Vice (2018)

Vice (2018)

Vice: Der zweite Mann
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  2. 132 Minuten

Filmkritik: Cheneys Werk & Rumsfelds Beitrag

Tricky Dick
Tricky Dick

Vom Trunkenbold, der von der Yale University geflogen ist, zum mächtigsten Vizepräsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika - Richard Bruce Cheney steht für den amerikanischen Traum. Von Wyoming aus beginnt der Aufstieg von Dick Cheney (Christian Bale) und seiner Frau Lynne Vincent Cheney (Amy Adams). Als Praktikant im Weissen Haus lernt er unter Donald Rumsfeld (Steve Carell) sein Handwerk. Schritt für Schritt arbeitet sich Cheney nach oben, politische Ämter und Jobs wechseln über die Jahrzehnte.

"Wollen wir den Irak überfallen?"
"Wollen wir den Irak überfallen?"

Doch immer wieder verhindern Rückschläge wie Wahlniederlagen den Aufstieg an die Spitze. Bis er im Jahr 2000 vom unerfahrenen Präsidentschaftskandidaten George W. Bush (Sam Rockwell) ein Angebot bekommt, dass er nicht ablehnen kann. Durch seine politischen Machenschaften im Hintergrund ist es Cheney, der im Oval Office die Entscheidungen trifft und nach dem 11. September 2001 die Geschicke seines Landes lenkt. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Vice ist eine Biografie über eine unbeliebte Persönlichkeit, deren Schaffenszeit noch nicht allzu lange her ist. Mit seinen bekannten Stilmitteln inszeniert Adam McKay einen aufwendigen und völlig überladenen Film. Aus der Kombination von Witzen über Politiker und echten Folterszenen ergeben sich schwerwiegende tonale Probleme. Von den Schauspielern, die hier einen Ähnlichkeitswettbewerb mit ihren realen Vorbildern veranstalten, überragt Christian Bale in der Titelrolle alle anderen. Sein Cheney ist nicht nur zum Fürchten, sondern auch die differenzierteste Figur im Film.

Bis vor ein paar Jahren war Adam McKay noch bekannt für seine irrwitzigen Komödien mit Will Ferrell in der Hauptrolle (Anchorman). Doch dann kam der politische The Big Short, der uns die Weltwirtschaftskrise humorvoll erklärte und McKay einen Oscar für das Drehbuch bescherte. Mit seinem neuen Film Vice wächst der Anspruch. Die Biografie über einen der fragwürdigsten Politiker der jüngeren amerikanischen Geschichte will gleich ganze Jahrzehnte der Politik kritisch und unterhaltsam aufbereiten.

Christian Bale ist das Highlight des Films. Der walisische Oscarpreisträger hat, wie so oft in seiner Karriere, für die Rolle rund zwanzig Kilo zugenommen. Dazu kommen noch Make-up und Gesichtsprothesen, die besonders beim alten Cheney für eine erstaunliche Verwandlung sorgen. Es ist die ganze Mimik, die Betonung und die Pausen beim Sprechen, die Bale hier auf eine beeindruckende Weise imitiert und überspitzt. Dazu kommt, dass Cheney die nuancierteste Figur im Drehbuch ist. Der Mann ohne Herz, der sich über die Verfassung stellt, wird privat zum liebenden Familienvater. Indem der Film ihn als Menschen darstellt, bittet er zugleich um Verständnis für ihn.

In den vier Jahrzehnten, die der Film abdeckt, sticht ein Datum heraus. Der 11. September 2001 verhindert eine rein chronologische Erzählstruktur. Bereits zu Beginn werden die Terrorangriffe zu Cheneys Schicksalsstunde erklärt - vom Erzähler des Films (Jesse Plemons). Dieser zeigt sich sogar ab und an im Bild, gibt Hinweise und sagt dem Zuschauer alle wichtigen Regeln, die man nicht mit den Figuren oder einer Montage erzählen kann. Dabei lebt Vice von seinen Montagen. Mit aufwendigen und schnellen Schnitten werden Verbindungen gezogen, die sich danach nicht wieder lösen lassen. Raketen auf den Irak, George W. Bush auf einem Flugzeugträger, Folter in Guantanamo Bay - alles untrennbar verbunden. Hier nimmt Vice Tempo auf, wird zum Teil polemisch und sucht den Humor in der Absurdität der wahren Ereignisse.

Was ebenfalls gelingt, ist die Darstellung von Macht und ihrer Manipulation. Das Ehepaar Cheney verbreitet auf einer Party Angst und Schrecken, im Oval Office hat Dick das Sagen und bei der spielhaften Besetzung von Posten lässt man den Präsidenten lieber aussen vor. Mit Übertreibungen in Form von gefälschten Szenen sucht der Film seine Lacher. Cheney sei eben so überzeugend, dass keine Idee zu abstrus scheint. Doch spätestens mit dem letzten Einzug ins Weisse Haus nimmt der biografische Anteil überhand. Dann geht es um Cheneys Taten, und die sind nicht lustig: das Aushebeln der Verfassung, das Foltern von Menschen und ein blutiger Krieg, der eine ganze Region destabilisiert hat. McKays Infotainment-Film wird hier schmutzig, verliert sein Tempo und verabschiedet sich von allen interessanten Nebenfiguren. Die Nacherzählung der Nullerjahre erinnert an einen Wikipediaartikel, einen hochpolitischen über Verrat und Herzinfarkte.

/ sma

Kommentare Total: 3

muri

Hat mir sehr gut gefallen. Diese Art von Film, wahr oder nicht, mit den Einschüben, den Spässen, den Laufschriften - das passt wunderbar. Darstellerisch obere Klasse und die Figur von "Dirty" Dick Cheney ist eh eine ganz Interessante.

Gegen Ende geht dem Ganzen etwas die Puste aus, so wären vielleicht 20-30 Minuten weniger schlussendlich mehr gewesen.

solanumnigrum

Der Film wurde in den Himmel gelobt. Für mich war er zwar eine gelungene Politsatire mit vielen "Crazy" pointen, allerdings ist dieser Film alles andere als ein Niveauvoller Streifen.

Die Schauspieler überzeugen, die Story ist aber wirr und "schwach" und, wie könnte es auch anders sein, frei erfunden.
Es erinnert mich ein wenig an eine politische Version von "Wolf of Wallstreet", einfach mit weniger Prostituierten.

Fazit: Unterhaltsam ist er allemal. Aber - Warum?

3.5 von 6 Sternen

sma

Filmkritik: Cheneys Werk & Rumsfelds Beitrag

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