Widows (2018)

Widows (2018)

Widows - Tödliche Witwen
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  3. 128 Minuten

Filmkritik: Viola's Four

43rd Toronto International Film Festival
Don't sweat it.
Don't sweat it.

Veronica (Viola Davis), Alice (Elizabeth Debicki) und Linda (Michelle Rodriguez) haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Doch ihre Ehemänner verüben regelmässig kriminelle Akte, wobei bei deren neustem Job so ziemlich alles schief läuft. Beim Versuch, zwei Millionen zu stehlen, werden die Männer von der Polizei überrascht und bei einer Explosion allesamt getötet. Viel Zeit zum Trauern bleibt für die drei Witwen jedoch nicht. Denn neben ihren Ehemännern verschwanden auch die zwei Millionen Dollar im Feuerball.

Da war die Welt noch in Ordnung.
Da war die Welt noch in Ordnung.

Ein Umstand, den die Bestohlenen gar nicht toll finden und nun das Geld von Veronica zurückerstattet haben wollen. Als sie in den Sachen ihres verstorbenen Gatten Instruktionen für einen geplanten Raub findet, beschliesst Veronica, den Heist zusammen mit Alice, Linda und der Fluchtwagenfahrerin Bell (Cynthia Erivo) durchzuziehen - ohne zu wissen, mit wem sie sich hier alles anlegen...

Widows von Oscarpreisträger Steve McQueen ist ein spannendes Thriller-Drama mit einwandfreien Darstellerleistungen - allen voran Viola Davis und Elizabeth Debicki -, das jedoch aufgrund der vielen Figuren zwischendurch etwas an Erzähltempo verliert. Für Fans von Heat und Set It Off ist dieser grossartig inszenierte und intensive Film jedoch ein absolutes Muss.

Hier ein kleiner Fakt, um bei den Freunden mit eurem (Film-)Wissen anzugeben: Der starbesetzte Widows basiert auf einer sechsteiligen, britischen Mini-Serie aus den Achtzigern. Gesehen haben muss man diese natürlich nicht und man sollte sich hüten, die Inhaltsangabe der Serie auf IMDb zu lesen, denn diese verrät nämlich ganz schön viel.

Den grossen Action-Kracher sollte man bei Widows nicht erwarten - blöde, irreführende Trailer. Es ist hauptsächlich ein Thriller-Drama und bietet nur ganz zu Beginn (sogar vor der Title Card!) und ganz am Ende Schiessereien und Explosionen. Dazwischen sind es das dichte Skript und die einwandfreien Darstellerleistungen, die einen dranbleiben lassen. Viola Davis ist umwerfend als Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und dabei immer mal wieder gleichzeitig ihren Hund auf dem Arm trägt. Ebenfalls herausragend ist Elizabeth Debicki in der Rolle der Alice, die ihr Leben lang immer nur aufs Dach gekriegt hat und nun zurückschlägt.

12 Years a Slave-Regisseur Steve McQueen und Gone Girl-Autorin Gillian Flynn lassen sich Zeit, diese in die Ecke gedrängten Frauen genau zu zeichnen, ihre Positionen und Situationen verständlich zu machen. Das erinnert zuweilen etwas an Michael Manns Action-Klassiker Heat, wo auch die Figuren am wichtigsten waren und nicht unbedingt der Heist. Der beste Vergleichsfilm dürfte jedoch Set It Off aus dem Jahr 1996 sein, in dem Jada Pinkett Smith und Queen Latifah sich als Bankräuberinnen versuchten.

Zwischendurch ist das mit den vielen involvierten Parteien des Guten etwas zu viel. Es gibt hier gefühlt zehn Figuren, die genauer unter die Lupe genommen werden, sodass der Erzählfluss ein paar Mal ins Stocken gerät. Auch hat das Skript mit einen Subplot um das Rennen des Bürgermeisterjobs in Chicago auch einiges über Politik und Rassismus zu sagen. Alles interessante Themen, doch gibt es hier ein paar Elemente, die dann doch eher in die Richtung Melodrama und Pulp gehen. Dass Widows aber trotz diesen Unterschieden stimmig bleibt, liegt an McQueens Regie, an den Bildern von Sean Bobbitt und dem Score von Hans Zimmer, der sich ins Gedächtnis hämmert (obviously). Es entsteht so ein spannendes, toll gespieltes und intensives Erlebnis, das nicht nur wegen der Musik noch etwas nachhallen wird.

/ crs

Kommentare Total: 3

sma

Steve McQueens erster Film ohne Michael Fassbender ist zugleich mein neuer persönlicher Favorit.
Widows hat eine sehr gelungene und intensive Eröffnungssequenz, die in dem eher ruhigen Thriller für sich steht. Der Dreh- und Angelpunkt des Films ist Viola Davis. Nicht nur als zentrale Handlungsfigur, sondern auch von der schauspielerischen Leistung her. Man sieht es auch in der zum Teil sehr zärtlichen Art mit der McQueen sie inszeniert, die intimen Close-ups sind grossartig. Es gibt viele Szenen, in denen es um Verlust geht, die Szene mit der Fensterspiegelung gehört für mich zu den emotionalsten. Neben Davis spielen auch Michelle Rodriguez, Elizabeth Debicki und Daniel Kaluuya ihre Rollen sehr stark. Liam Neeson, Robert Duvall und Colin Farrell ergänzen den beeindruckenden Ensemblecast.
Widows erzählt viele Geschichten gleichzeitig, aber die Übergänge sind fliessend. Nur die Rückblenden um Marcus fielen für mich etwas heraus. Im Süden von Chicago geht es nicht nur um politische Macht. McQueen erzählt hier so viel über Klassenkampf, Rassismus und bestehende Institutionen. Bei all der Intensität der Hauptfiguren ist es erstaunlich, wie kalt und schnell der eigentliche Raub abläuft. Das hier ist eben kein verspielter Oceans Raubzug. Die Auflösung der Geschichte hat mich nicht ganz gepackt, aber der extrem positive Gesamteindruck überdeckt das ein oder andere Handlungselement.
Widows ist ein moderner amerikanischer Thriller und ein ausgezeichneter Film.

yan

Steve McQueens Widows ist ein Slowburner wie wir ihn gerne öfters sehen würden. Dazu ist er auch noch Polit-Krimi im Stile von The Wire, ein Heist-Movie à la Ocean's 8 nur auf anderer Humorebene und ein Actiondrama ganz nach Heat. Die Besetzung ist ausnahmslos grossartig und die Geschichte macht vor allem im zweiten Teil richtig Spass.

Gerade zu Beginn hat McQueen etwas Mühe die verschiedenen Subplots miteinander zu verbinden. Vieles wirkt lose und nicht sehr zusammenhängend. Wichtige Details bleiben nur schwer erkennbar, was es schwierig macht dem Plot zu folgen.

Trotzdem ein richtig guter Film, der mir je länger desto besser gefiel.

4.5

crs

Filmkritik: Viola's Four

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