Captain Marvel (2019)

Captain Marvel (2019)

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  2. 124 Minuten

Filmkritik: Wie der Pager zu Nick Fury kam

Danger Zone!
Danger Zone!

Die Alienrassen Kree und Skrull befinden sich im Krieg miteinander. Mittendrin ist auch die Kämpferin Vers (Brie Larson), die zusammen mit ihrem Teamleader Yon-Rogg (Jude Law) für die Kree-Seite auf gefährliche Missionen geht. Geplagt wird Vers schon seit längerem von Erinnerungen, welche sie nicht zuordnen kann. Ihr erscheinen in Träumen immer wieder eine Explosion sowie Szenen aus einer Kindheit, an die sie sich nicht erinnern kann.

Danger Zone x 100'000!
Danger Zone x 100'000!

Als Vers nach einer misslungenen Mission aus Versehen auf der Erde landet, beginnt sie langsam zu verstehen, woher der Ursprung ihrer Träume kommt. Zusammen mit dem jungen S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) versucht Vers das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Doch muss sie sich beeilen. Denn durch ihren Besuch auf dem blauen Planeten droht dieser wegen des Krieges zwischen den Kree und den Skrulls in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Captain Marvel erzählt zwar die x-te Origin-Story im Marvel Cinematic Universe, doch wird das aufgrund der Erinnerungslücke der Protagonistin einigermassen interessant umgesetzt. Denn die Heldin weiss selbst nicht, wer sie ist und so lernen die Zuschauer dies nach und nach mit ihr. Brie Larson überzeugt als coole Heldin, mit der man sich besser nicht anlegen sollte (auch Thanos nicht!), selbst wenn der Zuschauer gegenüber ihr aufgrund der Erzählform immer etwas auf Distanz bleibt. Grosses Kompliment jedoch an die Katze Goose und an die "Verjüngerer" von Samuel L. Jackson.

Die Hardcore-Fans wussten schon, welche Heldin Nick Fury da am Ende von Avengers: Infinity War mit Hilfe eines Pagers gerufen hat. Alle, welche beim Erscheinen des Logos von Captain Marvel jedoch wegen des Johlens der Fans nur verwirrt umherblickten, kriegen hier nun - wie auch alle anderen auch - die Erklärung dazu. Und das Marvel Cinematic Universe mit dem 21. Anlauf den ersten Film, in dem eine Frau im Mittelpunkt steht.

Dabei war der ursprüngliche, von Stan Lee und Gene Colan 1967 erdachte Held mit dem Namen Mar-Vell aka Captain Marvel ein Mann. Carol Danvers wurde erst zehn Jahre später zu Ms. Marvel gemacht, nachdem sie bereits seit 1968 als Offizier Teil der Comicreihe war. Nachdem Mar-Vell im Comic 1982 an Krebs starb, trugen danach verschiedene Figuren den Titel Captain Marvel. Darunter auch die Afroamerikanerin Monica Rambeau, die im Film sogar in einer Nebenrolle auftritt. Seit 2012 ist jedoch Carol Danvers offiziell "Captain Marvel", und das wurde für den Film nun beibehalten.

Da die meisten die Figur jedoch noch nicht kennen, erzählt Captain Marvel eine Originstory, wie sie das MCU schon zur Genüge gesehen hat. Immerhin wurde dies hier etwas interessanter verpackt. Denn unsere Heldin weiss gar nicht, wer sie überhaupt ist und woher ihre Kräfte kommen. Der Film beginnt so mittendrin und offenbart den Zuschauern wie auch der Protagonistin selbst während der Laufzeit immer mehr Puzzleteile. Einziger Nachteil dabei ist, dass wir mit ihr lange nicht warm werden. Wieso sollen wir mit einer Figur gross mitbangen, die unbesiegbar scheint und über die wir nur sehr wenig wissen? Immerhin ist Brie Larson in der Hauptrolle ziemlich "kick-ass" und weiss mit ihrem zielgerichteten Handeln und ihrer Coolness zu gefallen. Die Show stehlen ihr eigentlich nur Ben Mendelsohn und eine Katze mit dem Namen Goose.

Ausgeglichen wird die leichte Distanz zur Hauptfigur durch einen schnell vorangetrieben, wenn auch recht überraschungsarmen Plot, der zwischendurch mit seinen Aliens und Themen näher bei Star Trek als bei Guardians of the Galaxy ist. Das ist kein Negativpunkt, sondern ein Kompliment, waren und sind die Trekkie-Serien und -Filme doch in vielen Aspekten weit progressiver als andere Sci-Fi-Formate ihrer Zeit. Der Film spielt weiter oft mit Nineties-Referenzen (allen voran bei der Musik zu hören), da dieses Abenteuer ungefähr 1995 spielt - Promomaterial zu True Lies und Babe in einem Videoladen lassen darauf schliessen (ja, wir sind Nerds). Aus diesem Grund mussten bereits in frühreren MCU-Werken etablierte Gesichter aus dem MCU mit Make-up und Computereffekten jünger gemacht werden. Während das Ergebnis bei Clark Greggs Agent Coulson etwas zu "glatt" ausfällt, haben sich die Macher bei Samuel L. Jacksons Nick Fury selbst übertroffen. Man vergisst fast komplett, dass hier mit Tricks nachgeholfen wurde.

Wenn so auch Captain Marvel nicht hundertprozentig zufrieden stellt, ist dies immer noch ein gelungenes Debüt einer starken Heldin, das verständlich macht, warum die Hardcore-Fans in der letzten Szene von Infinity War so laut herumjohlten.

/ crs

Kommentare Total: 7

muri

Macht einen etwas vollgepackten und hektischen Eindruck. Frau Marvel kriegt zwar ihre schöne Originstory, aber so richtig interessant wird es leider nur zwischendurch. Das liegt einmal am Witz von Jackson und am wahnsinnig genial aufspielenden Büsi, auf der anderen Seite ist für mich halt der Superheld etwas langweilig, wenn er soviel Power wie Captain Marvel (oder auch Superman) hat und somit allen Kollegen überlegen ist.

Trotzdem, kam gut. War witzig. Büsi ist herzig und die After-Credit Szene ein Knaller. Jetzt sind die Positionen für das grosse Endgame bezogen. Ich bin gespannt!

AscendingFlame

Ich fand den Film sehr unterhaltsam. Ist halt ein Marvel-Film. Wer philosophischen Tiefgang braucht, ist hier falsch, aber wer spritzige Actionszenen in einer phantasievollen Handlung will, der ist hier richtig. Ich habe mich jedenfalls sehr gut unterhalten.
Und weils nicht anders geht: Die Frauenhassen, die meinen den Film schlecht machen zu müssen: Get over it and enjoy the movie! Es hätte echt keinen Unterschied gemacht, wenn die Rolle (und als Konsequenz der Piloten-Freundin) von einem Mann gespielt worden wäre.
Sowohl Brie Larsson in der Rolle als auch der Charakter selber waren stimmig und haben gut gepasst. Besonder toll fand ich, dass endlich mal eine weibliche Actionheldin auch eine weibliche Freundin hat, die nicht nur als vertraute Zuhörerin herhalten muss, sondern auch selbst an der Action teilnimmt. Und Ben Mendelsohn mal in einer witzigen Rolle zu sehen, hat mir auch gefallen.
Und PS: Die Fury/Goose-Interaktion war zum Schiessen! Wir die Das-ist-keine-Katze dann die Welt in Endgame retten? ;-)

ma

Die Kommentare hier und anderswo lassen mich ziemlich sprachlos. Da können Frauen jahrhundertelang unterdrückt werden und auch in 2019 ist eine starke Frau noch eine "Bedrohung" und kann keinen Spruch fallen lassen? Und Political Correctnes, soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung sollen zurückgefahren werden in unserer Gesellschaft? Na dann viel Spass...

Den Film selbst fand ich ziemlich cool und wünsche mir mehr von diesen etwas zurückskalierten Geschichten im MCU. Brie hat Charme und ganz viel Badassness, wird aber zuweilen etwas von den Nebenfiguren überschattet. Das hat aber auch mit der umgekehrten Orignstory zu tun, die ich wiederum sehr originell fand.

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