Filmkritik: It's Like The Wild West, Bitch!

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What's up, bitch?
What's up, bitch?

Jesse Pinkman (Aaron Paul) flüchtet mit einem befreiten aber auch verzweifelten Lachen aus den Fängen Jack Welkers (Michael Bowen). Im Chevrolet El Camino von Jacks Neffe Todd (Jesse Plemons) düst der ehemalige Crystal-Meth-Koch davon und sieht ein, dass er zuerst seine Vergangenheit bewältigen muss, bevor er einen Neuanfang wagen kann. Nur: Jesse wird überall gesucht. Der von den Qualen langer Gefangenschaft und Folter gezeichnete Jesse erhält Unterstützung von seinen langjährigen Junkiefreunden Skinny Pete (Charles Baker) und Badger (Matt Jones).

Here's Jesse!
Here's Jesse!

Um eine wirkliche Chance auf ein neues Leben zu haben, braucht Jesse Geld. Den nötigen Zaster will er sich beschaffen, indem er das versteckte Geld eines bekannten Toten aufspürt. Leider haben es auch andere auf dessen versteckte Moneten abgesehen. Und Jesse hat noch ein weiteres Problem, nämlich jemanden zu finden, der ihn aus dem Staat schmuggeln kann. Zum Glück hat er aber in seiner Zeit als Drogenkoch einige Bekanntschaften gemacht, die ihm hierbei helfen könnten.

El Camino: A Breaking Bad Movie erzählt das Ende der zweiten Hauptfigur von Breaking Bad. Dies macht Schöpfer Vince Gilligan genau so, wie er das bei seiner Serie schon immer getan hat. Mit den gewohnten Stilmitteln, einer tollen Inszenierung und einem grandiosen Aaron Paul, der endlich mehr Anerkennung im Business verdient hätte, ist ihm ein starker Thriller gelungen, der zwar als eigenständiger Film Mühe bekunden dürfte, bei seinen Fans als spannender Epilog aber ins Schwarze trifft.

Als Breaking Bad im November 2014 mit seiner finalen Episode "Felina" zu Ende ging, wurde zwar das Schicksal Heisenbergs (Bryan Cranston) endgültig besiegelt, doch über die Zukunft des ehemaligen Kochkumpanen Jesse Pinkman (Aaron Paul), der lachend im rot-schwarzen El Camino davondüste, durfte nur spekuliert werden. Mit El Camino: A Breaking Bad Movie konzentriert sich Serien-Erfinder Vince Gilligan auf die letzten Tage nach der Flucht Pinkmans und setzt dabei eigentlich genau dort an, wo vor knapp 5 Jahren alles geendet hat.

Der als eine Art Epilog inszenierte El Camino wirkt kaum wie ein Spielfilm, sondern mehr wie zwei bis drei aneinandergereihte Episoden der Serie, mit Fokus auf den Sidekick. Der Film bedient einerseits die oberflächlichen Erwartungen der Fans, indem er Fanfiction und Fanservice als gesunde Mixtur serviert und nicht komplett überdosiert. Nebst Rückblenden mit einigen wenigen Lieblingsfiguren kommen mehr die fast schon vergessenen, aber im Kontext sehr wichtigen Charaktere zum Zug. Ein Wiedersehen mit der Familie White bleibt beispielsweise aus. Das ist nicht weiter tragisch, zeigt es doch auf, dass Gilligan hier auf unnötigen Fan-Schnickschnack verzichten und den Fokus voll auf Pinkman richten wollte.

Andererseits erzählt der Regisseur in gewohnter Stilistik aber auch eine spannende und für Breaking Bad typische Geschichte mit Thriller- und Dramaelementen, gut gestreutem Witz und ein paar wichtigen Flashbacks für die Story. Er macht genau das, was von ihm erwartet wurde, bietet aber, mal abgesehen von kleinen Plottwists, keine dicken Überraschungen. Der Thriller ist stimmig, hat das wunderbare idyllische Flair und die schlagartigen Wendungen der Serie. Neben den vielen bekannten Gesichtern fühlt sich auch handwerklich alles nach dem Alten an. Marshall Adams, der bereits die Erfolgsserie gefilmt hat, macht hier im gleichen Stil weiter und drehte mit ruhiger Hand und mit wunderschönen Shots einen nicht unbedingt notwendigen, aber auf jeden Fall sehenswerten Breaking Bad-Film.

/ yan