7500 (2019)

7500 (2019)

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  3. 92 Minuten

Filmkritik: Co-Pilotprojekt

Sich selbst über die Schulter gucken
Sich selbst über die Schulter gucken © Pathé Films

Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon Levitt) ist ein Amerikaner, der sich in die deutsch-türkische Flugbegleiterin Gökçe (Aylin Tezel) verliebt hat und nach Deutschland gezogen ist. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn leben sie in Berlin. Da sie beide bei derselben Fluggesellschaft arbeiten, kommt es vor, dass sie der gleichen Maschine zugeteilt werden. So auch bei Flug 62. Es hätte in ganz normaler Routineflug von Berlin nach Paris werden sollen, doch kurz nach dem Start bringt eine kleine Gruppe von Extremisten das Flugzeug unter ihre Kontrolle.

"Ganz schön eng hier!"
"Ganz schön eng hier!" © Pathé Films

Einem der Terroristen gelingt es, ins Cockpit einzudringen, wobei der Pilot im Gerangel ums Leben kommt. Tobias Ellis überwältigt den Terrorist und verriegelt die Tür zwischen sich selbst und der Passagierkabine. Auf sich allein gestellt, kann er das Geschehen nur über einen kleinen Monitor beobachten. Er nimmt es auf sich, mit den Flugzeugentführern zu verhandeln. Da nicht nur die Fluggäste zu den Geiseln gehören, sondern auch Gökçe, wird es für den jungen Co-Piloten besonders schwierig, Ruhe zu bewahren.

Mit dem klaustrophobischen Konzept ist die Ausgangslage von 7500 eigentlich schon Garant für Fingernägelbeisskino. In der Anfangsphase blitzen Thrill und Spannung auf, doch richtige Platzangst kommt nicht auf. Grösste Schuld trifft das Drehbuch: Die Dialoge klingen seltsam hölzern. Der Film wirkt offensichtlich «gespielt», wodurch es schwerfällt, sich komplett in seinen Bann ziehen zu lassen. Die Charakterisierung der islamistischen Entführer lässt arg zu wünschen übrig, und das Ende ist eine filmische Bruchlandung. Regisseur Patrick Vollrath hat eine gute Idee schwach umgesetzt. Solche Filme frustrieren leider immer am meisten.

Filme, die sich auf eine Location beschränken und dann auch noch in Echtzeit erzählt werden, gibt es weniger, als man denken könnte. So ist dieser Entführungsthriller eine willkommene Abwechslung in der Kinolandschaft. Das Cockpit eines Passagierflugzeuges eignet sich dafür perfekt. Der deutsche Regisseur Patrick Vollrath hat mit dem kleinen schwarz-weissen Bildschirm, auf dem die Kabine zu sehen ist, ein tolles Mittel für die Spannungserzeugung gefunden. Die Bilder darauf erinnern in jedem Moment, dass sich hinter dem Cockpit eine Menge der Figuren befinden, die normalerweise die Hauptrolle spielen würden: die verängstigen Passagiere.

Hauptfigur Tobias Ellis würde man im Dialekt wohl als «Bünzli» bezeichnen. Ecken und Kanten sucht man vergebens bei seiner Figur, und so wird das Mitfiebern ziemlich eingeschränkt. Ebenso ideenlos sind die Motivation und die Rollenverteilung der Terroristen. Der wahnsinnig radikale Anführer darf ebenso wenig fehlen wie der junge, naive Mitläufer, der eigentlich gar nicht weiss, wo er hier mitmacht. Die Positionierung der Charaktere ist somit von Beginn weg klar und der Handlungsverlauf absehbar. Trotzdem gibt es zwischendurch ein paar effektive Spannungsmomente, da die dargestellte Situation von Grund auf beängstigend ist.

Wegen des engen Settings sind eine innovative Kameraarbeit oder grossartige visuelle Gestaltung natürlich schwierig. Mit Regen, der ans Fenster prasselt und in den verschiedensten Farben blinkenden Lämpchen bleibt der Film trotz dieser Einschränkungen zumindest optisch halbwegs interessant. Das «7500» bezieht sich übrigens nicht auf eine Flugnummer (wie dies ein B-Movie von 2014 tat) sondern auf den Sicherheitscode für «Flugzeugentführung».

/ ma

Trailer Deutsch, 01:44