Womit haben wir das verdient? (2018)

Womit haben wir das verdient? (2018)

  1. 90 Minuten

Filmkritik: Nicht mit meiner Tochter!

Ach, mein Gott!
Ach, mein Gott!

Eine Sitzung zwischen einer Therapeutin und den Eltern Wanda (Caroline Peters) und Harald (Simon Schwarz) findet statt. Es geht um ihre Tochter Nina (Chantal Zitzenbacher). Eigentlich könnten sich die Eltern glücklich schätzen über die jüngsten Entwicklungen ihres Teenager-Sprösslings: Sie kifft nicht mehr und vom Alkohol lässt sie auch die Finger. Als Nina den Raum betritt, trägt sie einen Hijab, eine Kopftuchbedeckung. Sie verkündet, dass sie zum islamischen Glauben übergetreten ist, deren Bräuche auslebt und nun Fatima genannt werden will. Die geschockten Eltern verstehen die Welt nicht mehr.

Sind das trendige Burkinis?
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Die Patchwork-Familie kommt an Wandas Geburtstag zusammen. Auch Nina, oder eben Fatima, sorgt mit ihrer äusseren Erscheinung für Aufsehen. Am Tisch wird hitzig über ihre geänderte Glaubensausrichtung diskutiert. Wanda äussert sich darüber, dass Ninas Konvertierung jenseits ihrer Wertevorstellungen liegt. Damit sie mit Gegenargumenten kontern kann, um Nina von ihrer Sturheit loszulösen, beschäftigt sich Wanda mit der islamischen Religion und Kultur. In Hanife (Alev Irmak) trifft sie eine Gleichgesinnte und Verbündete, die in dieser Sache für etwas mehr Klarheit sorgt. Trotzdem bleibt Nina weiterhin die starrköpfige Fatima.

In ihrem ersten Spielfilm widmet sich Eva Spreitzhofer dem Thema Culture-Clash. Womit haben wir das verdient? ist eine vergnügliche Komödie, die einem zum Lachen und auch zum Nachdenken animiert. Spreitzhofers gutes Drehbuch beinhaltet zudem passende Argumentationen, um den Zwist zwischen Mutter und Tochter aufrecht zu erhalten. Dabei spielen Caroline Peters und Chantal Zitzenbacher ihre Rollen ausgezeichnet. Der trockene, humoristische Charme aus Österreich ist hier gänzlich vertreten. Gelungen!

Mit Caroline Peters als Wanda und Chantal Zitzenbacher als Nina, bzw. Fatima, haben die Rollen ihre optimalen Schauspielerinnen gefunden. Gerade Peters mit ihrem verdutzten Blick ist einfach köstlich anzusehen und man kann sich niemand anders für diese Besetzung vorstellen. Wanda lebt in einem Patchwork-Familie-Modell und ist von ihrer Art her eine weltoffene Persönlichkeit. Trotzdem wird sie mit einem No-Go ihrer Tochter konfrontiert. Peters präsentiert sie dabei neugierig, ruhig, aber auch gleichzeitig leicht aufgewühlt. Hingegen ist Zitzenbacher als Nina die Rebellin, oder eben das schwarze Schaf in der Familie. Sie spielt ihre Rolle taff, entschlossen und weiss sich zu wehren, was überzeugend herüberkommt. Zudem ist es überraschend zu sehen, was Nina in Sachen Islam schon alles umsetzt - dafür dass die Glaubensänderung so plötzlich stattfand.

Und da liegt auch der Hund bergraben: Obwohl hier eine Kulturkollision im Gange ist, so geht es um die Frage nach dem 'Warum'. Gerade Wanda ist auf der Suche nach einer plausiblen Antwort, warum ihre Tochter zum Islam übergetreten ist. Da sie aus Nina nicht schlau wird, hält Wanda Ausschau nach der Ursache. Als Zuschauer sie bei ihrer Suche nach der Antwort zu verfolgen, bietet der Film die nötige Spannung, gepaart mit lustigen Situationen und gegensätzlichem Humor.

Spreitzhofers Drehbuch zeugt von guter Qualität und bietet witzige Dialoge. So können auch die Nebenrollen ihre Momente ausspielen. Vor allem dann, wenn sie bei Ninas Auftreten ihren Senf abgeben können, was eine Bandbreite von Akzeptanz bis zu negativer Kritik beinhaltet. Auch das Kontern ist geglückt mit Argumentationen, die zum Nachdenken animieren. In tragischen Momenten kommen die Gefühle zum Vorschein und wurden gut eingefangen. Zudem erhält man in Womit haben wir das verdient? einen interessanten Einblick in den Islam aus der Sicht einer Frau und wie sie sich darin zu verhalten hat.

Regisseurin Eva Spreitzhofer hat sich zusammen mit anderen Eltern die Frage gestellt, was wohl das Schlimmste wäre, was ihrem Kind passieren könnte. Mit dieser Erkenntnis und der filmischen Inspiration von Monsieur Claude und seine Töchter ist ihr erstes Spielfilm-Werk Womit haben wir das verdient? entstanden. Eine leichtfüssige Komödie mit interessanter Auseinandersetzung zwischen der muslimischen Kultur und der westlichen Gesellschaft. Dazu mit einer Note von Tragik und charismatischem, hiesigem Humor. Oder wie man es in Österreich mit einem Wort umschreibt: Paaasst!

/ sen

Jetzt unter freiem Himmel!

Der Film wird Openair aufgeführt, das nächste Mal am 24. Juli 2019.

Trailer Deutsch, 01:35