Canción sin nombre (2019)

Canción sin nombre (2019)

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  2. 97 Minuten

Filmkritik: Ein Lied von Einsamkeit und Ungerechtigkeit

2. OutNow Film Festival 2021
Georgina verkauft Kartoffeln in der Stadt.
Georgina verkauft Kartoffeln in der Stadt. © trigon-film

Georgina (Pamela Mendoza) ist eine indigene Peruanerin. Sie lebt mit ihrem Mann in den Anden ein bescheidenes Leben. Ihr Geld verdienen sie mit dem Verkauf von Gemüse, doch es reicht nicht, damit Georgina in einer normalen Klinik entbinden kann. So kommt das Angebot einer alternativen Einrichtung, die eine kostenlose Behandlung garantiert, gerade richtig. Doch sobald das Kind auf der Welt ist, verschwindet es, und auch die verantwortlichen Ärzte sind nicht mehr zu finden. Auf der Suche nach Antworten begingt für Georgina eine kafkaeske Reise.

Die Natur ist Georginas Zuhause.
Die Natur ist Georginas Zuhause. © trigon-film

Von einer Institutionen nach der anderen wird Georgina abgewiesen. Ihr Anliegen findet kein Gehör bei den offiziellen Stellen. Erst als sie einen Journalisten einer grossen Zeitung für ihren Fall interessieren kann, schöpft sie ein bisschen Hoffnung. Was dieser herausfindet, lässt aber keine besonders zuversichtlichen Aussichten zu. Dass Georgina nicht die einzige Frau ist, deren Neugeborenes auf dieselbe Weise verschwindet, macht die Situation auch nicht besser - im Grund nur noch desolater.

In Schwarz-Weiss fängt die peruanische Regisseurin ihr Sozialdrama der leisen Töne ein. Mit Canción sin nombre erzeugt sie eine ästhetisch-poetische Stimmung und ein Gefühl der unendlichen Einsamkeit. Das persönliche Schicksal der Protagonistin steht zwar im Mittelpunkt der Handlung, doch vermittelt der Film auch einen Eindruck für die Sache der Indigenen in Peru und lässt sich von einem realen Ereignis aus der Geschichte des Landes inspirieren. Der Film wird seinem Titel gerecht, indem er einem melancholischen Wiegenlied gleicht.

Angesiedelt ist die Handlung Ende der Achtzigerjahre in Peru. Es war eine Zeit grosser politischer Unruhe und Gewalt. Die Vertreter der Quechua, eines indigenen Volk Perus, damals diskriminiert und zum Teil Opfer lebensbedrohlicher Repressalien, 1990 gab es ein Attentat, bei dem über 30 Personen starben. Dieser Ereignisse muss man sich nicht wirklich bewusst sein, um die schmerzgeladene Atmosphäre des Filmes nachzuempfinden. Mit Sicherheit handelt es sich bei Canción sin nombre um ein Melodrama, doch verzichtet die Regisseurin auf ein übermässiges Pathos.

Die Härte der Geschichte widerspiegelt sich vielmehr in der ruhigen Mimik der Protagonistin, in ihren traurigen Augen und in ihrer anklagenden Stille. Mit viel Charisma verkörpert Pamela Mendoza diese verletzte und verzweifelte Frau, die sich ihrem Schicksal aber nicht beugt. Sie weiss um ihre unterlegene Position, kämpft aber dafür, gehört zu werden - auch wenn es aussichtslos erscheint. Mendoza hat hier ihre allererste Filmrolle übernommen und damit ein natürliches Talent unter Beweis gestellt.

In suggestive Klänge, die denen der indigenen Völker eigen sind, setzt Canción sin nombre die Kontraste der peruanischen Realität in Szene. Auf der einen Seite sieht man die kalte und kahle Architektur in der Stadt und auf der anderen die hügelige und in gewisser Weise sinnliche Landschaft. Während die Protagonisten in der ersten ausgestellt und verloren wirken, finden sie in der anderen Intimität und Geborgenheit.

Canción sin nombre berührt und entfaltet nach und nach eine derartige Kraft, die mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Das gelingt dem Film durch das Zusammenspiel aus bewegender Geschichte und einer künstlerisch einheitlichen Bildsprache. Er ist mit jeder Einstellung eine traurige Ballade über den Schmerz einer Mutter und ihre Sehnsucht für ihr Kind.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:05