Benjamin Blümchen (2019)

Benjamin Blümchen (2019)

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  2. 91 Minuten

Filmkritik: Rüsselfreunde fürs Leben

«Die Bank war schon kaputt, bevor ich mich hingesetzt habe!»
«Die Bank war schon kaputt, bevor ich mich hingesetzt habe!»

Die Sommerferien haben angefangen, und während seine Eltern Urlaub in der Ferne machen, darf der kleine Otto (Manuel Santos Gelke) die gesamten Ferien bei seinem Kumpel Benjamin Blümchen (Stimme: Jürgen Kluckert) verbringen. Gleich von Anfang tritt der sprechende Elefant ins Fettnäpfchen, als er spektakulär in die Tombola des Neustädter Zoos hineinplatzt. Der Zoo braucht nämlich dringend Geld, weil er überall auseinanderzufallen droht und möglichst bald repariert werden muss.

«Ich fliiiiiegeeeee!!!»
«Ich fliiiiiegeeeee!!!»

Deshalb mischt sich auch der Bürgermeister (Uwe Ochsenknecht) ins Zoogeschäft ein und engagiert die dubiose Zora Zack (Heike Makatsch), die den Zoo modernisieren soll. Erste Massnahme: Benjamin soll gleich mal ein neues Image erhalten. Was keiner ahnt: Zora Zack hat gar nicht vor, den Zoo tiergerecht umzubauen, sondern will die Tiere zusammenpferchen, um viel Geld mit Wohnblöcken auf dem Zoogelände zu machen. Otto, Benjamin, Tierpfleger Karl (Tim Oliver Schultz) und die rasende Reporterin Karla Kolumna (Liane Forestieri) müssen sich anstrengen, dass der Zoo nicht der Profitgier zum Opfer fällt.

Inmitten einer prominenten Schauspielerriege stolpert und trötet der wohl berühmteste sprechende Elefant durch ein amüsantes Kinoabenteuer. Zu den Highlights zählen die immer wieder eingestreuten Slapstickeinlagen, in denen vom Skateboard bis zur Mission Impossible-Sequenz so manches Action-Szenario kinderfreundlich umgesetzt wird. Die deutlich erkennbaren Greenscreen-Hintergründe hinterlassen hingegen einen weniger positiven Eindruck. Für die kleinen Zuschauer bietet der halbanimierte Film auf jeden Fall gute Unterhaltung und herzige Momente. Törööö!

Seit 1977 trötet sich der sprechende Elefant Benjamin Blümchen durch Hörspiele, später war er auch Star in Trickfilmen und nun auch in einem gross aufgezogenen Kinofilm. Dass hier doch einiges an Aufwand geleistet wurde, zeigt sich alleine schon an der Menge an bekannten Namen, welche auf der Darstellerliste verzeichnet sind. Denn neben dem Benjamin-Sprecher Jürgen Kluckert, der seit 1995 dem liebenswerten Elefanten seine Stimme leiht, sind u. a. deutsche Filmstars wie Heike Makatsch, Uwe Ochsenknecht, Tim Oliver Schultz, Friedrich von Thun sowie Comedy-Legende Dieter Hallervorden zu sehen.

Benjamin Blümchen ist pures Nostalgie-Kino, das die Kinder von damals dazu bewegt, ihren Kindern heute denselben Spass zu zeigen. Auch rein visuell wird mit den hellen sommerlichen Farben und den irgendwie zeitlos-veralteten Figurendesigns auf ein schwammiges Früher verwiesen. Dazu passt natürlich auch, dass Benjamin selbst als animierter Elefant mitten im Geschehen auch kein optisches Update erhalten hat. Demgegenüber stehen die fiese Frau Zack und ihre beiden Blödel-Helfer Hans und Franz (gespielt von Max von Thun und Johannes Suhm), die im Gegensatz zu den restlichen Figuren moderne Technik, Mode(-verbrechen) und Geldgier vertreten. Auch in dieses Gut-Böse-Schema passt der von Dieter Hallervorden gespielte Vogelliebhaber Walter Weiss, der als ehemaliger Geheimagent eine Art liebenswerte Opa-Version von 007 darstellt.

Dass man sich hier weder um eine komplexe Geschichte noch um grosse Filmkunst bemüht hat, ist eigentlich klar. Es geht um Freundschaft und das Wiedersehen der beliebten Figuren. Schade ist es nur um die leider sehr offensichtlichen Greenscreen-Einsätze, bei denen immer wieder deutlich erkennbar ist, dass Otto und Co. eben nicht wirklich in einem Zoo ohne Gitter sind, sondern dass die Schauspieler in die Szenerie mit den Tieren eingeflickt wurden. Die Zielgruppe wird das aber kaum stören.

/ pps