Filmkritik: Heavy, bloody rain!

19. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2019
Say hello to my little friend!
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Die Schwestern Yoshi und Ami sind Waisen. Die beiden Mädchen treten in Kampfshows auf, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei inszenieren sie Martial-Arts Kämpfe in Schulmädchenuniform für ein - zumeist männliches - Publikum. Zur selben Zeit plant die bösartige Organhändlerfamilie Dharma auf einem Organhandel-Markt die Entführung von Yoshi durch zwei weibliche Killermaschinen.

Yoshi wird gefangengenommen und festgehalten, was bald Ami auf den Plan ruft, um nach Vergeltung zu trachten. Ami verliert ihren Arm, welchen sie durch den Aufsatz eines Maschinengewehrs ersetzt, das ihr fortan treue Dienste beim Bekämpfen der Organhändler leisten wird. Es beginnt ein äusserst blutrünstiger Rachefeldzug gegen Cyborgs, Assassins und das Oberhaupt der Organhändler.

Was für ein Spass! Wer gerne für kurze Zeit auf hochfrequentierte Hirnaktivitäten verzichtet und offen für Absurditäten ist, wird grosse Freude an Rise of the Machine Girls haben. Abgetrennte Körperteile, wilde Schiessereien mit Maschinengewehren, eine ordentliche Portion Nacktheit und Sexualität gewürzt mit ein wenig Story, fertig ist der Japan-Trash! Im Gegenzug zum ersten Teil The Machine Girl nimmt hier die Story nur noch einen Bruchteil des Filmes in Anspruch, ja sie geht im Blutbad beinahe unter, denn Rise Of the Machine Girls ist pure, blutige Unterhaltung.

Rise of the Machine Girls reiht sich nahtlos in die Serie blutiger Japan-Trash-Gore-Filme wie Meatball Machine, Tokyo Gore Police oder The Machine Girl ein. Als Reboot von letzterem setzt Kobayashi Yuki beinahe auf dieselbe Story wie im Original: Im Zentrum der Story (wenn man diese denn so nennen möchte) steht erneut ein Rachefeldzug, nachdem ein Geschwister der Hauptdarstellerin entführt wurde. Zwei Familien, eine Gemeinsamkeit: Es wird nach Vergeltung gedürstet.

Und wie! Während der 75 Minuten Laufzeit bekommen wir allerhand Kuriositäten und Mindfucks zu sehen, ertränkt in Gedärmen und Blut. Kaum Zeit zum Verschnaufen lassend, ist Rise of the Machine Girls ein regelrechtes Schlachtfest. Klingen, Knarren, armverlängernde Maschinengewehre, eiserne Fäuste oder alltäglichere Gegenstände wie eine Treppe sorgen dafür, dass der rote Lebenssaft literweise fliesst. Boom, headshot, boom! Das Blut spritzt in Fontänen über Mensch und Maschine, von den Farben Dunkelorange bis Bordeaux ist alles mit dabei. Die Effekte sehen zum Teil aus, als wären sie mit viel Liebe handgemacht (eine äusserst blutige Enthauptung zum Beispiel), was zu gefallen weiss.

Neben Klingen und Knarren bietet der Film jedoch massig weitere Absurditäten: Es ist alles in allem ein irrsinniges Tohuwabohu aus Blut, Waffen und Sex, welches Kobayashi Yuki inszeniert. Mit eindeutigen Referenzen auf asiatischen Fetisch (wenn sich Finger plötzlich zu Aalen verlängern und oral eingeführt werden), reichlich nackter (primär weiblicher) Haut, Cyborg-Killerinnen in Sex-Stellungen kämpfend und sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale, welche urplötzlich zu rotierenden Kreissägen oder Pump Guns werden: Die blühende Fantasie des Japaners kennt einfach wirklich keine Grenzen! Absurd ist eine masslose Untertreibung, was hier gezeigt wird, sprengt dies doch die Grenzen des Vorstellbaren mehrfach.

Beinahe zu kurz kommt dabei die Story, welche sowieso eher dünn ausgelegt ist; der Fokus bei Rise of the Machine Girls liegt vielmehr auf Splatter und Gore. Untermalt wird dies übrigens durch J-Rock-Töne, garniert mit J-Pop und Cuteness-Faktor, etwa wenn die beiden jungen Frauen entscheiden, sich ein Girlgroup-Image anzulegen. Es ist ein Spass, sich dem Film hinzugeben, das Gehirn auszuschalten und den Irrsinn hinzunehmen. Wer einen seriösen Film erwartet, sollte davon allerdings die Finger lassen, das hier ist Trash!

/ yab