Cold Pursuit (2019)

Cold Pursuit (2019)

Hard Powder
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  3. 118 Minuten

Filmkritik: Not Another Liam Neeson Revenge Movie

Liam Neeson is... Mr. Plow
Liam Neeson is... Mr. Plow © Impuls Pictures AG

Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson) lebt ein ruhiges Leben in Kehoe, einem Skigebiet in den Rocky Mountains. Er ist beliebt bei den Bewohnern der Stadt, weshalb er vor kurzem sogar zum Bürger des Jahres ausgezeichnet worden ist. Doch dann ziehen düstere Wolken über dem Leben von Nels auf. Seinem Sohn wird von Drogendealern eine Überdosis Heroin verabreicht, weil diese vermuten, dass Coxman junior ihnen Stoff geklaut hat. Nels ist am Boden zerstört über den Drogentod seines Sohnes.

Auch Drogenbosse müssen gesund trinken.
Auch Drogenbosse müssen gesund trinken. © Impuls Pictures AG

Gerade noch rechtzeitig wird dem trauernden Vater dann aber mitgeteilt, was wirklich geschehen ist. Mit dem Wissen, welches er sich über die Jahre von Krimiromanen angelesen hat, beginnt er nach den Verantwortlichen zu suchen, damit er diese um die Ecke bringen kann. Doch Nels' Rachefeldzug löst unabsichtlich einen Bandenkrieg zwischen zwei Drogen-Lagern aus. Denn Drogenboss Viking (Tom Bateman) vermutet hinter dem Verschwinden seiner Mitarbeiter seinen langjährigen Rivalen White Bull (Tom Jackson). So kommt es, dass bald der Sohn von White Bull unter der Erde liegt. Es wird nicht der letzte gewaltsame Tod um Kehoe bleiben - und Nels ist in diesem Krieg mittendrin statt nur dabei.

Cold Pursuit ist das gelungene US-Remake des norwegischen Filmes Kraftidioten. Liam Neeson passt perfekt in die Rolle des grummligen Rächers. Die grosse Stärke des Filmes sind jedoch die vielen Nebenfiguren, welche den Plot in interessante und morbide Richtungen lenken. Für Fans von schwarzen Humor à la Fargo sehr empfehlenswert. Wer aber "Taken 4" erwartet, wird enttäuscht werden.

Nachdem Liam Neeson mit Taken im zarten Alter von 55 zum neuen Actionstar geworden war, sah man den Schauspieler fast nur in Filmen, in denen er bösen Jungs auf Maul geben konnte. Wenn man die Geschichte von Cold Pursuit ("deutscher" Titel: Hard Powder) durchliest, scheint das nur "more of the same" zu sein. Doch stimmt dies nur bis zu einem gewissen Grad. Denn das Remake der Krimikomödie mit dem herrlichen norwegischen Originaltitel Kraftidioten ist trotz dem US-Setting noch immer herrlich skandinavisch-morbid - und damit um einiges besser als der Standard-Neeson-Rächerfilm.

Inszeniert hat diese Neuauflage mit Hans Petter Moland jener Regisseur, der ebenfalls das Original drehte. Viele Anpassungen musste er dabei nicht vornehmen. Aus dem serbischen Drogenkartell (der im Februar 2019 verstorbene Bruno Ganz spielte dessen Oberhaupt) wurde ein Syndikat mit amerikanischen Ureinwohnern gemacht. Moland und der US-Drehbuchautor Frank Baldwin ziehen aus dieser neuen Konstellation auch einiges an Humor. Beispielsweise, wenn in der Originalfassung eine Hotelangestellte fragt, ob die Indianer eine "Reservation" haben - was im Englischen auch "Reservat" bedeutet.

Wer jedoch hier einen gradlinigen Liam-Neeson-Actioner erwartet, könnte enttäuscht werden. Cold Pursuit ist deutlich näher bei Fargo als bei Taken. Der Fokus liegt auf einer bunten Reihe von Figuren anstatt nur auf einem Rächer. Sogar Entscheidungen und Handlungen von Nebenfiguren können hier immense Auswirkungen auf den ganzen Plot haben - ein kleiner Reminder, wie gut durchdacht das norwegische Skript von Kim Fupz Aakeson ist. Der Fokus weg vom "Helden" hat aber zur Folge, dass Neeson im Mittelteil fast komplett aus der Handlung verschwindet. Stattdessen interessiert sich Moland dort mehr für die Machenschaften der beiden Drogenkartelle, deren Mitglieder sich äusserst skurill benehmen, sodass der Fan von schwarzem Humor einiges zu lachen hat.

Das kann auch zur Geduldsprobe werden. Doch wer sich auf das gemütlichere Erzähltempo einlassen kann, bekommt eine vor einer wunderschönen Bergkulisse gefilmte interessante und lustige Thriller-Komödie. Und Liam Neeson ist mit seinen inszwischen 65 Jahren dank der Naivität seiner Figur in dieser Story deutlich besser aufgehoben, als wenn er für "Taken 4" wieder gegen eine Heerschar austeilen müsste. "Einer nach dem anderen" - so lautete der deutsche Titel des Originals - passt da viel besser zum 65-jährigen Neeson, wenn es um die Entledigung von bösen Jungs geht. Diese Glaubwürdigkeit steht dem Film und dem Protagonisten überaus gut.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 3

yan

Fand schon Kraftidioten eher mässig, aber dieses Remake hätte nun wirklich keiner gebraucht.

Ich hoffe Emmy Rossum (Shameless) beweist in Zukunft ein besseres Händchen, denn verdient hätte es die talentierte Darstellerin allemal.

muri

Versucht verzweifelt, etwas "anderes" zu sein, als der inzwischen übliche Neeson-Actioner. Das klappt IMO leider nicht wirklich und auch wenn ich den Kerl mag und das Setting mit Schnee, sowie die hin und wieder aufflackernden skurrilen Szenchen, so richtig überraschen tut das Teil nicht.

Es bleibt ein Neesonfim, in dem er sich rächt und alles kurz und klein prügelt und abknallt. Da nützt auch das schöne Setting im Schnee nicht viel. Mal wieder was anderes probieren, lieber Liam?

crs

Filmkritik: Not Another Liam Neeson Revenge Movie

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