A Beautiful Day in the Neighborhood (2019)

A Beautiful Day in the Neighborhood (2019)

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  3. 107 Minuten

Filmkritik: Mr. Hanks' Neighborhood

44th Toronto International Film Festival
Schuh-bi-du
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Der abgebrühte und zynische Journalist Lloyd Vogel (Matthew Rhys) hat nicht wirklich eine positive Sicht auf die Welt. Das rührt auch daher, dass sein Vater Jerry (Chris Cooper) vor Jahren die Familie in einer äusserst schwierigen Phase verlassen hatte. Als es bei einer Hochzeit zum Aufeinandertreffen zwischen Vater und Sohn kommt, sprechen schnell auch mal die Fäuste. Wenig später nach diesem unschönen Vorfall bekommt Lloyd einen für ihn eher ungewöhnlichen Auftrag.

Tom Hanks als Tom Hanks... ääh... Fred Rogers.
Tom Hanks als Tom Hanks... ääh... Fred Rogers.

Er soll ein Porträt über Fred Rogers (Tom Hanks) schreiben, der mit seiner Kinderserie "Mister Rogers' Neighborhood" seit Jahren Millionen von Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Lloyd gehört definitiv nicht zu diesen Menschen, und so kann er mit Rogers zu Beginn gar nichts anfangen. Doch je öfters sich die beiden treffen, desto mehr lernt Vogel durch die Güte seines Gegenübers das Leben und seine Nächsten wieder etwas mehr zu schätzen.

In Marielle Hellers A Beautiful Day in the Neighborhood geht es um einen Journalisten, der mit Hilfe des Kindershow-Hosts Fred Rogers seine Mitmenschen wieder zu lieben lernt. Doch der Film ist aufgrund der ruhigen und überlegten Inszenierung vor allem auch eine Verbeugung vor Rogers selbst. Die Geschichte berührt und hat mit Tom Hanks einen grossartigen Rogers. Zwar ist das Ganze recht vorhersehbar und fast schon kindgerecht simpel - aber genau deshalb auch die perfekte Huldigung an die US-TV-Legende und ihre Sendung Mister Rogers' Neighborhood.

Hierzulande dürften wohl die wenigsten die Kindershow Mister Rogers' Neighborhood kennen. Diese lief im US-Fernsehen zwischen 1968 und 2001, wobei der Serienentwickler Fred Rogers lange selbst durch die halbstündigen Episoden führte. Per Definition gehörte das Programm zum Bildungsfernsehen. Doch im Gegensatz zu der Sesamstrasse brachte Rogers den Kindern nicht das Zählen oder das Lesen bei. Es ging ihm darum, der vor dem Fernsehen sitzenden Person mitzuteilen, dass man jeden Tag zu etwas Besonderem macht, wenn man nur sich selbst ist. Weiter scheute er auch nicht davor zurück, in seiner Kinderserie über den Tod, Scheidungen und Krieg zu sprechen. Immer wieder kam auch das Thema Wut auf, wobei er dann jedoch immer aufzeigte, wie man auf friedliche Wege mit diesen Gefühlen umgehen kann.

Mit A Beautiful Day in the Neighborhood ehren Regisseurin Marielle Heller und ihre Drehbuchautoren Noah Harpster und Micah Fitzerman-Blue diesen Mann - und müssen dafür Rogers nicht mal ins Zentrum ihrer Erzählung stellen. Sie lösen das über eine clevere Inszenierung. Denn das Drama hat den Journalisten Lloyd Vogel im Zentrum der Erzählung. Vogel steht hier für den Journalisten Tom Junod, der selbst in den Siebzigern ein Porträt über Rogers verfasste, was ihm laut eigenen Worten eine andere Sichtweise auf das Leben gab.

Das mag jetzt furchtbar kitschig klingen, und die Wandlung zum besseren Menschen im Film wirkt schnell vorhersehbar. Doch genau darum geht es. A Beautiful Day in the Neighborhood wirkt dank der ruhigen und geduldigen Erzählweise wie eine Fred-Rogers-Produktion. Als würde uns der Host persönlich an der Hand nehmen, uns durch den Film begleiten und für alle verständlich die Geschichte erklären. So mögen zwar schwere Themen vorkommen, doch dank der Inszenierung gibt das am Ende einfach ein gutes Gefühl und auch etwas zum Nachdenken. A Beautiful Day in the Neighborhood ist deshalb wie eine wärmende Decke von einem Film.

Die Weisheiten, die der Film immer wieder einstreut, sind so simpel, dass man sich durchaus fragen kann, wieso wir diese nicht mehr beachten: Seid nett zueinander, helft, wo ihr könnt und vergebt Missetaten. Rogers selbst wird jedoch nicht als kompletter Heiliger dargestellt. Es ist zwar eine recht reingewachsene Version der Person, doch immer wieder glaubt man, dass man durch diese perfekte Fassade hindurchsieht. Denn auch einer wie er ist nur ein Mensch, der mal frustriert ist.

Tom Hanks spielt das toll. Der einzige Nachteil ist halt, dass wir wegen seines Star-Status die ganze Zeit über Tom Hanks und nicht Fred Rogers sehen. Doch wer eignet sich besser, um eine solche Figur zu porträtieren, als der liebenswerte Mr. Hanks? Eben! Beim Rest des Casts fällt niemand ab, und dank der sicheren Hand von Heller tuckert der Film wie der Zug in dem Serien-Set ohne Hektik Richtung Abspann. Ein gefühlt eher kleiner Film, der aber im Nachhinein seine wahre Grösse entfaltet - wie die Show in der "Neighborhood".

/ crs

Trailer Englisch, 02:16