Baghdad in My Shadow (2019)

Baghdad in My Shadow (2019)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Wenn dich die Vergangenheit einholt

London, kurz vor Weihnachten: Die willensstarke Architektin Amal - vor ihrem Ex-Mann auf der Flucht - arbeitet im Café Abu Nawas, das einem kurdischen Aktivisten gehört und ein beliebter Treffpunkt für Exil-Irakis ist. Ihre Freunde, der Dichter Taufiq und der IT-Spezialist Muhanad, kommen fast täglich vorbei. Taufiq kümmert sich seit dem Tod seines Bruders um seinen Neffen Nasseer, muss aber machtlos dabei zusehen, wie sich dieser unter dem Einfluss eines radikalen salfistischen Predigers zunehmend verändert und sich gegen ihn als Atheisten aufzulehnen beginnt. Muhanad wiederum verliess Baghdad erst vor kurzem, um der Bedrohung zu entkommen, die dort Homosexuelle erwartet. Doch selbst hier und vor seinen Freunden traut er sich nicht, öffentlich zu seinem englischen Liebhaber zu stehen. Die kleine Gemeinschaft gerät in Gefahr, als Amals Ex-Mann in London auftaucht und zugleich der radikal-islamistische Prediger einer Hinterhofmoschee Nasseer zwingt, gegen die «Gottlosen» im Café vorzugehen.

Der Zürcher Regisseur Samir bricht in seinem Film mit einigen Tabus der arabischen Welt: So geht es unter anderem um Homosexualität. Aufgrund eines chaotischen Beginnes, zu vielen Wechseln zwischen den parallel ablaufenden Handlungssträngen, sowie mehreren Zeitebenen und der zu oft verwendeten Zeitlupe entwickelt Baghdad in My Shadow kein wirkliches Erzähltempo und zieht sich je länger denn mehr dahin. Die Themen, welche Samir hier anspricht, sind zwar nicht uninteressant, doch gegen Ende hin wird das Ganze trotz Anleihen an Do the Right Thing recht pathetisch und hat letztendlich auch nicht den erhofften emotionalen Punch.

/ crs