchen will, um alles rückgängig zu machen, trifft sie nur noch auf die redselige Chie (Yû Yashiro), die früher als Lockvogel für den ominösen Hypnotiseur gearbeitet hat. Zusammen machen sie sich auf einen Roadtrip quer durch Japan, um Martin Ueda zu finden und Shiuzikas Leben wieder in Ordnung zu bringen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, tanzen sie noch heute: Die Mischung aus Musical und Roadmovie hat vor allem in der ersten Hälfte einige starke Szenen, wenn die Protagonistin Shiuzuka ihre unfreiwilligen Tanzeinlagen einlegt. Da kommt bestes Musicalfeeling auf. Hingegen enttäuscht die Rahmenhandlung, die viel zu stark in die Länge gezogen ist und mit Chie einen eher nervigen Sidekick einbaut. Dance With Me überzeugt so zwar musikalisch-tänzerisch, nicht aber erzählerisch.

Gut singen und tanzen können ist zwar cool, aber wenn sich der Körper schon beim Erklingen eines Handyalarms unkontrolliert in Bewegung setzt, kann das einige Probleme mit sich bringen - wie es Protagonistin Shizuka am eigenen Leib erfährt. Mit diesem einfachen, aber effektiven Plot schafft Dance With Me die Grundlage für eine Gute-Laune-Musicalkomödie mit zahlreichen beschwingten Musik- und Tanzeinlagen.

Dieses Versprechen hält der Film von Shinobu Yaguchi vor allem in der ersten Hälfte. Sei es zu besagtem Handyklingelton, zu einer laschen Büropräsentation oder zu einem Geburtstagskuchen im Nobelrestaurant: Wenn Hauptdarstellerin Ayaka Miyoshi loslegt mit ihren Tanzeinlagen, kommt Stimmung auf. Trotz japanischen Songtexten wirkt die Musik dabei erstaunlich «westlich» und erinnert zeitweise sogar ein bisschen an La La Land.

Leider entscheidet sich der Film aber, nicht voll auf die Karte Musicalkomödie zu setzen. Stattdessen entwickelt er sich zum klassischen Roadmovie. Begleitet von der Dauerquasslerin Yû Yashiro in der Rolle von Chie - im allfälligen amerikanischen Remake wäre das wohl eine Paraderolle für Melissa McCarthy - tourt Miyoshi alias Shizuka quer durch Japan mit dem Ziel, den Hypnotiseur zu finden, der den Zauber stoppen kann. Und natürlich kommt dabei immer wieder irgendetwas dazwischen.

Leider geht in dieser zweiten Filmhälfte der Schwung der ersten vollkommen verloren, und auch die Anzahl der Musikeinlagen nimmt merklich ab. Stattdessen folgen zähe Passagen, in denen man das Interesse an der Geschichte und an den Figuren zwischendurch verliert. Zumindest bis zum Finale, wo es dann endlich wieder etwas musikalischer wird. Denn die Musik- und Tanzszenen sind letztendlich die Stärken dieses Films, der insgesamt doch ein bisschen wenig macht aus dieser eigentlich ganz netten Ausgangslage.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Twitter
  6. Instagram
  7. Letterboxd