Cittadini del Mondo (2019)

Cittadini del Mondo (2019)

  1. 92 Minuten

Filmkritik: Auswandern für Anfänger

Die Badehose ist schon mal eingepackt.
Die Badehose ist schon mal eingepackt. © Xenix

Ein ehemaliger Gymilehrer (Gianni Di Gregorio), den alle nur «Professore» nennen, schlägt sich mit seinem Kumpel Giorgetto (Giorgio Colangeli) mehr schlecht als recht durchs Pensionärenleben in Rom. Die magere Rente reicht nirgendwo hin und Ersparnisse sind auch kaum vorhanden. Als sie eines Tages in der Stammbeiz über ihre Situation jammern, kommt ihnen die Idee: Wieso nicht einfach auswandern? In anderen Ländern, so haben sie gehört, können sie mit ihrer Rente wunderbar und fürstlich leben.

Bier: Check. Burger: Check. Wer will da auswandern?
Bier: Check. Burger: Check. Wer will da auswandern? © Xenix

Doch so einfach ist der Plan vom Auswandern dann doch nicht umgesetzt. Zumal die beiden Oldies keine Ahnung haben, wohin es denn überhaupt gehen soll. Durch einen Zufall stossen sie auf den Antiquitätenhändler Attilio (Ennio Fantastichini), der ihnen zwar auch nicht wirklich weiterhelfen kann, doch ebenfalls begeistert ist von der Idee. Zu dritt versuchen sie fortan, das Geld für den Flug aufzutreiben, der ihren Traum wahr machen soll. Und durch einen Tipp aus dem Bekanntenkreis haben sie nun auch ein Ziel, an dem sie ihren Lebensabend verbringen wollen: die Azoren!

Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum? Wenn es denn so einfach wäre! Die Tragikomödie von Gianni Di Gregorio nimmt mit einem Augenzwinkern und gut aufgelegten Darstellern die typisch italienische Lamentitis aufs Korn. Auch wenn die Geschichte weder besonders spektakulär noch besonders originell daherkommt, ist Cittadini del mondo doch ein sympathischer kleiner Film, der einige Schmunzler und drei Protagonisten zum Gernhaben bietet. Man ahnt, dass ihr Vorhaben von Anfang an zum Scheitern verdammt ist. Aber träumen kostet ja glücklicherweise nichts.

Schon vor dem Ausbruch des Coronavirus ist Italien immer wieder von Krisen geschüttelt worden - sei es durch Politskandale, durch Korruption oder durch die Flüchtlingskrise und den Umgang damit. Cittadini del mondo wirft einen nüchternen Blick auf ein Land, in dem auch ehemalige Lehrer mehr schlecht als recht über die Runden kommen mit ihrer spärlichen Rente. Allerdings zeigt der Film von Gianni Di Gregorio auch auf verschmitzte Art, dass die Italiener liebend gerne jammern und die Misere grösser machen, als sie ist.

Die drei Rentner - den «Professore» spielt der Regisseur gleich selber - haben nämlich trotz Finanzproblemen ein ganz angenehmes Leben. Wenn sie abends auf der Terasse sitzen, grillieren und Bier trinken, während sie über ihre Auswanderungsphantasien debattieren, so scheint es ihnen gar nicht so leid zu sein. Mit - für italienische Verhältnisse - erstaunlich leisem und feinem Humor porträtiert Di Gregorios Film drei Pensionäre, die versuchen, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, anstatt nur Trübsal zu blasen und auf den Tod zu warten. The Bucket List all'italiana sozusagen, erfreulicherweise ohne dessen triefende Sentimentalität.

Allerdings fehlt Cittadini del mondo über die 90 Minuten zeitweise ein wenig der Schmiss. Die Nebenplots mit einem Flüchtling und einer attraktiven unbekannten Frau sind nicht besonders ausgearbeitet. Dabei hätte gerade ersterer etwas mehr Screentime und eine sorgfältigere Charakterzeichnung verdient, dient sein Schicksal doch als Kontrast zu den verhältnismässig läppischen Rentnerproblemen der Protagonisten. Auch die wenigen weiblichen Charaktere im Film glänzen nicht eben durch Charaktertiefe.

Für seine Nebenfiguren interessiert sich der Film so nur insofern, als sie als dramaturgisches Element nötig sind. Man spürt: Hier fühlt sich der Regisseur nicht im Element. Viel lieber zeigt er die drei rüstigen Rentner bei ihren reichlich unbeholfenen und mit viel theatralischer Gestik begleiteten Versuchen, aus dem Alltag auszubrechen. Man kann nicht umhin, sie zu mögen - und stellt dabei fest: Irgendwie werden sie wohl am Ende doch wieder auf ihren Füssen landen. Und das ist vielleicht gerade typisch für das Land.

/ ebe

Trailer Italienisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:36