The Harvesters - Die Stropers (2018)

The Harvesters - Die Stropers (2018)

Filmkritik: Sündiges Südafrika

71e Festival de Cannes 2018
"Satan, bist du's?"
"Satan, bist du's?"

In der südafrikanischen Pampa lebt der Teenager Janno (Brent Vermeulen) mit seinen Eltern und den drei Geschwistern. Der Alltag ist geprägt durch Farmarbeit, die meist in den frühen Morgenstunden beginnt, was Janno jedoch nicht viel auszumachen scheint. Abends wird meist mit der Familie zusammengesessen und vor dem Essen gebetet. Alles ist eigentlich friedlich, doch dann sitzt eines Tages der rebellische Pieter (Alex von Dyk) bei der Familie im Haus. Mutter Maria (Juliana Venter) hat entschieden, dass sie den Junkie aufnehmen und unter anderem mit der Kraft Gottes heilen will.

Familienbande
Familienbande

So kriegt Janno unerwartet einen Bruder, der so ziemlich das komplette Gegenteil von ihm ist. Pieter lehnt sich auf, hat es nicht so mit Gott und nimmt die Farmarbeit nur wenig ernst. So dauert es nicht lange, bis Pieter in Schwierigkeiten gerät, sich prügelt und sich sogar selbst verprostituiert. Und trotzdem entbrennt zwischen den Jungs ein Kampf um Macht, Freunde und die Zuneigung der Familie.

Die Stropers ist mühsam. Zu wenig heiss werden die sich unter der Oberfläche befindenden Themen wie Homosexualität und Religion serviert. Die Brandherde sind gefühlt viel zu weit weg, sodass einem die irgendwann eintretende Gefühlsexplosion auch aufgrund der fehlenden Nähe zu den Figuren egal ist.

Die Stropers, der Debütfilm des griechisch-südafrikanischen 46-jährigen Etienne Kallos, ist eine frustrierende Angelegenheit. Bei den im Film aufgegriffenen Themen befinden sich unter anderem Schwergewichte wie Religion, ein Zwist zwischen zwei unfreiwilligen Brüdern und Homosexualität. Bis das aber alles mal einigermassen gemeinsam ins Zentrum rückt, ist das Interesse des Zuschauers schon weg.

Die Stropers gehört zu jener Sorte von Filmen, bei denen es unter der Oberfläche der gezeigten Geschichte brodelt. Man muss nur etwas mitdenken und dann findet man interessante Sachen. Den Zuschauer zum Mitdenken zu motivieren, schafft der Film jedoch nicht. Idealerweise sollte ein Film auf der Oberfläche und darunter anregend sein. Kallos schafft dies aber kaum. Die Figuren sind einem egal und die Story kommt nur schwer voran. Wirkliche Spannung will nicht einkehren.

Gegen Ende hin wird es etwas besser. Da gibt es auf einem Feld ein grosses Feuer, das einen an jene wunderschönen Bilder aus Terrence Malicks Days of Heaven erinnert. Wären doch zuvor die emotionalen Brandherde so intensiv aufgetischt worden, wie dieses echte Feuer, dann hätte das was werden können. So ist Die Stropers dann letztendlich nur enttäuschend.

/ crs