Aladdin (2019)

Aladdin (2019)

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  2. 128 Minuten

Filmkritik: A Not so New World

I'm Blue, da-ba-di-da-ba-dei
I'm Blue, da-ba-di-da-ba-dei

In dem Königreich Agrabah lebt der Dieb Aladdin (Mena Massoud), welcher mit seinem Affen Abu bisher immer den Gesetzeshütern entkommen konnte. Als er eines Tages sieht, wie eine hübsche Frau (Naomi Scott) auf dem Markt in Schwierigkeiten gerät, eilt er ihr zu Hilfe und rettet sie. Was Aladdin noch nicht weiss: Es handelt sich bei der Lady um Prinzessin Jasmine, welche den Palast mal verlassen konnte. Denn meist sitzt sie dort nur rum und muss einen Prinzen nach dem anderen empfangen, die alle Jasmine heiraten möchten.

Lampenfieber?
Lampenfieber?

Aladdin ist hin und weg von der Schönheit, doch seine Tagträume werden jäh unterbrochen, als er vom Grosswesir Jafar (Marwan Kenzari) entführt wird. Jafar glaubt, dass Aladdin ein Junge mit einem reinen Herzen ist, der ihm eine Wunderlampe aus der sagenreichen Tigerkopfhöhle holen kann. Es heisst, wer immer im Besitz dieser Wunderlampe sei, soll von dem darin wohnenden Genie (Will Smith) drei Wünsche erfüllt bekommen. Für Aladdin beginnt das Abenteuer seines Lebens.

Ein paar neue Sachen hat diese Aladdin-Neuauflage schon zu bieten. So darf unter anderem Prinzessin Jasmine einen Selbstbestimmungs-Song zum Besten gibt, der recht an den Frozen-Hit "Let It Go" erinnert. Ansonsten hält sich der Film recht nahe an die Animationsfilmvorlage von 1992. Die bekannten Songs sind immer noch grossartig, das zentale Paar gefällt, Will Smiths Genie ist ok und die Ausstattung ist famos.

Beim Vorhaben allen eigenen Animationsfilmklassikern ein Realfilm-Update zu spendieren, ist Disney nun in den Neunzigern angelangt - eines der kreativ und auch finanziell erfolgreichsten Jahrzehnte in der Geschichte des Unternehmens. Beauty and the Beast machte vor zwei Jahren den Anfang, während 2020 die Geschichte von Mulan nochmals in die Kinos kommen wird. Dazwischen gibt's 2019 gleich zwei Remakes. Zum einen ist das The Lion King, welches allein schon mit den Trailern die Leute umhaute und so auf vielen Listen der meisterwarteten Filme des Jahres weit oben landete. Zum anderen ist da Aladdin, welcher mit seinen Trailern vor allem wegen Will Smiths Genie für Entsetzen sorgte. Das sehe doch grässlich aus und Robin Williams, welcher der Figur im Trickfilm kongenial seine Stimme lieh, würde sich im Grabe umdrehen.

Gleich vorneweg: Dass Will Smith einem Robin Williams nicht das Wasser reichen kann, wird recht schnell klar. Denn wie schon Beauty and the Beast hält sich auch Aladdin 2019 - mit Ausnahme des Showdowns - fast sklavisch an die Vorlage. Dies bedeutet, dass Smith vor allem die Performance von Williams wiedergibt, welche hauptsächlich vom 2014 verstorbenen Komiker improvisiert wurde. Das führte dazu, dass die Animatoren beim Trickfilm das zeichneten mussten, was der Schauspieler im Tonstudio zuvor zusammenbrabbelte. Smiths Genie ist also mit einigen Ausnahmen eine Kopie des Originals. Immerhin ist es keine schlechte. Der Fresh Prince of Bel Air hat sichtlich Freude an dem Part, in dem er singen, tanzen und blödeln darf.

Eine kleine Veränderung im Vergleich mit dem Original betrifft die Rolle der Jasmine. Diese kämpfte auch 1992 für Selbstbestimmung, doch hier wird dies noch mit einem an "Let It Go" erinnernden Song - der sogar zwei Mal abgespielt wird - unterstrichen. Naomi Scott ist schlicht umwerfend in der Rolle und hat mit Mena "Aladdin" Massoud eine sensationelle Chemie. Diesem Paar schaut man gerne bei ihrem Kampf gegen Jafar zu, welche meist in farbenfrohen Sets ausgetragen werden. Vor allem die Szenen auf Agrabahs Markt sind eine Augenweide. Wer jedoch auf Guy-Ritchie-Humor à la Sherlock Holmes gehofft hat, wird enttäuscht werden. Die Handschrift des Regisseurs blitzt nur ab und zu durch. Es ist ganz klar eine Auftragsarbeit und kein Passionsprojekt.

Das kann auch vom ganzen Film behauptet werden. Dieser Film existiert nur, weil Disney mit diesen Remakes Unmengen an Geld verdient. Aus künstlerischer Sicht hätte es keinen neuen Aladdin von Disney gebraucht. Trotzdem ist das aufgrund der Songs ("A Whole New World" löst immer noch Gänsehaut aus), der Ausstattung und den beiden Leads ein sehenswertes Remake. "A Whole New World" ist es nur mal eben nicht.

/ crs

Kommentare Total: 3

muri

Schöne Farben, nette Flashbacks, aber schlussendlich halt doch dei erwartet aufgewärmte und unnötige Verfilmung des Animationsklassikers. Nix gegen Will Smith, aber Robin Williams hat mir besser gefallen - die Songs waren stärker und die Neuverfilmung verlässt sich auf Namen und Handlung.

Bösewicht ist zu harmlos, es fehlt der Witz und der Pepp und somit ein weiterer Kandidat in der Reihe der überflüssigen Disney-Remakes. Schade. Schaut euch lieber nochmals den Trickfilm an!

pps

Ich fand den Film ok. Es fehlt ihm ein bisschen der Zauber des Trickfilms, was vielleicht auch an der Wahl von Will Smith lag; der hat seine Sache zwar gut gemacht, aber er hat halt eine "coole" Form von Humor, während Robin Williams damals eine eher manische Art des Witzes auf die Leinwand brachte, das passt irgendwie besser zum Genie. Das Hauptdarstellerpaar war gut und herzig zusammen, Jafar war mir ehrlich gesagt zu jung. Was mich echt störte war, dass ausgerechnet beim besten Lied aus dem Trickfilm "One Jump" einige der wenigen Guy-Ritchie-esken Momente dreinrutschten, indem nämlich die Zeit unterschiedlich schnell ablief, das machte den Song leider seltsam schleppend, wo man ihn sich doch schmissig gewünscht hätte. Schade.

crs

Filmkritik: A Not so New World

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