The Beach Bum (2019)

The Beach Bum (2019)

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  2. 95 Minuten

Filmkritik: Kifferpoesie

Baywatch: Behind the Scenes
Baywatch: Behind the Scenes

Betrunken, high und gekleidet in grell-leuchtenden, schludrigen Frauenklamotten, lebt Moondog (Matthew McConaughey) in den Tag hinein. In Key West, wo er sich aufhält, kennen ihn alle. Mit seiner positiven Art und poetischen Weisheiten hat er sich in die Herzen der Bewohner gelallt. Der schrille Vogel will sein Leben nach seinen Regeln gestalten und dabei erlebt er viele Abenteuer. Auf seiner hedonistischen Reise trifft er auf ganz eigenwillige Persönlichkeiten wie Flicker (Zac Efron), Lingerie (Snoop Dog) oder Lewis (Jonah Hill). Auch seine Tochter Heather (Stefania LaVie Owen) und seine Frau Minnie (Isla Fisher) spielen eine Rolle in seinem Leben - nur nicht so, wie man das vielleicht erwarten würde.

Dichter als Goethe.
Dichter als Goethe.

Als bei der Hochzeit seiner Tochter ein Unglück passiert, ist er gezwungen, sein Leben anzupassen. Doch das Leben ist zu schön, um nur dazusitzen und das zu tun, worauf man keine Lust hat. Er vergeudet weiterhin seine Talente, ertränkt sie in Bier und qualmt sich ins Nirvana. Doch irgendwann ist genug, findet auch eine Richterin und ehemalige Bewunderin des Tunichtguts. Sie stellt ihm ein Ultimatum und die unmögliche Aufgabe einen Roman zu schreiben, der in die Geschichte eingehen soll.

Spring Breakers-Regisseur Harmony Korine bleibt seinem Stil treu und schickt diesmal den gewohnt überzeugend aufspielenden Matthew McConaughey als kiffenden und saufenden Poeten auf Entdeckungsreise. The Beach Bum ist ein Hedonismus-Trip verpackt in eine Stoner-Komödie. Fans von The Big Lebowski, Hunter S. Thompson-Romanen oder Easy Rider werden mit der "High sein heisst frei sein"-Attitüde sicherlich Spass haben, wer aber mit Kifferweisheiten und überschwänglichem Drogenkonsum nichts anfangen kann, sollte einen grossen Bogen um den Film machen.

Harmony Korine machte sich einen Namen als Autor für das umstrittene Werk Kids von Larry Clark. Der kontroverse Streifen über die Jugendkultur in New York gilt heute als Kultfilm. Sex, Drogen und Gewalt waren schon damals die Eckpfeiler in Korines Geschichten, immer mit einem gewissen hedonistischen Unterton versehen. Mit Spring Breakers begab sich der Regisseur erstmals auf eine etwas grössere Bühne und zeigte uns, ohne sich und seiner Handschrift untreu zu werden, Disney-Sternchen Vanessa Hudgens und Selena Gomez im exzessiven Yolo-Fiebertraum.

Sieben Jahre später kehrt der eigenwillige Künstler mit The Beach Bum zurück. Matthew McConaughey tifft darin als kiffender Tunichtgut, sozusagen eine Spargelversion von Jeff Bridges' "Dude" aus The Big Lebowski, in diversen kleinen Abenteuern auf bizarre Figuren, die unter anderem von Zac Efron, Jonah Hill, Martin Lawrence, Snoop Dog und Isla Fisher gespielt werden. Zurückgekehrt ist auch Korines Kameramann Benoît Debie, der nicht nur bei Spring Breakers hinter der Kamera stand, sondern auch bei Gaspar Noés Enter the Void. So ist es nicht verwunderlich, dass in The Beach Bum grell leuchtende Farben für das gewohnte "Trippy feeling" sorgen und dabei vorzüglich in die einladende Küstenkulisse Floridas passen.

Doch um was geht es denn eigentlich? Eine besondere Handlung, einen roten Faden und Spannungsbogen existieren grundsätzlich nicht. Moondog zelebriert das Gammelleben und betrinkt sich mit stets befriedigter Miene in den Tag hinein. Auf seiner drogenverseuchten Reise durchlebt er ganz im Stile von Fear & Loathing in Las Vegas völlig verrückte Dinge. Doch ob Entzugsklinik, Probleme mit dem Gesetz, Verfolgungsjagden, Betrug, Todesfall in der Familie, die Hochzeit seiner Tochter oder ein Fall mit einem sehr gefrässigen "Delfin" - Moondog bringt nichts aus der Ruhe.

Harmony Korine präsentiert mit The Beach Bum den ultimativen Lifestyle eines "Kifferpoeten", der völlig schwerelos und ohne Verpflichtungen und Angst vor Konsequenzen lebt. "Fuck the American Dream" - ist auf Dauer aber fast ein bisschen anstrengend. Die kurze Spiellänge von 95 Minuten und die vielen Kurzauftritte von bekannten Gesichtern sorgen glücklicherweise dafür, dass man auch mal eine Pause davon erhält. Die vielen witzigen, ja absurden Momente, gespickt mit typischen Stoner-Klischees und einem völlig überspitztem Finale sind dann das erlösende Augenzwinkern des Regisseurs und ein sympathischer Schlusspunkt in einem eigenartigen, aber durchaus sehenswerten Film.

/ yan