Seven Days War - Bokura no nanoka-kan sensô (2019)

Seven Days War - Bokura no nanoka-kan sensô (2019)

  1. 88 Minuten

Filmkritik: Disrespect your elders!

19. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2021
Erwachsen? Schmerwachsen!
Erwachsen? Schmerwachsen! © Yūta Murano

Mamoru steht seit Jahren auf seine Kindheitsfreundin und Nachbarin Aya. Als er erfährt, dass sie ins weit entfernte Tokio zieht, fragt er sie, ob sie mit ihm durchbrennen wolle. Sie stimmt zu - jedoch nicht so, wie er sich dies vorstellte. Sie trommelt eine Gruppe zusammen, sodass sie zu sechst abhauen und in einer verlassenen Mine campieren. Bald merken sie, dass sie nicht alleine sind.

Die Jugendlichen finden schnell heraus, dass sie von Marett bestohlen werden, einem thailändischen Flüchtlingskind, das seine Eltern sucht und in der Mine Zuflucht fand. Als die lokale Polizei vom Hausfriedensbruch und der Beherbergung eines illegalen Einwanderers erfährt, blasen sie zum Angriff. Doch sie haben die Kids unterschätzt. Nachdem diese sie abgewehrt haben und die Behörden mit Videos der Aktion verhöhnen, wird die Geschichte bedeutend verzwickter als erwartet.

Der solide, durchaus sehenswerte Anime überrascht vor allem durch seine Brüche mit den bekannten Strukturen der Kunstform - und denen Japans. Leider verbringt der Film zu viel Zeit mit der übergeordneten Handlung, statt sich auf die sympathische, wenn auch stereotype Clique zu konzentrieren. Denn Seven Days War geht so ehrlich mit seinen Themen und Figuren um, da hätte mehr Zeit mit den Teenies nicht geschadet, im Gegenteil.

Der Manga Seven Days War wurde bereits 1988 verfilmt, damals jedoch in Live-Action. Nun, über dreissig Jahre nach dem Manga-Release, folgt der Anime-Film. Diese Coming-of-Age-Geschichte klingt auf dem Papier ausgelutscht, entpuppt sich aber als progressive Sicht auf das Erwachsenwerden.

Coming-of-Age ist in Anime keine Seltenheit, ist doch die Mehrheit der Filme und Serien an Teenager gerichtet. Doch nicht oft ist ein Anime jedoch derart ehrlich und progressiv mit seinen Ansichten wie Seven Days War. Homosexualität oder Immigration sind sonst Themen, die im Genre keinen Platz finden. Auch die Stadt-Land-Problematik wird angesprochen - also dass in Japan immer mehr Menschen in die Städte ziehen, da es auf dem Land keine Arbeit mehr gibt, wodurch die Dörfer langsam zerfallen. Sehr begrüssenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit dieser Film an diese Themen geht.

Dies wird vor allem mit sympathischen, wenn auch stereotypen Charakteren erreicht. Schade, verbringt der Film so viel Zeit mit dem oberflächlichen Konflikt, anstatt mehr mit den Figuren und deren Problemen und Sorgen zu arbeiten. Denn die umfassende Story ist nicht halb so interessant - und nicht halb so nachvollziehbar - wie der Kern der Geschichte.

Dieser kommt nicht ohne Kitsch aus, doch dieser funktioniert und resultiert in einem herzigen Höhepunkt. Seven Days War ist bestimmt kein Meisterwerk, weder visuell noch inhaltlich, unterhält aber dennoch auf allen Ebenen und macht einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung, was die teilweise veralteten Strukturen in Japan und im Anime angeht.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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