The Aftermath (2019)

The Aftermath (2019)

Niemandsland - The Aftermath
  1. , ,
  2. , ,
  3. 108 Minuten

Filmkritik: Der Staub unserer Stadt

Stefan Lubert, Sex Architekt
Stefan Lubert, Sex Architekt

Hamburg im Winter 1945, eine Stadt in Trümmern. Der britische Offizier Lewis Morgan (Jason Clarke) kann endlich seine Frau Rachael (Keira Knightley) zu sich in die besetzte Hansestadt holen. Nicht nur haben die beiden in den Kriegsjahren voneinander getrennt gelebt, bei einem Bombenangriff auf London haben sie auch ihren gemeinsamen Sohn Michael verloren. Unterkunft beziehen die Morgans in der Villa des Architekten Stefan Lubert (Alexander Skarsgård). Der Deutsche soll zusammen mit seiner Tochter Freda (Flora Thiemann) sein altes Heim räumen, nicht viele Häuser haben den Feuersturm der Royal Air Force unbeschadet überstanden.

"Go and save Germany!"
"Go and save Germany!"

Da Colonel Morgan jede Menge Arbeit mit den Überresten von Nazideutschland hat, verbringt Rachel viel Zeit allein im Anwesen. Ihr nicht aufgearbeiteter Verlust belastet sie und ihre Ehe schwer. Nach anfänglicher Ablehnung kommt es zu einer langsamen Annäherung an die Deutschen. Besonders der charmante Lubert erinnert überhaupt nicht an das typische Feindbild aus dem Krieg und auch er hat jemanden bei einem Fliegerangriff verloren.

The Aftermath ist ein Historiendrama ohne Gewicht. Die persönlichen Probleme der Figuren stehen über denen der ehemaligen Kriegsgegner, aber auf beiden Ebenen wird das Thema Schuld unzureichend verhandelt. Vereinzelte emotionale Ausbrüche und Liebesszenen zeigen die Klasse der Darsteller und profitieren von den ansprechenden Sets. Aber die verbindenden Szenen, der dramaturgische Aufbau überzeugen nicht. Dem Beziehungsdreieck fehlt es an Spannung und der Kampf gegen den Widerstand läuft nur nebenher.

Mit Aufnahmen aus der Vogelperspektive macht The Aftermath schnell klar, in welchem Setting wir uns befinden. Von der Hafenstadt Hamburg sind wenige Monate nach dem Kriegsende nur noch Ruinen übrig. Die Macht der britischen Hauptfiguren findet sich auch im Wohlstand wieder, die Villa als Kontrastprogramm zu den Trümmerfrauen.

Die Geschichte um Schuld und Verlust fokussiert sich auf Rachael. In ihrem Alltag erleben wir die Spannungen zwischen Deutschen und Briten, den Zwiespalt, in dem sich viele Menschen befunden haben müssen. Es sind ihre Erinnerungen an Sohn Michael, die wir sehen. Auf der anderen Seite befindet sich Lewis, der sich in die Arbeit gestürzt hat. Der Krieg als ultimative Ablenkung vom Tod. Von seinen Kollegen wird er für seine Menschlichkeit verspottet, "Lawrence of Hamburg" nennen sie ihn. Es ist schade, dass dieser Aspekt, der richtige Umgang mit dem besiegten Feind, nur angekratzt wird. Erst am Ende bekommt Jason Clarke seine grosse emotionale Szene und darf uns mit seinem Schauspiel auf seine Seite ziehen. Sein innerer Konflikt aufgrund der Taten im Krieg bleibt ein Innerer, vielleicht auch aus Angst vor den Konsequenzen.

Schon von der zweiten gemeinsamen Szene an ist klar, wohin die Reise für Misses Morgan und Herrn Lubert geht. Es braucht nicht viel, um eine einsame Frau zu trösten, und beim charmanten Architekten hat man das Gefühl, dass er auch jede andere Frau im Land hätte haben können. Lubert ist eine Figur ohne Makel. Ein gebildeter, empathischer Deutscher, der kein Nazi ist - und das mit dem Aussehen von Alexander Skarsgård. Da man echte Deutsche nur in den kleineren Rollen besetzt hat, ist es Skarsgård, der hier das überzeugendste Deutsch spricht.

The Aftermath bietet also gute Schauspieler, schöne Sets und eine klassische Dramaturgie. Der Film versucht, den persönlichen und den kollektiven Verlust zu verbinden und fragt, ob ein Neuanfang überhaupt möglich ist. Aber die Szenen sind zu beliebig, der bekannten Geschichte fehlt es an Spannung. Rachaels emotionaler Ausbruch am Klavier steht für sich, ihre Trauer wird nie greifbar. Das neue Familienleben in der Villa ist so weit vom Rest der Stadt, dass es höchstens eine Blase ist, in der sich alle neu sortieren können. Es ist ein Abwarten, ein leises Hoffen auf das Eintreten der Stunde Null.

/ sma