Tomb Raider (2018)

Tomb Raider (2018)

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  3. 118 Minuten

Filmkritik: Shout, shout, let it all out!

Hät ich in Japanisch bloss besser aufgepasst...
Hät ich in Japanisch bloss besser aufgepasst...

Lara Croft (Alicia Vikander) ist die Tochter des Geschäftsmannes Lord Richard Croft (Dominic West), der seit sieben Jahren spurlos verschwunden ist. Inzwischen ist Lara erwachsen geworden, hat aus dem Potenzial, das ihr ihr Vater zusprach, bisher nichts gemacht. Als Fahrradkurierin liefert sie Essen aus und verdient sich damit ein bisschen Geld, was zum Leben aber nicht wirklich ausreicht.

Up, Up, Down, Down, Left, Right, Left, Right, A, B, Start...
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Was sie mit ihrem Leben tun will, weiss sie noch nicht so richtig. Den Konzern ihres Vaters will sie nicht übernehmen, da sie dafür seine Todeserklärung unterzeichnen müsste. Nachdem sie dies trotzdem zu tun gedenkt, wird ihr ein kleines Rätsel gestellt, das er ihr hinterlassen hat. Schnell begreift sie, was sie zu tun hat: Sie muss die Arbeit ihres Vaters beenden, der doch nicht nur ein langweiliger reicher Geschäftsmann war. Mithilfe des trinkenden Seefahrers Lu Ren (Daniel Wu) findet sie einen Weg ins Teufelsmeer, wo die Insel Yamatai vermutet wird. Auf dieser Insel ist sie allerdings nicht allein. Auch Matthias Vogel (Walton Goggins) sucht verbissen nach dem Grab, das eine riesige Macht verbirgt.

Tomb Raider unterhält dank einigen spannenden Action-Setpieces und einer stark aufspielenden Alicia Vikander ganz gut. Die Lara Croft aus dem Jahr 2018 ist verletzlich und unerfahren, aber kämpferisch und unabhängig, was toll funktioniert. Allerdings kriegt Walton Goggins' Schurke Matthias kaum etwas zu tun, und richtiges "Tomb Raiding" gibt es auch zu wenig. Da fallen die vorhersehbare Handlung und die teilweise zu verschnittenen Actionszenen gleich noch etwas mehr ins Gewicht.

Eins gleich vorweg: Tomb Raider orientiert sich weder an den Matrix-esken Filmen mit Angelina Jolie aus den frühen 2000ern noch an Filmen wie Indiana Jones. Der norwegische Regisseur Roar Uthaug (The Wave) inszeniert hier eine ernste Originstory für eine Lara Croft des Jahres 2018. Wir kriegen keine Turnereien durch Croft Mansion oder Akimbo-Pistolen-Schiessereien, dafür umso mehr schmerzverzerrte Schreie und Pfeilbogen-Action.

Diese Lara Croft ist keine erfahrene Abenteurerin. Ob sie nun bei einem Schiffbruch von den Wellen durch den Kahn geschleudert wird oder mit einem zerfetzten Fallschirm durch das Geäst der fremden Insel fegt: Sie lässt uns ihren Schmerz mitfühlen und -hören. Alicia Vikander (Ex Machina), die sonst nicht gerade fürs Actionkino bekannt ist, gibt hier alles, hat viele ihrer Stunts selbst gemacht und passt ideal für diese Version der Lara Croft. Sie ist verletzlich und menschlich, kämpft aber immer weiter und gibt nie auf. Und am wichtigsten: Niemand muss sie retten. Vikander portätiert dies richtig gut und ihre Charakterentwicklung funktioniert - bis auf einen Punkt, den das Game schon nicht richtig verkaufen konnte. Ein grosser Wendepunkt für ihre Figur ist der, als sie zum ersten Mal jemanden tötet. Sie ist schockiert ab sich selbst, kurze Zeit später erschiesst sie aber ohne zu zögern diverse Schergen mit ihrem Bogen.

Die Action-Setpieces sind der Punkt, wo der Film sonst am besten ist. Allen voran ein grosses Stück, das einen Fluss und ein havariertes Flugzeug involviert. Diese Szene ist toll umgesetzt und hochspannend. Die restlichen Actionszenen erleiden die typische Hollywood-Behandlung, bei der die Kämpfe und Schusswechsel gut gefilmt sind, aber danach zu sehr verschnitten werden. Ausserdem dauert es seine liebe Weile, bis Lara überhaupt auf die Insel kommt, auf der der Grossteil der Action stattfindet.

Tomb Raider hat das Problem vieler Originstorys: Sie benötigen viel Zeit für das Aufsetzen diverser Figuren und können dann erst in der zweiten Hälfte richtig Gas geben. Und das Aufsetzen dieser Figuren ist ausser bei Lara auch nicht richtig gelungen. Matthias, Laras Gegenspieler, wird gespielt von Walton Goggins, der unter einem Quentin Tarantino brillieren mag, aber hier viel zu wenig zum Zug kommt. Die gesamte Geschichte, die sich am Spiel Tomb Raider orientiert, ist furchtbar vorhersehbar. Am Ende gibt's noch einen Mini-Twist, den sich der Film aber überhaupt nicht verdient.

Zwar hat der Film ein gutes Tempo und ist nie langweilig, aber so richtig in Fahrt kommen kann er auch nicht. Das dürfte mitunter daran liegen, dass es praktisch kein wirkliches "Tomb Raiding" gibt. Das Lösen von Rätseln und das Entkommen von antiken Fallen sind eine Rarität, und selbst wenn sie vorkommen, sind sie schwach inszeniert. Wer davon mehr möchte, darf auf ein Sequel hoffen - oder die Games von 2013 und 2015 spielen.

/ nna

Kommentare Total: 6

muri

Lauer Actionfilm mit einer langweiligen Hauptfigur. Hat mir nicht gefallen, da ihr die Reife und Power gefehlt haben. Denke aber, das eine Fortsetzung kommt - da ist noch ein bisschen Kohle zu machen...

db

Lara Croft hat eine sehr lange Geschichte hinter sich und mauserte sich über viele Game-Titel zur Ikone unter den PC-Helden. Nach vielen eher mässigen Inkarnationen feierte sie dann 2013 das grosse Comeback als Tomb Rider völlig neu aufgelegt wurde. Neu erfunden und mit realistischen Körperproportionen begleiteten wir da ein übermütiges Mädchen, das sich in ein Abenteuer stürzte und sich dann auf der abgelegenen Insel unter widrigsten Umständen zur Frau und zum Survivor mauserte.

Grundsätzlich eine eindrückliche Story, welche im Spiel sehr düster und brutal erzählt wurde und wilde Actionsequenzen mit Schleichszenen und äusserst traumatisierenden Momenten mixte. Doch von alldem merkt man im neuen Film wenig. Klar haben sie mit Alicia Vikander so ziemlich die perfekte Lara Croft gefunden, welche genau so verletzlich wie intensiv sein kann, doch leider kann der Rest kaum überzeugen.

Grundsätzlich wirkt Tomb Raider wie ein Produzenten-Film, der es allen recht machen will, und genau deswegen versagt. Er ist etwas Schatzsuche, er ist etwas Coming of age und mixt dies dann mit völlig überrissen wirkenden Actionsequenzen, die beinahe 1:1 aus dem Game übernommen wurden und gerade deswegen nicht wirklich passen wollen. Die Gegenspieler wirken dabei genau so blass wie die lustlos dahingeschluderte Auflösung, wenn als sie letztendlich das Grab erreichen.

Fazit: Da kann noch so viel Abrissbirne-Archäologie nicht helfen. Tomb Raider will es allen recht machen und findet dabei über die ganze Laufzeit keine Identität. Er ist von vielem etwas, aber unter dem Strich ist es hauptsächlich eine mässig interessante Neu-vorstellung von Lara Croft und eine viel zu glatte sowie unspektakuläre Angelegenheit, bei der man sich lieber mehr an die düstere und brutale Handlung der Game-Vorlage gehalten hätte.

philm

Grundidee der Story wäre eigentlich toll. Aber grottenschlechte CGI, schwache Rätsel und Fallen, schwachsinnige Handlungen, z.B.

Spoiler zum Lesen Text markieren

hätte Lara den Bösewicht einfach mitsamt der Leiter in das Tal der verlorenen Seelen befördern können

und ein inkonsitenter Wechsel zwischen echt Schmerzen haben und 5min später dann alles locker wegstecken... Ein Film zum Wegstecken! Trotz Alicia Vikander. Jumanji bleibt da einem in viiiel besserer Erinnerung.

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