Blood Machines (2019)

Blood Machines (2019)

  1. , ,
  2. 50 Minuten

Filmkritik: A Space Opera

NIFFF 2020
Say hello to my little ... Lasergun!
Say hello to my little ... Lasergun! © NIFFF

Zwei Söldner und Kopfgeldjäger landen mit ihrem Raumschiff auf einem - ihnen unbekannten - Planeten. Dort kämpfen sie gegen die Besatzung eines anderen Raumschiffes, in der Hoffnung, sich selbst befreien zu können. Doch je länger sie auf dem fremden Planeten sind, desto seltsamere Dinge gehen vor sich: Die andere Spezies scheint sich nicht einfach so ergeben zu wollen und deren Spaceship entwickelt ein beseeltes Eigenleben, welches das Gefährt verlässt und in den Himmel steigt.

Vollbepackt mit Würdigungen an Genre-Filme, deren Soundtrack, Games und in konstanter Videoclip-Optik, unternimmt diese Weltraum-Oper in drei Akten einen 50-minütigen Trip durch Galaxien und die menschliche Psyche. Das kleine Kunstwerk ist knallbunt, mit viel Neonlicht und absurden Effekten inszeniert und erinnert optisch mehr an ein Game denn an einen Film. Blood Machines ist nicht einfach zugänglich und eröffnet sich den Zuschauern nie wirklich, ohne dabei an Unterhaltungswert einzubüssen.

Man stelle sich einen Film vor, welcher in nur 50 Minuten unzählige Referenzen an das gesamte Sci-Fi-Genre, diverse Games und Weltraum-Storys hineinpackt. Genau das ist Blood Machines von Seth Ickerman, ein zu lange geratenes, abgefucktes Musikvideo mit einer Liebeserklärung an die Achtziger. Kurz fühlt man sich an den kultigen Kurzfilm Kung Fury erinnert, wobei dieser das Achtziger-Synthiepop-Kung-Fu-Pendant darstellen könnte.

Blood Machines, übrigens finanziert durch eine Kickstarter-Kampagne, gehört definitiv dem Sci-Fi-Game-Genre an. So erstaunt es kaum, dass man sich als Zuschauer optisch in einem Game wähnt, sich verwundert die Augen reibt und sich vergewissert, ob man nicht zufällig anstelle des Filmes das Intro eines neuen Sci-Fi-Shooters gestartet hat. Es wird aber nicht nur Games wie Portal oder diversen Space-Flight-Spielen gehuldigt, sondern es sind auch viele Zitate und Anlehnungen an Science-Fiction-Filme zu finden: Annihilation, Ex-Machina, Star Wars, Alien, Tron Legacy, Blade Runner, Blade Runner 2049 oder gar Mandy und viele mehr.

Thematisch fährt Blood Machines eher auf der Spezies-betritt-Territorium-einer-anderen-Spezies-Schiene, was selten friedlich endet. In den 50 Minuten kann kein gesamtes Universum à la Star Wars aufgebaut werden. Jedoch wird angeteasert, dass es mehrere Planeten und demnach auch Spezies im Universum gibt, welche nicht alle auf einer Wellenlänge miteinander fliegen. Dies endet, wie meistens, mit bösem Blut, zerkauten Raumschiffen und viel Lasergeballer. Apropos Raumschiffe: Deren Design erinnert stark an übergrosse, eiserne Skorpione oder sonstiges Krabbeltier. Speziell an ihnen dürfte sein, dass sie über eine Art Leben verfügen, inklusive fliessendem Blut (Öl?!) und einer Art «Seele». Die A.I. Tracy kann getrost als Referenz auf C3PO gesehen werden.

Interessant an der Bildkomposition in Blood Machines ist, dass die Bilder stets zu leben scheinen, ständig in Bewegung sind, was an stetigen Regen oder ein analoges Bildrauschen erinnert. Dazu kommt, dass das Bild oft neblig verhangen und etwas unscharf ist, ein weiteres Stilmittel, welches die Sphären der Galaxis unterstreicht. Hier geht es um Materialbeschaffenheit, um Oberflächen und deren Struktur. Ein Zweikampf zwischen Mechanik, Maschinen, Öl, Härte, glatter, kalter Textur und organischem Material, Anatomie, sphärischem Nebel und organischen Oberflächen und Gewächsen.

Geht es anfänglich noch relativ ernst und «irdisch» zu, dreht die Story dann ganz ab und wird zu einem psychedelischen Trip: Die Farben schlagen um, was an Mandy erinnert. Inhaltlich driftet es in Gottes-ähnliche Metaebenen ab, musikalisch unterlegt durch eine Synthie-Orgel, welche stark an Justice oder gar Tron Legacy erinnert. Blood Machines erzählt nur wenig, unterhält aber durch die konstante Videoclip-Ästhetik, den fabelhaften Score von Carpenter Brut und den geschmackvollen Einsatz von Referenzen eigenständige «Abgespactheit» und eine dadurch entstehende Intensität. Game? Film? Videoclip? Kurzfilm? Wer weiss das schon.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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Kommentare Total: 2

yab

Filmkritik: A Space Opera

gunrock

Visuell gefiel er mir sehr gut, die Story ist ok und dass er nur 50min lang ist passt.
Die Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau fällt auf, ist bei dieser Story sicher so gewollt.
Eine Langfilmvariante des gleichen Films bräuchte ich jetzt nicht, aber eine weitere umfangreichere Geschichte im gleichen Universuim könnte funktionieren, wenn man die erwähnte Rollenaufteilung nicht beibehält.

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