Bacurau (2019)

Bacurau (2019)

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Filmkritik: Nicht nur wegen des Filmtitels ein B-Movie

72e Festival de Cannes 2019
Udo Kier in einer Udo-Kier-Rolle
Udo Kier in einer Udo-Kier-Rolle

Brasilien, ein paar Jahre in der Zukunft: Teresa (Barbara Colen) ist auf dem Weg in ihre Heimat Bacurau, wo vor kurzem ihre Grossmutter gestorben ist. Sie bringt dabei nicht nur Trost für die Gemeinde mit, sondern auch einiges an Medizin, da das Dorf so fernab vom Schuss liegt, dass sogar die einfache Versorgung mit Lebensmitteln schwierig ist. Wasser muss wegen eines Staudamms mit einem Tankwagen herangekarrt werden. Trotzdem hält man in Bacurau zusammen. Schon bald wird das mehr denn je nötig sein.

...und dann die Hände zum Himmel...
...und dann die Hände zum Himmel...

Denn eine Gruppe von schiesswütigen Frauen und Männern unter der Leitung des alten Deutschen Michael (Udo Kier) haben es auf die Bewohner von Bacurau abgesehen. Was kann das bedeuten? Steckt vielleicht der böse Bürgermeister dahinter, dem man die Hilfe bei der Wiederwahl verwehrt hat? So oder so beginnt ein Kampf ums nackte Überleben, für den sogar der landesweit gesuchte Lunga (Silvero Pereira) ins Dorf zurückkehrt.

Bacurau ist ein wilder Genre-Mix. Der Neo-Western klagt die prekären Situationen in Teilen Brasiliens an und würzt das Ganze mit einem Rachefilmszenario, das nicht davon zurückschreckt, B-Movie-Elemente einzubauen. Das hätte das Zeug zum Kultfilm. Doch die Laufzeit von 132 Minuten hält das Werk zurück. Immer wieder erliegt der Erzählfluss. Es wirkt, als werde der Film zurückgehalten und könne nicht loslassen, um richtig Spass zu haben.

Bacurau ist ein seltsames Biest: Hier werden Western, Sci-Fi und Sozial-Kritik in einen 132-minütigen Film gepackt, dessen Laufzeit völlig überrissen ist und der sich auf dem Papier spektakulärer anhört, als er letzten Endes ist.

Doch beginnen wir am Anfang. Bacurau ist das Herzensprojekt des brasilianischen Regisseurs Kleber Mendonça Filho und seinem langjährigen Kollegen und Produktionsdesigner Juliano Dornelles. Mehrere Jahre haben die beiden am Skript zu diesem Film gearbeitet. Die lange Arbeit sieht man dabei nicht wirklich. Der Plot um ein verschworenes Städtchen, das sich gegen böse Mächte von aussen wehrt, ist einer der klassischsten Stoffe der Filmgeschichte - man denke als Beispiel an Kurosawas Seven Samurai, der danach unzählige Italowestern inspirierte.

Die Story ist also nicht gerade die neuste, das versucht das Filmteam aber mit einer guten Schippe Sozialkritik und sogar Satire zu überspielen. Die Vertreibung von ärmeren Menschen dürfte aufgrund der Geschichten rund um die Fussball-WM 2014 in Brasilien noch einigermassen präsent sein. Filho und Dornelles geben dieses Bild hier überspitzt wieder und machen es zur Rachefantasie. Gerächt wird sich dabei hauptsächlich an einem skrupellosen Bürgermeister und an notgeilen amerikanischen Waffennarren. Angeführt werden diese von einem alten Deutschen, der einmal sogar als Nazi bezeichnet wird. Auch weil Udo Kier diesen Deutschen spielt, rutscht Bacurau dann immer mehr in B-Movie-Gefilde ab. Das könnte Spass machen, tut es jedoch nur selten. Die verschiedenen Elemente - es kommt sogar eine Drohne in Form eines UFOs vor - wollen irgendwie nicht zu einem stimmigen Ganzen werden.

In Bacurau wurde vieles hineingepackt und dabei auch vieles versucht, und der Film sieht dank der Panavision-Bilder einfach grossartig aus. Doch ein unbefriedigendes Gefühl bleibt am Ende einfach bestehen. Vielleicht hätte man beim Schnitt die Schere etwas öfter ansetzen sollen. Die Botschaft und die B-Movie-Elemente wären auch bei einer Laufzeit von 90 Minuten durchgekommen.

/ crs