Teen Spirit (2018)

Teen Spirit (2018)

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  3. 92 Minuten

Filmkritik: Do That Sing You Do

Das gibt wieder eine Stromrechnung...
Das gibt wieder eine Stromrechnung...

Die schüchterne Teenagerin Violet (Elle Fanning) lebt in einem Kaff auf der britischen Isle of Wright und singt für ihr Leben gern. Ihr Talent wendete sie aber bisher nur im Kirchenchor an, und wenn es nach ihrer alleinerziehenden Mutter ginge, würde dies auch so bleiben. Als aber die bekannte Castingshow "Teen Spirit" einen Stopp im Dorf macht, muss sie ihre Scham überwinden und möchte ihre Chance packen. Unterstützung bekommt sie von Vlad, der das Coaching der jungen Frau übernehmen möchte. Der ehemalige Opernsänger hörte Violet an einer Open Mic Night im lokalen Pub und ist überzeugt von ihrem Talent.

Mace Windu, wo bist du?
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Sollte Violet die Vorrunde überstehen, ginge es nach London zur grossen TV-Übertragung, wo sie Teen-Spirit-Managerin Jules (Rebecca Hall) treffen würde. Doch die Konkurrenz schläft nicht, und eine Finalteilnahme würde eine Konfrontation mit ihrer Mutter bedeuten, der sie das Ganze bisher erfolgreich verheimlichen konnte. Ist ihr Ehrgeiz stark genug, um zu bestehen und es bis ganz nach oben zu schaffen?

Catchy Popmusik und eine Bildsprache zwischen Harmony Korine und Videoclip machen diese Version der «Cinderella Story» für Augen und Ohren ein Vergnügen. Hirn und Herz hingegen werden wegen der vorhersehbaren Handlung und dem irritierenden Feelgood-Element eines depperten Opernsängers als Coach weniger gefordert. So bleiben schlussendlich vor allem ein paar Songs hängen, sodass das Risiko, sich den Soundtrack zu bestellen, definitiv grösser ist als die Versuchung, sich den Film auf Blu-Ray zu kaufen.

«From Rags to Riches» sagt man auf Englisch; vom Lumpensammler zum Megastar sozusagen. Wie oft haben wir genau diese Story schon gesehen? Von den «Beverley Hillbillies» bis zu Maid in Manhattan sind so ziemlich alle Variationen dieses Plots verwurstet worden. Musik-Biopics wie One Chance werden allzu oft mit dieser Formel ausgestattet, tragen aber dann häufig die Entschuldigung «based on a true story» bei sich. Man fragt sich, wieso also Regisseur Max Minghella (Sohn von Anthony) ausgerechnet eine solch alte Leier für sein Regiedebüt ausgesucht hat.

Nun gut, als Stilübung für einen Regie-Neuling ergibt Teen Spirit Sinn. Minghella tobt sich visuell durch Instagram-Optik, Neonlichter und Musikvideo-Ästhetik so richtig aus. Es dürfte also interessant sein, die weitere Karriere Minghellas zu verfolgen. Vielleicht sollte er sich aber für seine nächste Station ein spannenderes Drehbuch aussuchen. Dasjenige von Teen Spirit ist nämlich gewaltig schwach. Die Geschichte ist so uninteressant und nichtssagend, dass man stets auf die nächste musikalische Szene wartet, zu der man mitwippen kann.

Workaholic Elle Fanning - 60 imdb-Credits im Alter von 21 Jahren! - funktioniert sowohl als Landei als auch als Popdiva. Eine Wandlung, die sie bereits in The Neon Demon glaubwürdig darstellen durfte. Einer Wandlung, die hier aber etwas zu schnell vonstattengeht und daher nicht sehr realistisch wirkt. So ist der Film durchaus mit Popmusik zu vergleichen: Oberflächlich, aalglatt, oft belanglos aber doch gut produziert und irgendwie eingängig.

/ ma

Kommentare Total: 2

ma

Filmkritik: Do That Sing You Do

yan

DSDS trifft auf Hollywood oder A Star is Born als Talentshow. Das hört sich zwar "lame" an, doch mit Elle Fanning hat man die bestmögliche Wahl für seine Hauptdarstellerin getroffen. Sie rettet den etwas gar oberflächlichen Coming-of-Age-Musikfilm und zeigt auch, dass sie über eine tolle Stimme verfügt. Teen Spirit ist kein A Star is Born mit Lady Gaga und auch kein Biopic über eine echte Berühmtheit. Trotzdem bleibt dieser "Billy Elliot für Sänger/innen" in guter Erinnerung.

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