Annabelle Comes Home (2019)

Annabelle Comes Home (2019)

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  2. 106 Minuten

Filmkritik: A Quiet Place

Wer spielt hier mit wem?
Wer spielt hier mit wem?

Damit sie nicht noch weiteren Schaden anrichten kann, sperren die Dämonologen Lorraine (Vera Farmiga) und Ed Warren (Patrick Wilson) die besessene Puppe Annabelle bei sich zuhause sicher in einen Glaskasten in ihrem Keller weg. Ein Jahr lang geht das gut, doch die Warrens haben sowieso ganz andere Sorgen zu bewältigen. Ihre junge Tochter Judy (Mckenna Grace) wird aufgrund des Berufs ihrer Eltern in der Schule gehänselt. So schwindet auch die Hoffnung, dass viele Kiddies an Judys Geburtstagsparty kommen werden.

Da hilft nur noch beten.
Da hilft nur noch beten.

Das Weekend zuvor hat Judy jedoch semi-sturmfrei, denn Lorraine und Ed müssen kurz verreisen und überlassen ihre Tochter der Obhut von Babysitterin Mary Ellen (Madison Iseman). Deren Schulkollegin Daniela (Katie Sarife) hat in den Tagen zuvor mitbekommen, was sich da für Sachen im Hause der Warrens befinden und so kommt es, wie es kommen muss. Mit unfreiwilliger Hilfe von Daniela gelingt Annabelle die Flucht aus dem Glaskasten und macht das Weekend der weiblichen Dreier-Clique zur Hölle.

Annabelle Comes Home ist vor allem einfach nur ein neuer Film der Conjuring-Reihe. Kein besonders schlechter, aber auch nicht wirklich ein guter. Es gibt fiese Jump-Scares und die Schauspieler überzeugen. Leider wird das vorhandene Potential nicht genutzt und die wohl interessanteste Figur wird unnötigerweise zur Nebendarstellerin (Nebenkreischerin?) degradiert.

Die Conjuring-Reihe gehört zu den wenigen Filmuniversen, die den Erfolg des Marvel Cinematic Universe einigermassen erfolgreich kopieren konnten. Die bisherigen sechs Filme spielten alleine in den USA knapp 600 Millionen Dollar ein. Das Grusel-Versum funktioniert und so kommt mit Annabelle Comes Home ein weiterer solider Beitrag in die Kinos, obwohl er gegen die von Mastermind James Wan noch persönlich gedrehten beiden Conjuring-Filme auch keinen Stich hat.

Inszeniert hat dieser dritte Annabelle-Film Gary Daubermann, der alle Drehbücher der Grusel-Puppensaga geschrieben hat und hier zum ersten Mal selbst auf dem Regiestuhl sitzt. Erzählten die ersten beiden noch recht unnötig komplizerte Geschichten, ist Annabelle Comes Home im Vergleich recht simpel. Fast der ganze Film spielt sich in einem Haus ab, in dem horrortypisch immer mal wieder der Strom ausfällt und durch das man nur herumschleichen darf, damit dann bei Jump Scares die Lautstärke fast schon explosionsartig nach oben schnellen kann. In Anlehnung an John Krasinskis cleveren Schocker ist das Haus der Warrens in diesen Momennten ein echtes Quiet Place.

Leute, die sich einfach nur erschrecken lassen wollen, werden hier auf ihre Kosten kommen. Zudem gibt es in einer Sequenz den Albtraum eines jedes TV-Glotzers zu sehen: eine verloren gegangene Fernbedienung. Das ist wirklich gruselig. Doch sieht man mal über diese positiven Aspekte hinweg, fallen einem viele verpasste Chancen auf. Denn die wohl interessanteste Figur des Ganzen befindet sich nicht im Mittelpunkt. Die von Katie Sarife gespielte Daniela ist zwar der Anstoss des Schreckens, und ihre Gründe, um im Keller der Warrens "herumzunoiseln", sind sogar ein Stück weit verständlich. Doch stattdessen fokussiert sich die Geschichte immer wieder auf die lahme Babysittern Marie Ellen, die zur Story nicht viel beiträgt und vor allem den Job hat, durch die Gänge zu schleichen und zu kreischen.

Mit all den anderen Gegenständen, die sich sonst noch im Keller der Warrens befinden, hätte man sich weiter durchaus austoben können und gegen das Ende hin wird das Potential auch einigermassen genutzt. Trotzdem bleibt am Ende das Gefühl, dass in diesem durchaus kompetent gemachten Film mehr dringewesen wäre. Alleine mit einem verwunschenen Kinderspiel hätten ganz böse Sachen gemacht werden können. Immerhin wurde so die Messlatte für Conjuring 3 nicht zu hoch gelegt. Das ist nett - ein Adjektiv, dass auch gut zu Annabelle Comes Home passt. Ein durchaus netter und damit nicht mehr als nur ein weiterer Horrorfilm in dieser Reihe

/ crs