The Art of Self-Defense (2019)

The Art of Self-Defense (2019)

  1. 104 Minuten

Filmkritik: With Karate I'll kick your ass

1. OutNow Film Festival 2020
«Guys, I know Karate.»
«Guys, I know Karate.» © Bleecker Street Media

Casey (Jesse Eisenberg) arbeitet als Buchhalter in einem kahlen, graubraunen Firmengebäude, verbringt die meiste Zeit allein und ist fasziniert von der französischen Kultur. Sein bester Freund ist ein herziger Dachshund, für den er an einem soweit normal verlaufenden Abend Futter einkaufen gehen muss. Auf dem Heimweg wird er von einem Paar auf einem Motorrad verfolgt, schliesslich attackiert und spitalreif geprügelt.

Nach dem Angriff hat er Angst, allein rauszugehen. Zufällgerweise läuft er an einem Karate-Dojo vorbei und wird sofort vom Instruktor (Alessandro Nivola) in seinen Bann gezogen. Ausserdem wirft er ein Auge auf die einzige Frau im Dojo (Imogen Poots), die die Kinder instruiert. Am nächsten Tag findest sich Neo-Weissgurt Casey in seiner ersten Stunde wieder und schnell merkt er, dass er hier seine neue Leidenschaft gefunden hat; am liebsten würde er seinen Gurt auch im Alltag tragen. Auf Empfehlung des Instruktors, des Sensei, krempelt er sein ganzes Leben um. Er mag jetzt die hart klingende russische Sprache und hört Metal. Bald merkt er, dass der Sensei aber nicht nur seine besten Absichten hatte.

Riley Stearns inszeniert mit The Art of Self-Defense eine ebenso witzige wie trockene schwarze Komödie mit einem starken, wenn auch etwas unsympathischen Jesse Eisenberg. Die Kritik am alten, von reiner Dominanz getriebenen Bild der Männlichkeit gelingt und der Humor kommt nicht zu kurz. Die distanzierte Präsentation und gelegentlichen Gewaltausbrüche mögen jedoch einige vor den Kopf stossen.

Die schwarze Komödie ist kein einfaches Genre, die Balance zwischen Galgenhumor und -schmerz eine Kunst. Regisseur und Autor Riley Stearns umwickelt dies hier mit einem ihm bekannten Thema: Martial Arts. Der lernende und lehrende Brazilian-Ju-Jitsu-Kämpfer rekrutierte für The Art of Self-Defense das Vivarium-Duo Imogen Poots/Jesse Eisenberg für seine Übermännlichkeits-Satire.

Jesse Eisenberg gibt einmal mehr den schnell redenden, unsicheren Loser, der in dieser Rolle funktioniert. Zwar ist er am Anfang trotz seiner Opferrolle aufgrund seiner distanzierten Art lange Zeit wahnsinnig unsympathisch, wovon er sich gegen Ende aber etwas erholt. Ihm gegenüber steht Alessandro Nivola als Sensei, auf den die mysteriöse, dominante Rolle wie zugeschnitten ist. Etwas ins Abseits gerät Imogen Poots, die selbst nicht viel zu tun hat und deren Anna fast nur zu Diskussionszwecken dient.

Der Kern dieser Diskussion ist unweigerlich das Bild der Männlichkeit und der damit verbundene Sexismus. So belächelt der Sensei Casey wegen seines feminin klingenden Namens und Anna wegen ihrer schwachen, für Massagen ungeeigneten Hände. Aus diesem satirischen Bild schöpft der Film grösstenteils seinen Humor. So meint der Sensei, der Fakt, dass Anna eine Frau sei, verhindere es, dass sie jemals ein Mann würde. Weiter sorgt Eisenbergs kaltes, an The Lobster erinnerndes Schauspiel für Lacher. Der Humor ist absurd und überzeichnet und so ist auch die Handlung nicht allzu wörtlich zu nehmen.

Denn diese bietet zwar einige interessante Auflösungen gegen Ende, die aber nicht so gut versteckt sind, wie die Macher es wohl glauben. Caseys Wandel wird oft durch Bilder und Taten statt über Dialoge vermittelt. Während er zu Beginn unsichtbar scheint - im Spital interessiert sich ein Mädchen mehr für seinen Hund als für seine schweren Verletzungen - fühlt er sich später mit seinem neugefundenen Selbstbewusstsein stark und präsent - und missbraucht dies umgehend. Was etwas mehr vor den Kopf stösst, sind die teils blutigen Gewaltausbrüche. Einige wirken leicht übertrieben und sollen einfach schockieren, wobei die Mehrheit eine narrative Grundlage besitzen. So gelingt Riley Stearns in seinem erst zweiten Langfilm eine grösstenteils solide Balance zwischen Lachern und gebrochenen Knochen.

/ nna

Teaser Englisch, 01:17