Atlantique (2019)

Atlantique (2019)

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  2. 104 Minuten

Filmkritik: Keine geistreiche Unterhaltung

72e Festival de Cannes 2019
Ada hadde dudde da
Ada hadde dudde da

In Dakar entsteht ein futuristisches Hochhaus. Doch die Baurarbeiten sind ins Stocken geraten. Der Grund: Die Bauarbeiter wurden schon seit mehr als drei Monaten nicht mehr bezahlt. Einer von ihnen ist Suleiman (Traore), der die Situation nicht mehr hinnehmen und deshalb gleich Senegal verlassen will. Bevor er sich auf ein Boot in Richtung Spanien begibt, sucht er nochmals seine Geliebte Ada (Mame Bineta Sane) auf. Diese ist eigentlich dem reichen Omar versprochen, den sie in zehn Tagen heiraten soll. Von seiner bevorstehenden gefährlichen Reise sagt Suleiman Ada jedoch nichts und so gehen die beiden auseinander.

Es waren die letzten Minuten, die sie miteinander verbrachten, denn das Boot mit Suleiman an Bord kentert auf hoher See. Überlebende gibt es keine. Ada erfährt davon und ist am Boden zerstört. Trotzdem willigt sie der Hochzeit mit Omar ein, der gar nichts von Suleiman weiss. Als eines Abends plötzlich das Bett von Omar und Ada in Flammen steht, vermutet der Ermittler Issa (Mbow) Suleiman hinter der Tat. Laut Zeugenaussagen soll der Junge in der Nähe gesehen worden sein. Doch wie ist das überhaupt möglich? Ist Suleiman vielleicht doch nicht tot?

Atlantique mischt Geistergeschichte mit Trauer-Drama. Klingt interessant, langweilt jedoch für den Grossteil der Laufzeit, da die Story nur schleppend vorankommt und die Figuren nicht nahe genug gehen. Ein typischer Festival-Film, dem wenigstens die Ehre zuteil wird, das erste Werk einer dunkelhäutigen Frau im Wettbewerb von Cannes zu sein.

Es ist schon etwas peinlich, dass erst bei der 72. Ausgabe des Cannes-Filmfestivals eine dunkelhäutige Frau mit einem Werk im Rennen um die Goldene Palme dabei ist. Nicht gerade peinlich, aber auch nicht wirklich eindrücklich ist Mati Diops Beitrag Atlantique dann am Ende ausgefallen. Das Drehbuch wirkt unausgereift und Diop schafft es nicht, uns die Protagonisten wirklich näher zu bringen.

Ambitioniert mischt Diop aber verschiedenste Genres miteinander. Es beginnt als Liebes-Drama und nimmt nach gut einer Stunde einen Rank in übernatürliche Gefilde. Als plötzlich eine Gruppe von Frauen mit komplett weissen Augen auftaucht, erschleicht einen der Verdacht, einen Sekundenschlaf gehabt zu haben. Läuft hier etwa schon der nächste Film?! Doch das ist nicht der Fall. Dieser Wechsel ist tatsächlich so abrupt.

Nichts gegen spontane Genrewechsel, doch hier funktioniert dies mehr schlecht als recht. Gingen uns die Ereignisse schon vorhin wegen einiger seltsamer und nerviger Figuren sowie Storyentscheidungen nicht wirklich nahe, bringt auch dieses mystische Element keine Besserung. Der Plot geht nur sehr behäbig voran, wobei auch noch ein Polizist mitmischt, der den Brand einer Matratze untersuchen muss und dabei nicht richtig vorwärts zu kommen scheint. Dieser Polizist wäre eigentlich ein Spannungselement, da er die Figuren in Bedrängnis bringen könnte und er das auch ein paarmal tut. Schade, dass einem das alles egal ist.

Atlantique möchte was Besonderes sein, doch ist letzen Endes nur eine Mischung aus anderen verqueren Festival-Schnarchern wie Personal Shopper, wo es auch eine trauernde Frau, gespielt von Kristen Stewart, mit Geistern zu tun bekam. Wer den Film von Olivier Assayas toll fand, darf hier auch einen Blick riskieren. Alle anderen wären zwar nicht gerade von allen guten Geistern verlassen, sich diesen Film anzusehen. Aber die 104 Minuten kann man auch anders verbringen.

/ crs