Abominable (2019)

Abominable (2019)

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  3. 92 Minuten

Filmkritik: So einen in Plüsch, bitte!

44th Toronto International Film Festival
Superknuddel
Superknuddel

Ein Yeti kann aus einem Versuchslabor in Shanghai flüchten und versteckt sich auf dem Dach eines Wohnhauses der Millionenstadt. Zufällig hat sich genau dort das Teenager-Mädchen Yi (Stimme: Chloe Bennet) einen Rückzugsort eingerichtet, wo sie gerne Geige spielt und das Geld aufbewahrt, mit dem sie einmal auf Reisen gehen will. Als Yi den Yeti entdeckt, merkt sie schnell, dass dieses haarige Riese trotz seiner Grösse völlig harmlos ist. Sie verarztet ihn, gibt ihm den Namen "Everest" und versteckt ihn vor den uniformierten Leuten, die auf der Jagd nach ihm sind.

Glamping mit Yeti
Glamping mit Yeti

Dumm ist nur, dass ihr jüngerer Nachbar Peng (Stimme: Albert Tsai) und dessen eingebildeter Bruder Jin (Stimme: Tenzing Norgay Trainor) ihr auf die Schliche kommen und dabei auch gleich noch den Aufenthaltsort von Everest verraten. So beschliesst Yi kurzerhand, Everest nicht nur bei der Flucht zu helfen, sondern ihn persönlich zurück zu seiner Familie ins Himalaya-Gebirge zu bringen, Peng und Jin im Schlepptau. Während die drei Teenager eine atemberaubende Reise quer durch China antreten, sind ihnen aber der reiche Mr. Burnish (Stimme: Eddie Izzard) und die Zoologin Dr. Zara (Stimme: Sarah Paulson) stets dicht auf den Fersen, die alles tun würden, um den Yeti erneut in die Hände zu bekommen.

Ganz und gar nicht "abominable" (dt. abscheulich) ist die fantastische Reise des "kleinen" Yetis quer durch das traumhaft schön animierte China. Farbenfroh inszeniert, mit grossartigen Landschaftsbildern und spektakulärer Naturmagie ist das neuste Animationsabenteuer von Dreamworks ein wahrer Augenschmaus geworden. Die erzählte Geschichte ist zwar einfach gehalten und bietet wenige Überraschungen, dank sympathischer Figuren, exotischer Locations und schöner Musik ist Abominable aber lüpfige Animationsunterhaltung für die ganze Familie.

Auch wenn es die verschiedenen Filmstudios nicht gerne sehen, kommt es öfters vor, dass bestimmte Themen gleich bei mehreren Filmprojekten parallel bearbeitet werden. So kam etwa Dreamworks‘ erster Film Antz nur kurz vor Pixars A Bug's Life in die US-Kinos, und auch bei Finding Nemo und Shark Tale wurde das Thema filmischer Fische sehr zeitnah von unterschiedlichen Animationsstudios bearbeitet. Abominable aus dem Hause Dreamworks/Universal ist nun sogar schon der dritte Film innerhalb eines Jahres, der sich mit dem Thema Yeti bzw. Big Foot befasst, wobei Warners Musical Smallfoot richtig einschlagen konnte und Laikas Stop-Motion-Film Missing Link leider ziemlich unterging.

Mit der Geschichte um Baby-Yeti Everest (der Titel verweist auf The Abominable Snowman, eine Bezeichnung, die im Englischen längst zum stehenden Begriff geworden ist) hat das Team um die Regisseure Jill Culton (Open Season) und Todd Wilderman eher die kuschelige Variante gewählt, denn das liebenswerte mythische Wesen kann weder sprechen, noch ist das Abenteuer aus seiner Sicht erzählt. Stattdessen führen drei Teens - für einmal nicht aus den USA, sondern aus der Millionenstadt Shanghai - die Zuschauer durch eine turbulente Reise quer durch das traumhaft schön animierte China.

Charakterlich sind die menschlichen Protagonisten wenig komplex gezeichnet, sie kommen aber sympathisch rüber und bilden so ein gutes Team an Identifikationsfiguren, wobei zum Glück auf eine Lovestory verzichtet wurde. Etwas mehr in Richtung Karikatur gehen da die Bösewichte, allen voran Eddie Izzards Millionärsabenteurer, den man in ähnlicher Form allerdings schon zigmal gesehen hat. Für immer wieder witzige Momente können dafür seine chinesischen Schergen sorgen.

Kaum überraschend setzt der Film seinen Schwerpunkt natürlich auf Everest selbst, und der ist in seiner putzigen Art irgendwo zwischen Hundewelpe und ungestümem Bub tatsächlich richtig gelungen. Die Komplexität eines Toothless (ebenfalls aus dem Hause Dreamworks) erreicht der kleine Yeti freilich nicht, aber das wären auch sehr grosse Monster-Fussstapfen zu füllen. Mit seiner fantastischen Summ-Fähigkeit, die akustisch wie visuell sehr schön inszeniert wird und mehrfach für atemberaubende Sequenzen sorgt, und nicht zuletzt dank dem knuddligen Figurendesign mit dem toll animierten Fell trifft der Yeti Everest aber mitten ins Herz und dürfte deshalb auch länger im Gedächtnis der Zuschauer bleiben.

/ pps