White Boy Rick (2018)

White Boy Rick (2018)

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  2. 111 Minuten

Filmkritik: Junge, warum hast du nichts gelernt?

43rd Toronto International Film Festival
Ein Ricky kommt selten allein
Ein Ricky kommt selten allein

Richard Wershe Sr. (Matthew McConaughey) ist ein Kleinkrimineller, der zwielichtigen Leuten Waffen mit selbstgebastelten Schalldämpfern verkauft. Allerdings träumt er davon, einmal einen Videoverleih zu eröffnen. Sein 15-jähriger Sohn Ricky (Richie Merritt) scheint sich nicht sonderlich mit seiner Zukunft auseinanderzusetzen. Lieber hängt er mit seiner Gang ab, als etwas aus seinem Leben zu machen.

Als das FBI Papa Rick auf die Schliche kommt und droht, ihn auffliegen zu lassen, willigt sein Sohn ein, als Informant für das Bureau zu arbeiten. Bald vertickt Ricky Koks im vierstelligen Bereich und steigt in der Gang-Hierarchie auf - und bald kann er nicht mehr zwischen seinen Verpflichtungen und seinem Gangleben unterscheiden. So gerät "White Boy Rick" bald selbst ins Visier der Justiz. Er hat sich vom für die Gesetzeshüter nützlichen Jungen zunehmend zu einem Ärgernis in der Drogenbekämpfung entwickelt.

Yann Demages Charakterporträt scheitert an diversen Stellen. Der Charakter, den er porträtiert, ist zwar grundsätzlich interessant und solide gespielt, aber mit der übermässigen Anzahl Figuren und den wirren Zeitsprüngen sowie einem langweiligen Look verpasst er es, die Zuschauer zu packen. Stattdessen ist der Film trotz cooler Musik und starkem Matthew McConaughey bald wieder vergessen.

Die Tagline ist reisserisch: "Ricky Wershe Jr. war Strassendealer, FBI-Informant und Drogenbaron - und das alles vor seinem 16. Geburtstag". Die auf einer wahren Geschichte basierende Handlung klingt auf dem Papier dann aber doch besser, als sie im Film erscheint. White Boy Rick verirrt sich regelmässig in seinem eigenen Plot.

Da kann auch Matthew McConaughey nicht viel retten. Zwar überzeugt er in seiner Rolle als Daddy Ricky absolut, kriegt für die kleine Relevanz seiner Figur aber viel zu viel Screentime. Auch sonst hat White Boy Rick krasse strukturelle Probleme. Die seltsamen Sprünge in der Zeit helfen nicht beim Verstehen des Vorgehens und die übermässige Anzahl Figuren verwässert die grundsätzlich interessante Geschichte. So bleibt auch die Handlung seiner Undercover-Arbeit, nun ja, undercover.

Ricky selbst, ganz ordentlich porträtiert von Newcomer Richie Merritt, ist weder sympathisch noch spannend genug gezeichnet, als dass man mit ihm mitfiebern möchte. Mit hochkarätigen Nebendarstellern wie Bruce Dern oder Jennifer Jason Leigh weiss der Film gleich auch nichts Gescheites anzustellen.

Visuell ist der Film dreckig und grau, was die Situation der Familie und der Stadt an sich gut widerspiegelt. Es sieht halt einfach gruusig aus. Stark hingegen ist der Soundtrack, der mit tollen Tracks von Run DMC, Rakim und Donna Summer und sonst mit coolen Funkbeats aufwartet. Trotzdem bleibt Yann Demanges zweite Regiearbeit trotz gutem Matthew McConaughey und spannender Ausgangslage unterdurchschnittlich und ist in kürzester Zeit wieder vergessen.

/ nna