Crawl (2019)

Crawl (2019)

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  2. 87 Minuten

Filmkritik: See you later, hungriger Alligator!

Hast du meine Gummientli gesehen?
Hast du meine Gummientli gesehen?

Hurrikan "Wendy" trifft auf Florida und die Regierung gibt die entsprechende Warnung mit allen Konsequenzen heraus. Das heisst auch, dass vereinzelte Städtchen evakuiert werden, weil der Wasserpegel steigt und das Unwetter gefährlichen Schaden anrichtet. Haley (Kaya Scodelario) ist auf dem Weg zu ihrem Vater Dave (Barry Pepper), von dem sie schon länger nichts mehr gehört hat, weshalb sie sich bei diesem Unwetter natürlich Sorgen macht. Da die Strasse, an der Daddy wohnt, abgesperrt ist, scheint die Suche nicht möglich. Da sich Haley aber einen Dreck um Warnungen und Verbote schert, taucht sie schon bald bei Papa auf und findet ihn irgendwo im Keller. Verletzt zwar, aber immerhin lebend.

Messie oder Nessie?
Messie oder Nessie?

Da der Sturm immer schlimmer wird und Daves Verletzung schnelle Bewegungen unmöglich machen, werden die beiden vom Unwetter und den Wassermassen eingeschlossen. Doch damit nicht genug! Mit dem steigenden Wasserspiegel tauchen auch gefrässige Alligatoren auf, die ins Haus eindringen und dort Jagd auf unsere beiden Insassen machen. Es beginnt ein dramatischer Kampf ums Überleben, den die hungrigen Monster scheinbar zu ihrem Vorteil drehen. Doch Haley will nicht, dass dieses Unwetter ihr Grab wird und beginnt einen verzweifelten Kampf um das Leben ihres Vaters und ihr eigenes. Ein Entkommen aus dem alligatorenverseuchten Haus scheint aber unmöglich.

Für die Sommermonate bietet Crawl die richtige Portion anspruchsloser Action, der man problemlos folgen und sich dabei amüsieren kann. Die Bedrohung der Alligatoren ist sehr präsent und die Viecher könnten hartnäckiger kaum sein. Über Sinn und Unsinn darf natürlich diskutiert werden, allerdings sind solche Filme am besten zu geniesssen, wenn man sich darauf einlässt. Und wer nächstes Mal nach Florida in den Urlaub geht, dürfte vielleicht die Augen ein bisschen weiter offen haben. Vielleicht lauert ja irgendwo ein Alligator ...

Eine Zeitlang waren Haifische die grossen Monster im Film. Lautlos, brutal und stets hungrig, haben sie ihre Opfer gejagt, gefressen und verstümmelt. In Crawl schiebt man die Fische beiseite und lässt riesige und blutrünstige Alligatoren auf deren Opfer los. Das verleiht dem Film, allen Effekten und Dramaturgien zum Trotz, einen Hauch Authentizität und verspricht über einen grossen Teil des Films eine angenehme Spannung.

Die Ausgangslage von Crawl ist so simpel wie spannend: Zwei Menschen (die sonstigen Opfer an der Tankstelle lassen wir mal beiseite) wehren sich ihres Lebens gegen Fressmaschinen, die ihnen in allen Belangen überlegen zu sein scheinen. Diese Alligatoren - keine Fantasieviecher, sondern in Florida natürlich weit verbreitet - benehmen sich artgerecht, jagen ihre Beute, beissen brutal zu und sind erst dann zu entdecken, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Der Dramatik helfend, tauchen sie auch immer wieder dort auf, wo man sie kaum erwartet. Die Begegnungenm zwischen Mensch und Reptil mag dabei sicherlich komische Aspekte haben, denn die Animationen der Gators sind nicht immer zweifelsfrei gelungen, unterhalten aber angenehm.

Was bei dieser Art von Film fast immer auf der Strecke bleibt, ist die Story. Auch in Crawl dürfen wir keine ausgeklügelten Twists oder Überraschungen erwarten, sondern kriegen das geboten, was auf dem Poster erkennbar ist. Dafür macht Hauptdarstellerin Kaya Scodelario (The Maze Runner) eine anständige Figur, indem sie ihrem Charakter Stärke und Überlebenswillen verleiht. Das heisst, sie muss weniger "schauspielern", als halt vor allem physisch agieren. Ebenso ihr Filmvater Barry Pepper True Grit), welcher aber meist ächzend und mit schmerzverzerrtem Gesicht rumliegen muss und eine heftige Leidensgeschichte erfährt.

/ muri