After the Wedding (2019)

After the Wedding (2019)

  1. 110 Minuten

Filmkritik: Flucht vor der eigenen Vergangenheit ist keine Option

Zurich Film Festival 2019
Abschied, aber für wie lange?
Abschied, aber für wie lange?

Aufopferungsvoll und mit viel Hingabe führt die Amerikanerin Isabel (Michelle Williams) in Indien ein Heim für Waisenkinder. Das Geld ist knapp, es fehlt an allen Ecken und Enden. Da kommt das grosszügige, jedoch unerwartete Angebot der New Yorker Unternehmerin Theresa (Julianne Moore) gerade richtig. Diese möchte Isabel allerdings vorab persönlich kennenlernen. Widerwillig macht sich Isabel deshalb auf den Weg nach New York, um ihr Projekt vorzustellen.

Was führt Theresa im Schilde?
Was führt Theresa im Schilde?

Unterdessen steckt Theresa mitten in den Vorbereitungen für die Hochzeit ihrer Tochter Grace (Abby Quinn) und hat auch sonst mit dem Verkauf ihres Unternehmens alle Hände voll zu tun. Spontan lädt sie die etwas überrumpelte Isabel zur Feier ein, um anschliessend in Ruhe das Projekt besprechen zu können. Zwar ist Isabel ganz und gar nicht davon begeistert, einer Feier von Fremden beizuwohnen, zumal sie ihre Schützlinge in Indien vermisst. Dennoch entschliesst sie sich in letzter Sekunde dazu, hinzugehen. Dabei ahnt sie nicht, dass dieser scheinbar banale Besuch die Narben der Vergangenheit in unerwarteter Weise aufreissen wird.

After the Wedding erzählt die Geschichte zweier Frauen, die auf dem ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Erst bei näherer Betrachtung lassen sich Prallelen im Leben beider ausmachen. Allerdings braucht der Film für diese Entwicklung etwas gar zu lange. Das führt dazu, dass man die Figuren lange nicht wirklich fassen kann. Dadurch entsteht eine merkwürdige Distanz zu ihnen.

After the Wedding ist die Neuverfilmung des gleichnamigen dänischen Dramas von Susanne Bier. In seiner Neuauflage verlegt Regisseur Bart Freundlich die Geschichte nach New York. Der Film besticht durch seine Bildsprache und Kameraarbeit. Besonders eindrücklich sind die Kamerafahrten zu Beginn und am Ende des Films. Die Zuschauer werden regelrecht in die Szenerie hinein- und wieder aus ihr heraustransportiert. Ausserdem lässt Freundlich immer wieder die Natur für sich sprechen. Das Rauschen des Windes in den Blättern oder das Prasseln des Regens bilden immer wieder kleine Ruheoasen im Gefühlschaos. Während das Drama sich immer weiter verstärkt, dienen diese Naturaufnahmen allerdings auch der Erweiterung und Intensivierung der Gefühlsebene der Figuren.

Allerdings gelingt es dem Film leider nie wirklich, an Fahrt zu gewinnen. Dass das Drama immer weitere Kreise zieht und neue Enthüllungen drohen, ändert daran auch nichts. Die Figuren bleiben trotzdem immer sehr distanziert und schwer zugänglich. Dadurch fällt es schwer, Empathie aufzubauen. Das liegt vor allem auch daran, dass die Geschichte sich sehr langsam entwickelt und die Motivation für das Handeln der Figuren nicht immer sofort ersichtlich ist. Dass der Film dennoch keine Längen aufweist, ist der hochkarätigen Besetzung zu verdanken, die eine solide Darstellung zeigt.

Blass und unterkühlt, ist After the Wedding nur Mittelmass und bleibt trotz ausgezeichneter Ausgangslage hinter den Erwartungen zurück.

/ sul