Bruno Manser - Die Stimme des Regenwaldes (2019)

Bruno Manser - Die Stimme des Regenwaldes (2019)

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  2. 142 Minuten

Filmkritik: In the jungle, the mighty jungle

Zurich Film Festival 2019
Im Büro-Dschungel
Im Büro-Dschungel

1984 reist der 29-Jährige Schweizer Bruno Manser (Sven Schelker) in den Dschungel von Sarawak, dem malaysischen Teil der Insel Borneo. Er möchte dort ein Leben führen, wie es die Menschen früher getan haben, fernab von Konsum und Industrialisierung. Er begibt sich auf die Suche nach der im Dschungel ansässigen Penan-Sippe und freundet sich allmählich mit ihnen an. Bald schon wird er als einer der ihrigen angesehen.

Im richtigen Dschungel
Im richtigen Dschungel

Als die Penan 3 Jahre später auf die schwerwiegende Abholzung des Regenwalds aufmerksam werden, beschliesst Manser etwas dagegen zu unternehmen. Er organisiert Blockaden, sodass die schweren Lastwagen die gefällten Bäume nicht mehr wegschleppen können. Manser gelingt es so zwar, die verschiedenen Stämme des Regenwaldes zu vereinen, macht sich mit seinem Vorhaben aber auch Feinde, die vor nichts zurückschrecken. Damit beginnt für Manser ein anscheinend ewig dauernder Kampf.

Mit wunderschönen, aber auch erschütternden Bildern aus dem Urwald zeichnet Regisseur Niklaus Hilber das Leben von Bruno Manser nach. Dabei lässt er zwar einige Stationen aus, doch dessen Botschaft kommt durch und die Dramaturgie des Filmes stimmt. Ein - nicht nur wegen des Budgets von 6 Millionen Schweizer Franken - grosser Schweizer Film.

Durch sein Engagement für den Regenwald wurde Manser bekannt. So setzt auch der Film an. Ohne dass man Manser zuvor auf Schweizer Strassen sieht, stolpert der von Sven Schelker überzeugend verkörperte Manser durch den tropischen Regenwald. Dabei begeht der Film leider den gleichen Fehler wie schon der andere grosse Schweizer Kinofilm des Jahres 2019. Denn auch in Zwingli kam die Titelfigur gleich in ihrer ersten Szene an ihrem grössten Schaffensort an, ohne dass wir mit ihr zuerst vertraut gemacht wurden. Es fehlen hier zu Beginn gefühlte zehn Minuten, in denen die Beweggründe von Manser griffig erläutert werden.

Doch die Geschichte Mansers ist stark genug, um einen solchen Start zu kompensieren. Mit schönen Urwald-Bildern zeichnet Regisseur Niklaus Hilber den Weg eines ruhigen Mannes nach, der einfach das Richtige tun möchte und dabei auf immensen Widerstand stösst. Die Dramaturgie des Filmes funktioniert, da sich Hilber und Co. auf die emotionale Kraft des Ganzen verlassen und nicht als Sklaven der Biographie Mansers jedes Detail aus dessen Leben nacherzählen. Oder dann als charmante Randnotiz: Die Hungerstreiks zum Beispiel finden nur auf einem ausgeschnittenen Zeitungsartikel in Mansers Büro Erwähnung.

Dass der Film 142 Minuten dauert, ist zwischendurch zu spüren, vor allem während den Europa-Szenen. Der Film tut sich zudem keinen Gefallen, dass er Mansers Eltern in die Erzählung einflicht. Diese kommen in genau zwei Szenen vor, wobei ein Elternteil dazwischen einen 180-Grad-Sinneswandel durchläuft. Das ist dann nicht sehr glaubhaft und hätte ohne Verluste weggelassen werden können. Es sind kleine Schnitzer in seinem sonst durchaus epischen Drama, das auch mal Platz für grosse Gefühle zulässt. Ausserdem sind die Bilder vom Urwald schlichtweg beeindruckend. Da der Name "Manser" in Malaysia noch immer tabu ist, wurde im indonesischen Kalimantan gedreht. Der Film scheut auch da nicht davor zurück, klar Position zu beziehen. Als Vertreter der malaysischen Regierung müssen überhebliche und fies grinsende Bürokraten herhalten.

Das Budget von 6 Millionen Franken ist auf der Leinwand zu sehen. Einzige Ausnahme ist ein mässig animiertes Wildschwein, aber vielleicht ist dies ja auch eine geschickt eingebaute Mahnung. Denn wenn die Zerstörung der Wälder so weitergeht, kommen viele Tiere irgendwann nur noch aus dem Computer. Bruno Manser - Die Stimme des Regenwaldes erinnert an die unaufhörliche Zerstörung des Lebensraumes so vieler Lebewesen und unterstreicht nachdrücklich, dass der Dschungel die Lunge der Welt ist. Vor allem in Zeiten, in denen ernsthaft über den Klimawandel diskutiert wird, ist dieses Biopic ein wichtiger Film.

/ crs

Kommentare Total: 3

jarez

Ich fand den Film sehr gut und stimme im positiven Teil der Kritik vollumfänglich zu. Das Wildschwein hat einfach nicht überzeugt. Ein anderer Punkt der etwas rausstach, war die "moderne" Verhaltenskultur der Penan, da wird zur Begrüssung einfach die Hand geschüttelt (wie "bei uns" in einem Bewerbungsgespräch) oder mit dem Kopf genickt für Zustimmung und obwohl hier kein Ethnologe schreibt, sieht das teilweise etwas "zu gwohnt" aus und hat mich etwas aus dem Film genommen. Dies sticht umso mehr heraus, da die anderen Aspekte des "penanischen" Lebens überzeugend inszeniert wurden (Sprache, Respekt zur Natur, Umgung untereinander.. ).
Das die Person Bruno Manser nicht vorgestellt wurde, ist für mich als Negativpunkt überhaupt nicht nachvollziehbar. Alles was der Zuschauer über den Charakter von Manser mitgeteilt werden muss um ihn zu verstehen, wird während des Films implizit über sein Handeln und explizit mittels Dialogen dem aufmerksamen Zuschauer vermittelt. Dieser erzähltechnische Kniff gibt der Handlung auch etwas zusätzliche Würze.

Miss Dixon

Der Film besticht mit wunderschönen Bildern und einem Sven Schelker, welcher komplett mit der Figur Bruno Manser verschmilzt. Niklaus Hilber hat es geschafft einem Schweizer Film Hollywood-Flair einzuhauchen und dem Zuschauer die noch immer aktuelle Regenwaldzerstörung eindrücklich vor Augen zu führen.
Einziger Wermutstropfen: das ziemlich schlecht animierte Wildschwein und das nicht vorstellen der Hauptfigur zu Beginn der Handlung - wem Manser kein Begriff ist, der wird sich fragen, weshalb ein junger Mann einfach so in den Dschungel aufbricht.

crs

Filmkritik: In the jungle, the mighty jungle

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