To All the Boys I've Loved Before (2018)

To All the Boys I've Loved Before (2018)

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  2. 99 Minuten

Filmkritik: Fake Schmuus

Netflix
BFFs?
BFFs? © Netflix

Die 16-jährige Halbkoreanerin Lara Jean Covey (Lana Condor) träumt schon immer von der grossen Liebe, hat es bisher aber noch nie gewagt, sich auf einen Jungen einzulassen. Stattdessen schreibt sie jedes Mal, wenn sie verknallt ist, einen Liebesbrief an den Jungen und bewahrt diesen Brief in einer Hutschachtel auf, die sie von ihrer verstorbenen Mutter bekommen hat. Natürlich sollen die Briefe - fünf insgesamt - nie abgeschickt werden. Aber eines Tages passiert genau das. Und plötzlich steht da Sportass Peter Kavinski (Noah Centineo) vor ihr und spricht sie auf den Brief an.

Bae?
Bae? © Netflix

Leider ging auch ein Brief an ihren Nachbarn und besten Freund Josh (Israel Broussard), der bis vor kurzem mit ihrer jetzt in Schottland studierenden Schwester Margot (Janel Parrish) zusammen war - und deshalb natürlich absolut tabu für sie ist. Deshalb lässt sich Lara Jean auf eine verrückte Abmachung ein: Sie und Peter geben vor, ein Paar zu sein. So soll Josh merken, dass sie gar nichts von ihm will. Peter hingegen möchte seine Ex Gen (Emilija Baranac) eifersüchtig machen und sie so wieder zurückgewinnen. Doch die schnell aufgestellten Regeln - darunter absolutes Kussverbot - werden bald zur Herausforderung. Denn eigentlich ist Peter ziemlich süss...

Ihren erst zweiten Langspielfilm inszeniert Susan Johnson als bezaubernde Highschool-Romanze, die dank unaufgeregter Erzählweise, schön komponierten Bildern und feinem Humor abseits der genretypischen Pipi-Kacka-Witze der letzten Jahre mitten ins Herz trifft. Der wunderbar getroffene Tonfall, der zum Glück nie ins Kitschige abdriftet und wohl nicht zufällig an die Achtzigerjahrehits von John Hughes erinnert, ist aber in erster Linie der nahezu perfekten Besetzung zu verdanken; insbesondere das im Mittelpunkt stehende "Fake-Paar", gespielt von Condor und Centineo, ist zum Verlieben gut.

Wohl eher zufällig kommt Netflix' Adaption des gleichnamigen Jugendbuchbestsellers fast gleichzeitig mit dem Kino-Release des Überraschungshits Crazy Rich Asians auf die heimischen Bildschirme und stellt die andernorts meist marginalisierten Figuren mit asiatischer Herkunft endlich einmal in den Mittelpunkt. Dass das viel verpönte "Whitewashing" hier für einmal nicht gegriffen hat, war übrigens keineswegs selbstverständlich, denn auch Jenny Han, Autorin der enorm erfolgreiche Buchvorlage und der beiden Fortsetzungen, bekam etliche Angebote für eine Verfilmung, bei der die Hauptfigur Lara Jean von einer weissen Darstellerin verkörpert werden sollte. Letztlich entschied sich Han für die einzigen Filmemacher, die bereit waren, die Herkunft der Protagonistin so umzusetzen, wie sie für die Buchvorlage konzipiert wurde. Und das Resultat gibt ihr natürlich recht.

Dass es eine Halbkoreanerin ist, die im Mittelpunkt des Filmes steht, ist übrigens für die Geschichte nicht gross von Belang, peppt den Einheitsbrei der unzähligen Teen-Romanzen aber bereits etwas auf. Gratulieren kann man den Machern aber schon alleine deshalb, weil man so die Newcomerin Lana Condor (Jubilee aus X-Men: Apocalypse) für die Hauptrolle gewinnen konnte. Mit ihrer sympathischen Darstellung von Lara Jean, welche wunderbar die Balance zwischen Schüchternheit, leise-frechem Witz und herziger Romantikerin schafft, lässt man sich gerne auf die eigentlich etwas doofe Grundidee des "Fake-Datings" ein.

Überhaupt ist abseits der liebenswert erzählten Story vor allem die Besetzung das eigentliche Highlight des Filmes, wobei neben der herzig-netten Familie von Lara Jean vor allem ihr Fake-Freund Peter positiv auffällt. Noah Centineo, der bisher vor allem im TV tätig war (u. a. The Fosters), lässt seinen entwaffnenden Charme spielen und ist so das perfekte Gegenstück zur schüchternen Protagonistin. Dank des tollen Hauptdarstellerduos macht es dann am Ende auch fast gar nichts aus, dass man eigentlich von Anfang an weiss, wie das Ganze abläuft. Aber das war ja auch bei den Klassikern des Teen-Genres (u. A. Sixteen Candles, Can't Buy Me Love) nicht gross anders.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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