Bombshell (2019)

Bombshell (2019)

Bombshell - Das Ende des Schweigens
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  3. 109 Minuten

Filmkritik: Help! I'm being repressed!

Charlize Angels *höhöhö*
Charlize Angels *höhöhö*

Der konservative TV-Sender Fox News legt grossen Wert auf langbeinige, attraktive Moderatorinnen und ist für seine republikanische Einstellung bekannt. Als die Starmoderatorin Megyn Kelly (Charlize Theron) Donald Trump während seiner Präsidentschaftskandidatur live einige provokative Fragen stellt, beginnt ein Shitstorm gegen sie. Roger Ailes (John Lithgow), als Senderchef und Freund Donald Trumps lässt sie dabei völlig im Regen stehen, statt sie zu unterstützen. Schliesslich sorgt Trump mit seinen sexistischen Twitter-Kommentaren gegen Megyn für eine grandiose Einschaltquote.

Coop - für mich und dich.
Coop - für mich und dich.

Ihre ältere Moderatorenkollegin Gretchen Carlson (Nicole Kidman) hat die Nase voll davon, immer nur auf ihr Äusseres reduziert zu werden. Dementsprechend wird sie kurzerhand entlassen. Gleichzeitig lässt sich die junge Redakteurin Kayla Pospisil (Margot Robbie) auf die... intimen... Bedingungen, die Roger für ihren Karriereschub stellt, ein. Nach ihrer Entlassung verklagt Gretchen ihren ehemaligen Chef Roger wegen sexueller Belästigung. Angestellte von Fox News stehen als «Team Roger» hinter ihm. Doch weshalb bleiben Megyn und Kayla verdächtig neutral?

Jay Roach inszeniert mit Bombshell den Skandal um Roger Ailes, Senderchef von Fox-News, der wegen sexueller Belästigung angeklagt wurde. Obwohl teilweise etwas langatmig und kompliziert, bietet Bombshell interessantes Kino und bringt so ein wichtiges Thema unter die Leute. Dank der Topbesetzung gelingt dies auf humorvolle und unterhaltende Weise.

Bombshell zeigt, wie es 2016 zur Anklage gegen den Fox-News-Senderchef Roger Ailes wegen sexueller Belästigung gekommen ist. Mit ihrer Anklage legte Gretchen Carlson einen wichtigen Grundstein für die #MeToo-Bewegung. Jay Roach (Meet the Parents, Trumbo) gelingt die Inszenierung dieser Ereignisse mit viel Witz und überraschender Lockerheit. Dank dieser Lockerheit ist Bombshell kein zweistündiges Bashing gegen Medienmogule, sondern ein interessantes Portrait über drei ehrgeizige Frauen, die sich gegen die sexistische Atmosphäre in einem der grössten TV-Sender wehren. Besonders spannend sind hierbei die Gewissenskonflikte von Megyn. Ihre Aussage würde unter Umständen ihre Entlassung und die ihres Teams zur Folge haben. Doch ihr Schweigen bringt zwischen die Moderatorinnen von Fox News einige Konflikte. Gleichzeitig bangt Gretchen darum, dass die Anklage fallen gelassen wird, wenn sich keine weiteren Frauen melden. Diese Unsicherheiten und Fragen, die sich die Protagonistinnen stellen, sind nachvollziehbar und machen sie menschlich. Was ihr Äusseres nämlich gar nicht tut. Nicole Kidman (The Hours), Charlize Theron (Monster) und Margot Robbie (I, Tonya) sehen praktisch gleich aus: blondiert, eine Tonne Make-up, mit auffällig ähnlichen Gesichtszügen, die teilweise etwas starr wirken. Ob Letzteres filmtechnisch so gewollt war, oder ob sich die Darstellerinnen etwas zu häufig beim Schönheitschirurgen blicken liessen, bleibt offen. Vielleicht kann da ein Blick in die Boulevardpresse aufklären. Doch wir sind ja ein seriöses Magazin und möchten statt auf das Äussere lieber auf das schauspielerische Können fokussieren.

Schauspielerisch bieten die drei Protagonistinnen gute Arbeit. Besonders positiv hervorzuheben ist die vierte Wand, die von Theron und Kidman immer wieder durchbrochen wird. Wie bereits erwähnt, werden die Gewissensbisse zwischen Karriere und Genugtuung immer wieder realistisch und glaubwürdig aufgezeigt. Robbie vermag sich gegenüber ihren beiden bereits gestandenen Kolleginnen problemlos behaupten. Allerdings interagieren die drei auch kaum miteinander. Das ist zwar von der Geschichte her so gegeben, zu Unterhaltungszwecken wäre es jedoch spannend gewesen. John Lithgow (The Crown) als Roger Ailes, dä alti Luschtmolch, gelingt es bestens, die beiden Seiten des Senderchefs darzustellen. Als freundlicher, väterlicher älterer Chef zeigt er eine sehr liebenswerte Seite. Gleichzeitig überzeugt Lithgow auch als kalkulierender Glüschtler, der genau weiss, wie er seine Position (aus-)nutzen kann.

Obwohl Bombshell interessant und unterhaltend ist, fordern die verschiedenen involvierten Personen viel Aufmerksamkeit. Dies macht den Film teilweise etwas langatmig und anstrengend. Insbesondere wenn man mit der amerikanischen Fernseh- und Politikwelt nicht gut vertraut ist, ist man auf die vielen eingeblendeten Personeninfos angewiesen. Dies soll einen aber nicht daran hindern, den Film zu schauen.

/ dro

Kommentare Total: 2

muri

Sehr guter Film, zentralisiert ein aktuelles und interessantes Thema und wird von ganz starken Schauspielern/-innen getragen. Ich hätte nicht nur Theron und Robbie eine Oscarnominierung gegönnt, sondern auch Kidman und vor allem Lithgow.

Solche Sachen, Themen (wie auch "Vice") sind halt einfach Klasse zum schauen, wenn man sich ein bisschen fürs Thema interessiert. Bravo!

dro

Filmkritik: Help! I'm being repressed!

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