Wildlife (2018)

Wildlife (2018)

  1. 104 Minuten

Filmkritik: Wie die Feuerwehr

71e Festival de Cannes 2018
Auf ein Bier mit der Mama.
Auf ein Bier mit der Mama. © Praesens Film AG

Im Jahr 1960 zieht der 14-jährige Joe Brinson (Ed Oxenbould) zusammen mit seinen Eltern Jerry (Jake Gyllenhaal) und Jeannette (Carey Mulligan) nach Great Falls, Montana. Es ist nicht der erste Umzug der Familie, sein Vater erhofft sich, mit einer soliden Arbeit endlich ein bisschen Stabilität in sein Leben zu bringen. Diese hält allerdings nicht lange: Seinen neuen Job in einem Golfclub verliert er bald, weil er nach Ansicht seines Chefs unangemessen freundlich und zutraulich zu den Kunden ist. Wieder arbeitslos, greift Jerry vermehrt zur Flasche und versinkt in Selbstmitleid.

Doch dann vernimmt Jerry, dass Freiwillige gesucht werden, um die Waldbrände zu bekämpfen, die ganz in der Nähe wüten. Er ist buchstäblich Feuer und Flamme und lässt seine Frau und Sohn alleine zurück. Jeannette muss das Heft selbst in die Hand nehmen und nimmt einen Job als Schwimmlehrerin an. Dort lernt sie den wohlhabenden Warren Miller (Bill Camp) kennen und lässt sich von ihm zum Znacht einladen. Joe muss derweilen hilflos mitanschauen, wie die Ehe seiner Eltern in Abwesenheit des Vaters auseinanderdriftet.

Jake Gyllenhaal und Carey Mulligan sind sichere Werte für ein Regiedebüt. Doch der eigentliche Star in Paul Danos Erstling heisst Ed Oxenbould und spielt den Sohn der beiden. Trotz eines etwas schwachen Schlusses ist Wildlife dank seiner Schauspieler und den schönen Bildern auf jeden Fall sehenswert. Ein durchwegs solider Debütfilm ohne grössere Patzer - allerdings auch ohne spektakuläre Überraschungen.

So lange war das doch noch gar nicht her: Vor gerade mal neun Jahren spielte sich Carey Mulligan als frühreifes Teenagermädchen in Liebesnöten in An Education in die Herzen der Zuschauer. Nun spielt sie selbst die Mutter eines Teenagers - und agiert in Liebesdingen nicht viel reifer. Wobei man ihr auch eine gewisse Sympathie entgegenbringt, wird sie doch von ihrem Mann alleine gelassen. Dieser wird von Jake Gyllenhaal, mit dem Carey Mulligan schon für Prisoners vor der Kamera stand, als freundlicher Versager gespielt.

Doch im Zentrum des Filmes steht Ed Oxenbould in der Rolle des 14-jährigen Joe, aus dessen Perspektive der Film erzählt wird. Der Newcomer mit dem netten Nerdgesicht macht sich gut in seiner Rolle und schafft es ohne grosses Overacting die ruhige Verzweiflung zu verkörpern, mit der der Teenager das Scheitern seines Vaters und die Untreue seiner Mutter mitansehen muss. Oxenboulds gemeinsame Szenen mit Mulligan gehören zu den stärksten des Filmes.

Mit Wildlife, der Verfilmung eines Romans von Richard Ford aus dem Jahr 1990, gibt der Schauspieler Paul Dano sein Regiedebut, mit Drehbuchunterstützung seiner Partnerin Zoe Kazan. Gerade dank seiner drei Hauptdarsteller gelingt dem Regie-Paar damit ein über weite Strecken überzeugendes Familiendrama. Dieses ist eingebettet in ein stimmungsvolles und von Diego García sehr schön fotografiertes Setting aus dem US-Bundesstaat Montana der Sechzigerjahre.

Nur gegen Ende, als die Dramatik langsam zunimmt, fällt der Film ein wenig auseinander und mündet in einen nicht so richtig zufriedenstellenden Schluss. Dennoch macht Paul Dano hier nicht viel falsch - auch wenn er in der Wahl des Stoffes für sein Debut vielleicht nicht ganz so mutig war wie andere Schauspielerkollegen (Hallo, Ryan Gosling). Denn mit der literarischen Vorlage und den hochkarätigen Schauspielern zusammen mit einem talentierten Nachwuchsdarsteller kann ja eigentlich gar nicht viel schiefgehen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 2

yan

Ansprechendes Debüt von Dano, das vor allem dank den drei Hauptfiguren und weniger wegen des Plots punkten kann. Gyllenhaal, Mulligan und der bereits in "Better Watch Out" stark aufspielende Ed Oxenbould tragen dieses unspektakuläre Familiendrama und sorgen dafür, dass man auch dranbleibt.

ebe

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Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:33