Brightburn (2019)

Brightburn (2019)

Brightburn: Son of Darkness
  1. ,
  2. 90 Minuten

Filmkritik: Super Bad Boy

Sieht rot.
Sieht rot.

Seit mehreren Jahren versuchen Tori (Elizabeth Banks) und ihr Ehemann Kyle (David Denman) vergeblich ein Kind zu zeugen. Eines Tages scheinen ihre Gebete aber tatsächlich erhört worden zu sein, als unweit ihres Hofes ein kleines Raumschiff einschlägt. Dessen einziger Passagier ist ein Baby. Tori und Kyle beschliessen, das Kind bei sich aufzunehmen und es unter dem Namen Brandon so aufzuziehen, als wäre es ihr eigenes.

Maul halten!
Maul halten!

Das geht zwölf Jahre lang gut. Doch ab seinem 12. Geburtstag beginnt sich Brandon immer mehr zu verändern. Er scheint immer wieder von seltsamen Klängen zu dem Raumschiff gerufen zu werden und gegenüber Mitschülern wird er auch mal gewalttätig. Während sich Tori weiterhin schützend vor ihren «Sohn» stellt, merkt Kyle, dass etwas gar nicht in Ordnung ist und Brandon für seine ganze Umgebung zur Gefahr werden könnte. Doch für diese Einsicht ist es vielleicht schon zu spät.

Was wäre, wenn sich jemand wie Superman als böser Junge entpuppte? Darum geht es in dem von James Gunn (Guardians of the Galaxy) produzierten Horrorfilm. Es ist ein solider Streifen mit einigen heftigen Splatterszenen, welche für einige langsamere Passagen entschädigen. Storymässig ist das Ganze zwar etwas dünn, dauert aber nur 90 Minuten und hat somit eine optimale Länge.

Superhelden dominieren schon seit mehr als zehn Jahren die Blockbuster-Welt. Es scheint kein Weg an den Figuren aus den Comic-Heften vorbeizuführen. Wieso sich nicht diesen Hype zunutze machen und die Charaktere mit den Superkräften mal auf Genres transferieren, wo sie bisher eher weniger aufgefallen sind? Wie wäre es mit einem Horrorfilm? Gesagt, getan: Hier ist Brightburn, der von Guardians of the Galaxy-Regisseur James Gunn produziert und von dessen Bruder Brian und Cousin Mark geschrieben wurde.

Zugegeben, übermenschliche Bösewichte in Horrorfilmen anzutreffen ist wahrlich nichts Neues. Ein Michael Myers zum Beispiel dürfte aufgrund all der erlittenen Messerstiche und Pistolenkugeln niemals so lange meucheln. Auch Brandon in Brightburn erinnert zuweilen an den Halloween-Killer, wenn er im Dunklen lauert, mit seinen Opfern spielt und dann plötzlich zuschlägt. Das Gunn-Trio und der Regisseur David Yarovesky siedeln ihren Grusler jedoch mehrheitlich an der Origin Story von Superman an: Das Kind, welches von einer fremden Welt kommt, auf der Erde adoptiert wird und bei sich Superkräfte entdeckt - alle Elemente finden wir auch hier.

Der Twist ist der, dass der Bub eben kein guter Junge ist, sondern zur unaufhaltsamen Bedrohung wird - ein Super Bad Boy. Wahrhaben möchten das die Eltern hier natürlich nicht: «Mein Junge ist ein ganz Lieber und könnte keiner Fliege was zu Leide tun.» Ein filmischer Seitenhieb natürlich auf alle hyperbeschützenden Eltern, die nicht wahrhaben wollen, dass - um es mit den Worten von Michael Mittermeier zu sagen - ein «Arschlochkind» bei ihnen zuhause wohnt.

Das Szenario von Brightburn ist simpel und von Anfang an ist klar, wohin die Reise gehen wird. Nun, Horror- und Superheldenfilme gelten ohnehin nicht wirklich als dasjenige Genre, das für seine Unvorhersehbarkeit bekannt ist. So dauert es eine kleine Weile, bis der Streifen in die Gänge kommt. Nimmt man Brightburn jedoch als den kleinen fiesen Schocker hin, der er ist, unterhält der Film für seine relativ kurze Spielzeit von 90 Minuten äusserst gut. Positiv ist auch, dass der Film sich nicht gross mit Hintergrundinformationen aufhält. Woher Brandon genau kommt, bleibt sowohl für uns als auch die Protagonisten ein Mysterium. Eine richtige Entscheidung, dies so zu handhaben, sind doch genau die Dinge am unheimlichsten, die man nicht erklären kann.

Noch eine Warnung: Zartbesaitete sollten besser zuhause bleiben. Denn ein paar Splatterszenen haben es echt in sich und lassen dieses Kind des Zorns für den Rest des Filmes unheimlich wirken. Easter-Egg-Freunde sollten dann beim Abspann unbedingt sitzen bleiben. Dort gibt es ein paar aus dem JGCM (James Gunn Cinematic Universe) zu endecken.

/ crs

Kommentare Total: 3

yan

Vielleicht lag es an den hohen Erwartungen, denn die Ausgangslage hörte sich schon verdammt interessant an.
Aber Brightburn ist eine leise Enttäuschung. Der Film geht keine Risiken ein und spult eintönig sein Programm ab. Etwas Horror da, etwas Coming-of-Age à la Superman da, doch Überraschungen bleiben aus. Zudem ist der Film nie besonders spannend, da man immer im Bilde ist, was als Nächstes passiert. Elizabeth Banks hat mir übrigens in der Rolle als Mutter gar nicht zugesagt.

crs

Filmkritik: Super Bad Boy

muri

Interessante Ausgangslage, die dann aber dazu benützt wird, kaum gruslige Effekte zu platzieren und den Zuschauer am Ende mit dem Eindruck zurück zu lassen, man habe soeben den Pilotfilm einer TV-Serie gesehen. Das Potenzial, das diese Story des "bösen" Superhelden hat, ist immens. Draus gemacht wurde leider nur der branchenübliche Effektthriller.

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