Shadow - Ying (2018)

Shadow - Ying (2018)

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Filmkritik: Wow in grau

75. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2018
Verbindung mit Verband
Verbindung mit Verband © Studio / Produzent

Die Stadt Jing im chinesischen Königreich Pei wird von General Yang aus einem benachbarten Reich besetzt. Peis junger König (Zheng Kai) ist zu feige, um die Stadt zurückzuerobern, und so herrscht eine Art Frieden. Sowohl das Volk als auch der befehlshabende Commander haben genug von dieser passiven Regierung (Deng Chao). Diese Aufmüpfigkeit kostet den Commander seine Position, und er wird zum Zivilisten degradiert.

Regenmantel zuhause vergessen
Regenmantel zuhause vergessen © Studio / Produzent

Was der König nicht weiss, ist, dass der richtige Commander sich seit geraumer Zeit verletzt und geschwächt in den Gemäuern des Palastes versteckt und stattdessen ein ihm ähnelnder "Shadow" den Posten übernommen hat. Ausser der Frau des wahren Commanders, die sich langsam, aber sicher in den Doppelgänger verliebt, weiss niemand am Hof Bescheid. Die drei planen insgeheim einen Schlachtplan, um General Yang zu besiegen und Jing zu befreien.

Mit Shadow kann Meisterregisseur Zhang Yimou an seine ganz grossen Filme Anfang der 2000er anknüpfen. Die ballettartige Action, die spannenden Intrigen und die sinnlichen Momente fügt er zu einem stimmigen Kunstwerk zusammen, das auf der grösstmöglichen Leinwand zu geniessen ist. Einziger Wermutstropfen bleibt, dass die zentrale Actionsequenz mit dem Finale nicht mehr übertroffen werden kann, was aber eher für deren Qualität als ein schwaches Ende spricht. Nach seinem kurzen Ausflug nach Hollywood sind also sowohl Yimou als auch seine Fans wieder zuhause. Xièxie!

Der Chinese Zhang Yimou hat mit Hero und The House of Flying Daggers zwei prunkvolle, moderne Klassiker des Wuxia-Genres geschaffen, nachdem Ang Lee dieses mit Crouching Tiger, Hidden Dragon weltweit bekannt gemacht hatte. Zhang ging noch einen Schritt weiter als Lee in Sachen Opulenz, und seine Filme beeindruckten vor allem durch die wunderschönen und schillernden Farbkompositionen ihrer Bilder. Dies zog sich sogar durch seinen Hollywoodausflug The Great Wall und die von ihm inszenierte Eröffnung der Olympischen Spiele 2008.

So erstaunt es, dass er bei der Farbgebung von Shadow den Titel des Filmes auch visuell umsetzt und auf jegliche Farbe verzichtet. Er beweist auf eindrücklichste Weise, dass mindestens 50 Schattierungen von grau zwischen schwarz und weiss liegen.

Das chinesische Gleichheitssymbol von Yin und Yang zieht sich sowohl visuell als auch inhaltlich durch den Film. Die Handlung beinhaltet viel Intrigen und Melodrama am Königshof, was sie auch für ein europäisches Publikum sehr zugänglich machen dürfte - zumal der Plot sich nicht weit entfernt von Shakespeare abspielt und durch seine Irrungen und Wirrungen immer wieder überrascht. Ganz klar dominieren aber trotzdem die sinnlichen, berauschenden Bilder die Handlung und sind das, was in Erinnerung bleibt.

Der konstante Regen ist fast schon ein weiterer Charakter des Filmes, und eine Actionsequenz mit ganz besonderen Regenschirmen gehört zu den besten Szenen des Jahres. Hier bekommt man Filmemachen auf höchstem technischen Niveau zu sehen - von der Bildkomposition über das scheppernde Sounddesign bis hin zu den wuchtigen Emotionen, die durch Action kommuniziert werden. Action, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat, seit der The Matrix-Einfluss durch die Ära der Superhelden abgeklungen ist. The Shadow ist eine willkommene Dosis eines Genres, das eine Mainstream-Wiederbelebung verdient hätte.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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