Becoming Astrid - Unga Astrid (2018)

Becoming Astrid - Unga Astrid (2018)

Astrid
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  3. 123 Minuten

Filmkritik: Die kleine Astrid möchte aus dem Småland abgeholt werden

68. Internationale Filmfestspiele Berlin 2018
Astrid ist... anders.
Astrid ist... anders.

Schweden, Mitte der Zwanzigerjahre: Die sechzehnjährige Astrid Ericsson (Alba August) lebt ein unbeschwertes Leben im schönen Småland, wo sie ihre religiösen Eltern (Maria Bonnevie und Magnus Krepper) bei der ländlichen Arbeit untersützt. Ihre Geschwister unterhält Astrid mit ausgefallenen Witzen und lustigen Geschichten, die sie sich ausdenkt. Der charismatische Zeitungsredakteur Blomberg (Henrik Rafaelsen) erkennt ihr erzählerisches Talent und stellt sie als Praktikantin ein. Bald verfasst Astrid ihre eigenen Texte für die Lokalzeitung "Vimmerby Tidning".

Blomberg <3 Astrid
Blomberg <3 Astrid

Als Blomberg sich Hals über Kopf in sie verliebt, beginnen die beiden eine Affäre und Astrid wird ungewollt schwanger. Blomberg ist noch verheiratet und befindet sich mitten in der Scheidung. Die Schwangerschaft muss vorerst geheimgehalten werden, alles andere wäre ein Skandal. Weil Astrid keine Schande über ihre Familie bringen möchte, verlässt sie ihr Elternhaus und geht nach Kopenhagen, um ihren Sohn Lasse dort heimlich zur Welt zu bringen und ihn in der Obhut der Pflegemutter Marie (Trine Dyrholm) zurückzulassen. Doch die Trennung von ihrem Kind setzt der jungen Mutter schwer zu.

Astrid Lindgren gehört zu den meistübersetzen Kinderbuchautoren der Welt. Figuren wie Pippi Langstrumpf, Emil von Lönneberga und Ronja Räubertochter begeistern Alt und Jung gleichermassen. Becoming Astrid versucht den emotionalen Ursprung dieser starken Kinderfiguren nachzuvollziehen, indem der Film eine kurze, aber intensive Zeit aus dem Leben der Schriftstellerin beleuchtet. Dank dem hervorragenden Spiel von Alba August erleben die Zuschauer die schweren Jahre, die Lindgren nachhaltig prägten. Ein sehenswertes Biopic, nicht nur für Lindgren-Fans, zeigt es doch, wie schwierig die damalige Zeit für junge Frauen sein konnte.

Becoming Astrid beginnt mit der alten Astrid Lindgren (Maria Fahl Vikander), die an ihrem Schreibtisch sitzt und die Briefe ihrer Fans liest. Als sie eine Kassette mit Geschichten und Fragen einer Schulklasse erhält, legt sie diese ein und hört sie sich an. Warum sie sich so gut in Kinder hineinversetzen könne, fragt eine der Kinderstimmen, die im Laufe des Filmes immer wieder in passenden Momenten ertönen. Auf diese Frage will der Film eine Antwort geben.

Alba August spielt die junge Astrid als kindliche Frohnatur auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Das jugendliche Erscheinungsbild der vierundzwanzigjährigen Schauspielerin verstärkt diesen Eindruck. Astrid lässt sich nicht von der strengen Erziehung ihrer Mutter beirren, und früh ist klar, dass sie anders ist als ihre Altersgenossen. Der Schritt vom Kartoffelfeld in die Redaktion scheint für sie vorbestimmt. Das schriftstellerische Talent ist ihr in die Wiege gelegt. Umso härter trifft sie die Trennung von ihrem Sohn Lasse. August trägt die Schuld, die Lindgren in diesen Jahren empfunden haben muss, auf dem Gesicht. Die Trennung von ihrem Sohn fällt ihr zunehmend schwer und als sie weder von Blomberg noch ihrer Mutter die erwartete Unterstützung bekommt, bricht alles aus ihr heraus. Alba August vollzieht im Laufe der 123 Spielminuten einen emotionalen Wandel, der nahe geht und nie unglaubwürdig wirkt.

Regisseurin und Ko-Drehbuchautorin Pernille Fischer Christensen tut gut daran, sich auf diese einschneidende Episode aus dem Leben der Autorin zu beschränken und der Geschichte genug Raum zu geben. Die spätere Beziehung mit Sture Lindgren wird nur angedeutet. Bezüge zu Lindgrens Werken werden über die Leserbriefe und Fragen der Kinder aus dem Voiceover hergestellt. Den jungen Lesern fällt auf, dass viele ihrer Figuren ohne Eltern aufwachsen oder viel Leid erfahren müssen. Aber auch, dass sie ohne die Erwachsenen mutig und stark sein müssen und können - so wie der kleine Lasse.

Die Erzählhandlung von Becoming Astrid beschränkt sich auf wenige Jahre in Lindgrens Leben, und der Film spielt lange, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichte. Dennoch hat man am Ende des Gefühl, sie zu kennen - die Schriftstellerin, die Tochter, die Frau wie auch die Mutter hinter dem Namen Astrid Lindgren.

/ swo