Glorreiche Verlierer - Criminales como nosotros (2019)

Glorreiche Verlierer - Criminales como nosotros (2019)

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  3. 116 Minuten

Filmkritik: Darín Lucky

Profis am Werk
Profis am Werk © Filmcoopi

2001 in einem verschlafenen Nest in Argentinien. Wirtschaftlich läuft nicht mehr viel in dem Städtchen, in dem der ehemalige Fussballspieler Fermín (Ricardo Darín) mit seiner Frau Lidia (Verónica Llinás) eine Tankstelle betreibt. Doch das soll sich bald ändern. Denn Fermín will einige verlassene Getreidesilos kaufen und wieder in Betrieb nehmen. So möchte er seinen Freunden eine Perspektive bieten. Er überredet fast jeden in der Gemeinde, in das Projekt zu investieren. Über 150'000 Pesos kommen so zusammen, welche Fermín auf Drängen des Banker-Managers Alvarado (Luciano Cazaux) auf ein Sparkonto einzahlt.

Der Rotstift von Möbel Pfister geht wieder um.
Der Rotstift von Möbel Pfister geht wieder um. © Filmcoopi

Doch dann wird Fermín von Alvarado und dem Anwalt Manzi betrogen und verliert so alles Geld. Ein Jahr nach diesem schweren Schock erfährt Fermín, dass Manzi sich einen unterirdischen Safe auf dem Land gebaut hat. Dort muss das geklaute Geld sein. Obwohl sie überhaupt keine Erfahrung haben, beginnen Fermín und seine Freunde einen unmöglich scheinenden Raubüberfall zu planen.

Criminales como nosotros ist ein unterhaltsames Heist-Movie mit sympathischen Charakteren, denen man das Gelingen ihres Planes von Herzen wünscht. Der Film schlägt zwischendurch auch ein paar ernstere Töne - Argentinien Wirtschaftskrise von 2001 spielt eine wichtige Rolle -, doch bleiben am Ende vor allem viele Lacher in Erinnerung.

Eine Gruppe von Menschen versammelt sich, um einen grossen Coup durchzuführen. Bei einer solchen Plot-Line kommen einem natürlich sehr schnell Steven Soderberghs Ocean's Eleven in den Sinn. So stylisch wie George Clooney und Brad Pitt kommen die Protagonisten in Criminales como nosotros jedoch überhaupt nicht daher - unter den Räubern befindet sich sogar ein richtiger Drecksspatz. So taugt Soderberghs Logan Lucky besser als Vergleichsfilm. Denn auch dort bestanden die Diebe aus Menschen, denen man wohl eher kein so kompliziertes Überfall-Vorhaben zutrauen würde - was dann die Planung und die Ausführung umso unterhaltsamer macht.

Eine reine Komödie ist Criminales como nosotros jedoch nicht. Der ernste Hintergrund mit der argentinischen Wirtschaftskrise von 2001 wird nicht für Lacher missbraucht. Stattdessen zeigt der Film zu Beginn einfache Menschen, die alles zu verlieren drohen - das ist nun mal nicht witzig. Clever, dass er dann nach einer halben Stunde einen Zeitsprung macht, nach dem dann der Heist-Teil beginnt. Dann kann man auch viele Male herzhaft lachen - besonders, weil die Diebe hier alles blutige Anfänger sind, denen lange nicht alles so klappen will, wie sie sich das gedacht haben.

Die Geschichte über Solidarität trifft dabei oft den richtigen Ton, auch wenn die zwei Stunden nicht ganz ohne Längen vorbeigehen. Doch die bunten und sympathischen Charaktere (angeführt durch den argentinischen Schauspiel-Superstar Ricardo Darín) lassen die Zuschauer dranbleiben, und man wünscht sich dann halt schon, dass hier eine Art von Gerechtigkeit gefunden wird. Denn das Böse - personifiziert durch einen schmierigen Anwalt - ist eine hassenswerte Figur, der man jeden genervten Blick von Herzen gönnen mag.

So wird Criminales como nosotros zu einem vergnüglichen Filmerlebnis, das hoffentlich nicht nur ein Geheimtipp bleiben wird.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Spanisch, mit deutschen und englischen Untertitel, 01:39