Cold War - Zimna wojna (2018)

Cold War - Zimna wojna (2018)

Cold War - Der Breitengrad der Liebe
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  3. 88 Minuten

Filmkritik: Glühende Liebe, Eiserner Vorhang

71e Festival de Cannes 2018
Schmollmund Marke Bardot
Schmollmund Marke Bardot © Filmcoopi

In einer polnischen Musik- und Tanzschule bewirbt sich im Jahr 1949 Zula (Joanna Kulig) für einen Platz im Ensemble. Die junge Frau verbüsst gerade noch eine Strafe auf Bewährung, weil sie ihren Vater hat umbringen wollen. Dessen ungeachtet, ist der musikalische Leiter der Schule Wiktor (Tomasz Kot) fasziniert von der Blondine - ihres musikalischen Talentes willen, aber nicht nur deswegen. Er nimmt sie ins Team, fördert sie und wird bald darauf auch zu ihrem Liebhaber.

Dancers in the Dark
Dancers in the Dark © Filmcoopi

Das Ensemble ist erfolgreich und erweckt schon bald die Aufmerksamkeit des kommunistischen Bürokraten Kaczmarek (Borys Scyc). Dieser möchte die Darbietungen der Truppe mit patriotischen Progaganda-Inhalten füllen. Wiktor missfällt dies zwar, doch ist er gezwungen, dem Druck von oben nachzugeben. Eines Tages, als Wiktor und Zula mit der Gruppe für eine Aufführung nach Berlin reisen, sieht er die Gelegenheit gekommen, mit seiner Geliebten in den Westen zu fliehen. Die beiden möchten in Paris ein neues Leben beginnen. Doch dann bekommt Zula kalte Füsse, und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Rein vom Thema her hätte dieses Liebesdrama aus dem Kalten Krieg durchaus ein sentimentaler Schmachtfetzen werden können. Doch mit seiner minimalistischen Inszenierung vertraut Regisseur Pawel Pawlikowski den Zuschauern, dass sie die Emotionen der Figuren auch in kleinen Nuancen wahrnehmen, ohne dass es pathetische Gesten dazu braucht. Das Kalkül geht auf. Cold War ist ein kleines Filmjuwel.

Wenn man Pawel Pawlikowski eines nicht vorwerfen kann, dann, dass er die Zeit seiner Zuschauer unnötig verschwendet. Denn für einen Stoff, aus dem wohl viele Berufskollegen ein dreistündiges Epos zimmern würden, braucht der polnische Regisseur gerademal übersichtliche 90 Minuten. Und in diesen 90 Minuten rasselt er immerhin 15 Filmjahre durch. Natürlich besteht bei einem solchen Erzähltempo die Gefahr, dass der Film abehackt wirkt. Doch hier ist alles stimmig: Der Film zeigt alles Relevante, ohne es aber aufzublasen.

Diese Erzählmethode ist durchaus reizvoll, da sie die Zuschauer nicht unterschätzt und die Filmbotschaften lieber subtil vermittelt, anstatt sie ihnen penetrant auf die Nase zu drücken. Gleichzeitig ist die Erzählweise aber auch ein cleveres narratives Mittel, um den Gang der Zeit zu beschleunigen oder zwischendurch auch zu verlangsamen - und so auch die Gefühlslage der Charaktere zu illustrieren.

Dass dies alles so gut gelingt, ist sicherlich auch den Darstellern zu verdanken. Joanna Kullig und Tomasz Kot harmonieren gut als tragisches Liebespaar, das den Klauen des Stalinismus zu entkommen versucht und feststellen muss, dass das gar nicht so einfach ist. Die Geschichte von Zula und Wiktor ist übrigens die Geschichte von Pawlikowskis Eltern, die tatsächlich eine solche Liebesgeschichte beidseits des Eisernen Vorhangs erlebt haben. Der Regisseur hat sie allerdings noch mit einigen fiktionalen Elementen angereichert.

Pawlikowskis minimalistischer Stil äussert sich nicht nur in der Erzählweise, sondern auch auf der formalen Ebene. Wie schon im Vorgänger Ida, für den er 2014 den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film erhalten hat, ist auch Cold War in strengem Schwarzweiss und dem für den Kinosaal eher unüblichen 4:3-Format gehalten. Die Enge, aus der die Protagonisten auszubrechen versuchen, wird auch dadurch noch akzentuiert.

Aufgelockert wird diese formale Strenge durch die musikalischen Elemente und die Tanzszenen: Von der traditionellen polnischen Volkswaise bis zu den Chansons in Paris sind diese immer der jeweiligen Zeit angepasst. Komponist Marcin Masecki findet hier für jede Situation die richtigen Töne und trägt so seinen Teil dazu bei, dass Cold War nie zu einer formalistischen Fingerübung verkommt. Dieser Liebesfilm bietet in komprimierter Form mehr Emotionen als mancher doppelt so lange Sehnsuchtsschinken.

/ ebe

Kommentare Total: 2

yan

Bereits mit Ida wurde ich nicht warm. Vielleicht ist mir Pavlikovskys Stil schlicht zu artsy. Cold War ist schön inszeniert, hatte gute Darsteller und ansprechende Musik. Die Story wird wie in der Kritik erwähnt ziemlich minimalistisch vorgetragen und gibt auch nicht besonders viel her. Mich hat diese simpel gestrickte, im kalten Krieg eingebettete Liebesgeschichte nicht vom Hocker gehauen.

ebe

Filmkritik: Glühende Liebe, Eiserner Vorhang

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:53