Der Vorname (2018)

Der Vorname (2018)

  1. 91 Minuten

Filmkritik: Mahlzeit ist Streitzeit

14. Zurich Film Festival 2018
Na, begriffen...
Na, begriffen...

Es soll ein gemütlicher Abend unter Freunden werden. Der Literaturprofessor Stephan (Christoph Maria Herbst) und seine Frau, die Primarlehrerin Elisabeth (Caroline Peters) laden zu einem Essen bei ihnen zuhause ein. Die Gäste sind der langjährige Freund der Familie René (Justus von Dohnányi), Elisabeths Bruder Thomas (Florian David Fitz) und dessen schwangere Frau Anna (Janina Uhse). Nacheinander trudeln sie ein, wobei Vincent vor Anna eintrifft, da die Schauspielerin noch an einem Casting weilt.

...wir kiffen, wir kiffen.
...wir kiffen, wir kiffen.

Natürlich möchten die bereits Anwesenden schon mal den Namen des Kindes wissen. Da schockiert sie Thomas doch arg, als er die Wahl bekannt gibt: "Adolf". Für Stephan ist das eine absolute Katastrophe, denn man kann doch nicht aller Ernstes ein Kind nach dem Führer benennen. Auch wenn Thomas versucht mit weit hergeholten Argumenten zu beschwichtigen, kriegt sich Stephan fast nicht mehr ein. Doch dies ist erst der Beginn eines Abends, der allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Auch die deutsche Leinwandumsetzung des französischen Bühnenstückes "Le prénom" ist dank den geschliffenen Dialogen und den gutaufgelegten Schauspielern ein Spass, der zwischendurch zum Schreien komisch ist. Zwar müssen wegen der kurzen Laufzeit von 91 Minuten ein paar Abstriche bei den dramatischen Passagen gemacht werden, doch bleibt dieses Film-Dinner über die ganze Laufzeit unterhaltsam und kurzweilig. Mahlzeit!

Wenn ein Franzose sein Kind "Adolf" nennen möchte, ist das schon ziemlich schräg. Wenn dies jedoch ein Deutscher machen will, dann dürfte die Empörung um einiges grösser sein. So macht es von diesem Standpunkt durchaus Sinn, dass das gefeierte französische Theaterstück "Le prénom" nach einer gleichnamigen Kinoadaption auch für den deutschen Markt umgesetzt wird. Regisseur Sönke Wortmann wollte dabei das Ganze zuerst auch auf deutsche Bühnen bringen, doch kam das Projekt nie richtig zusammen. Nun bringt er halt ohne diesen Zwischenschritt seinen Film Der Vorname direkt auf die Leinwand.

Geändert wurden dabei lediglich die Namen der Protagonisten. Die Story ist immer noch die gleiche. Doch auch bei Wortmann ist es eine Freude zuzusehen, wie die Streithähne aneinander geraten und Enthüllungen mal mehr und manchmal etwas weniger fest an die Oberfläche gezerrt werden. Die Dialoge sind geschliffen, die geäussersten Argumentationen brandaktuell und der Humor schön bissig. Das ist vor allem dank Christoph Maria Herbsts verbohrtem Professor und dem provozierenden Yuppie, gespielt von Floran David Fitz, höchst unterhaltsam. Den beiden könnte man noch stundenlang beim Streiten zusehen. Ein paar Wortwechsel sind einfach nur zum Schreien komisch.

Jedoch gibt es eben nicht nur den Streit um den titelgebenden Vornamen, sondern auch weitere Brandherde. Einer davon wirkt jedoch etwas hineingewürgt und will nicht wirklich zum Rest des Filmes passen. Was hier gemeint ist, verraten wir selbstverständlich nicht, hat man doch bei Der Vorname den grössten Spass, wenn man so wenig wie nur möglich weiss.

Wie schon das Original überzeichnet auch das Remake die Figuren ein wenig, nimmt sie aber trotzdem durchaus ernst. So geht es nach einer Weile auch auf etwas dramatischeres Terrain. Dieser Wechsel geht durchaus schmerzlos über die Bühne und wirkt überhaupt nicht brüsk. Auch hier kann sich Wortmann ganz auf sein Ensemble verlassen, das durchs Band überzeugt, auch wenn die Frauen zwischendurch etwas in den Hintergrund gedrängt werden. Des Weiteren ist diese Version um satte 19 Minuten kürzer als die französische Fassung. Dies, weil Wortmann schneller auf den Punkt kommt und sich nicht allzu lange mit dem Vorstellen der Figuren beschäftigt. Zwar entwickelt das so gegen das Ende nicht ganz den gewünschten emotionalen Punch, doch ist es im Gegenzug kurzweiliger. Bestand Le Prénom aus 70 Prozent Komödie und 30 Prozent Drama, ist das Verhältnis bei Der Vorname 80/20. In der Endabrechnung ergibt dies aber auch hier ein "100 Prozent sehenswert".

/ crs

Kommentare Total: 3

yan

Das Original hätte gereicht.... Stromberg hin oder her.

picktoy

hy guys,leider meilenweit entfernt vom französischen original.
wer's scharf mag,sieht französisch.

crs

Filmkritik: Mahlzeit ist Streitzeit

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Trailer Deutsch, 01:57