Swimming with Men (2018)

Swimming with Men (2018)

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  2. 96 Minuten

Filmkritik: Die männlichen Meerjungfrauen von London

Die Badenixen in ihrem Element.
Die Badenixen in ihrem Element.

Eric (Rob Brydon) ist Buchhalter und arbeitet in einer grossen Firma in London. Sein Job langweilt ihn und er steckt in einer ernsthaften Midlife-Crisis. Als seine Frau (Jane Horrocks) in die Politik einsteigt und zur Gemeinderätin gewählt wird, gibt ihm das den Rest: Er fängt an, seine Ehe und ihre Liebe zu ihm in Frage zu stellen. Eric glaubt ernsthaft, sie habe ein Verhältnis mit ihrem Chef und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus. Tief gekränkt und verzweifelt beginnt er seinen Frust in Alkohol zu ertränken.

Auch an Land macht man(n) eine gute Figur.
Auch an Land macht man(n) eine gute Figur.

Beim abendlichen Schwimmen wird er auf eine Gruppe von Männern aufmerksam, die seltsame Figuren im Wasser üben. Skeptisch beobachtet er das ungewohnte Treiben, ist jedoch bald fasziniert vom Zusammenspiel der Männer und gibt ihnen einen Tipp zum Vollenden einer Figur. Die Synchronschwimmer sind beeindruckt von seinem mathematischen Talent und bieten ihm einen Platz in ihrem Verein an. Eric blüht bald darauf in seiner neuen Aufgabe als Teammitglied auf und fängt wieder an, Freude am Leben zu haben.

Mit der Idee, dass man eine Midlife-Crisis mit Synchronschwimmen überwinden kann, bringt diese britische Komödie frischen Wind in das schon öfters verfilmte Thema. Mit einer Brise schwarzem Humor löst der Film auch bei Nichtengländern einige Lacher aus. Ein Film für all jene, die (noch) nicht in der Mitte ihres Lebens stecken oder schon mittendrin sind.

Viele kennen vielleicht dieses Gefühl: Der Alltag ist grau und leer. Man sieht in seiner Tätigkeit und seinem Leben keinen wirklichen Sinn. Genauso fühlt sich Eric zu Beginn von Swimming with Men. Lustlos geht er seiner Arbeit als Buchhalter nach. Die einzige Abwechslung, die er hat, ist das abendliche Schwimmen nach der Arbeit, dort versucht er vor den alltäglichen Sorgen sprichwörtlich unterzutauchen. Dies verschafft ihm jedoch nur für eine gewisse Zeit Erleichterung. Eric sehnt sich nach mehr - und flüchtet schlussendlich vor seinen Ängsten, anstatt sich ihnen zu stellen.

Der Film ist keine reine Komödie, befasst er sich doch mit einem ernsthaften Thema, der Midlife-Crisis. So ist einem nicht immer zum Lachen zumute, wenn man dem Protagonisten dabei zusieht, wie er mit sich selber ringt. Rob Brydon versteht es, Tragik und Komik zu vereinen. Er ist die perfekte Wahl für den Part von Eric. Brydon versteht es mit seinem schauspielerischen Können, die Figur den Zuschauern näherzubringen und sich in diese einzufühlen.

Ausserdem glänzen in weiteren Rollen einige bekannte britische Schauspieler, die unter anderem in Downton Abbey (Jim Carter), Sherlock (Rupert Graves) oder in Four Lions (Adeel Akthar) mitgespielt haben. Die beiden wichtigsten Frauen in Swimming with Men sind Charlotte Riley und Jane Horrocks, welche die Trainerin und Erics Ehefrau spielen. Beide verleihen dem männerlastigen Film den nötigen weiblichen Touch. Lustiger Fakt: die schwedischen Synchronschwimmer haben sich gleich selber gespielt und punkten mit ihrem Ikea-Charme.

Alles in allem ist der Film ein gelungenes Unterhaltungsprogramm für jedermann oder jedefrau, er hat einen mitreissenden Soundtrack und schwarzen, trockenen Humor bis zum Abwinken. Regisseur Oliver Parker ist es mit Swimming with Men gelungen, nicht nur die Briten, sondern auch ein internationales Publikum anzusprechen. Die Mischung macht's.

/ mig