Der Unschuldige (2018)

Tut Mut Ruth gut?

Knapp 20 Jahre sind vergangen, seit Ruths (Judith Hofmann) damaliger Freund Andi (Thomas Schüpbach) für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Ruth schickte ihm zu Beginn regelmässig Briefe, bekam jedoch nie eine Antwort auf diese. Irgenwann versucht sie es einfach nicht mehr, Andi zu erreichen. Heute ist Ruth verheiratet, Mutter von zwei Teenager-Töchtern, arbeitet in einem Labor für Neurowissenschaften und geht regelmässig mit ihrer Familie in eine Freikirche.


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5.0 Sterne 

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Film-Informationen

Drehorte: Schweiz, Deutschland 2018
Genre: Drama
Laufzeit: 114 Minuten

Kinostart: 31.10.2018
Verleih: Ascot Elite

Regie: Simon Jaquemet
Drehbuch: Simon Jaquemet

Darsteller: Judith Hofmann, Christian Kaiser, Anna Tenta, Laura Sophie Winter, Urs-Peter Wolters

» The Internet Movie database (IMDb)


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3 Kommentare

Richtig oberflächlicher Film. Extreme Klischee's werden aufgegriffen.
Themenmässig echt viel Konfliktstoff vorhanden, was nicht unbedingt realistisch ist: Tierversuche, sexuell Ausschweifungen, Exorzismus, öffentlich praktizierter Zungengesang, Wahnvorstellungen, psychische Zusammenbrüche, manipulierender Kirchenführer. Für mein Geschmack übertrieben.

Narrativ lose strukturierte Filme wie Der Unschuldige leben eigentlich immer von der Glaubwürdigkeit und Ausdruckskraft ihrer Protagonisten, welche dadurch das Szenengeflecht zusammenhalten. Man denke etwa an Juliette Binoche in Code inconnu oder zuletzt Claes Bang in The Square.

Hier scheitert Jaquemet's Film leider. Gewiss, Judith Hofmann steigert sich mit vollem Körpereinsatz in die Rolle von Ruth hinein und die Kamera stellt mit zahllosen Grossaufnahmen sicher, dass wir jedes Wimpernzucken von ihr warnehmen - glaubwürdig ist das alles nicht. Was aber mehr mit dem Script und der szenischen Auflösung denn mit dem Schauspiel zu tun hat. Es wirkt schlicht und einfach nicht so, als hätte Jaquemet verstanden, wie stark gläubige Menschen funktionieren und mit welchen Konflikten sie zu kämpfen haben. Stattdessen werden effekthascherische Szenen aneinandergereiht, in denen Ruth oder ihre Familie oder deren Gemeinde "schockierende" Sachen tun. Als hätte Jaquemet vergessen, dass die Realität glaubhaft etabliert werden muss, bevor der Vorschlaghammer der Provokation hervorgeholt werden kann. Man denke an Haneke, der in Das weisse Band die Dynamik, den zwischenmenschlichen Umgang und das Machtgefälle in einer Pfarrsfamilie bestechend genau zeichnet, bevor der Sohn ausgepeitscht wird. Andersrum geht nicht.

In Der Unschuldige habe ich keine Sekunde geglaubt, dass Ruth seit 15 Jahren in dieser Familie lebt, dass sie diese beiden Töchter grossgezogen hat, dass sie diesen Mann mal geliebt hat, dass sie jeden Sonntag den Gottesdienst besucht und in dieser Gemeinde gelebt hat. Und so entfaltete auch keine der folgenden "krassen" Szenen eine wirkliche emotionale Wirkung.

Wenn schon deprimierende Religionskritik, dann wohl lieber Paradies: Glaube.

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