Sorry to Bother You (2018)

Sorry to Bother You (2018)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Stick to the Script!

Äxgüsi, derfi schnell störe?
Äxgüsi, derfi schnell störe?

Das Leben von Cassius Green (Lakeith Stanfield) könnte besser laufen. Bald kriegt er aber eine Stelle bei der Telemarketing-Firma RegalView. Mitarbeiter dort haben nur ein Ziel: zu den Power-Callern aufsteigen. Nach diversen erfolglosen Anrufen kriegt er von seinem Arbeitskollegen Langston (Danny Glover) einen Tipp: Er soll seine weisse Stimme nutzen.

Arr, Bitch.
Arr, Bitch.

Während seine Arbeitskollegen einen Aufstand planen und sich für anständige Bezahlung einsetzen, steigt er dank seiner neuentdeckten Fähigkeiten zu den Power-Callern auf. Dort verdient er zwar gut, muss aber auch fragwürdige Produkte und Dienstleistungen verkaufen. Nicht nur seiner Künstlerfreundin Detroit (Tessa Thompson) passt das nicht, sondern auch er selbst beginnt an seinen Entscheidungen zu zweifeln.

Regisseur Boots Riley schafft mit Sorry To Bother You eine einfallsreiche Science-Fiction-Komödie mit einer interessanten Welt. Langweilig wird's zu keiner Zeit, und der Humor funktioniert hervorragend. Allerdings gelingt dem Film die Gratwanderung zwischen unberechenbar und unfokussiert nicht immer. Er möchte derart viele Themen ansprechen, dass das Gestell je länger, je mehr zu wackeln beginnt.

Regieneuling Boots Riley, der zuvor vor allem als Sänger der Band The Coup bekannt war, nimmt sich in Sorry To Bother You einiges vor. Der vielseitige Künstler und kommunistische Aktivist hat sich seine Ziele ausgesucht und schiesst mehr oder weniger gezielt auf sie alle.

Doch beginnen wir von vorne. Die Geschichte um Cassius Green - gesprochen "Cash is green" - ist eine durchaus interessante. Sein Wandel vom Tellerwäscher zum Millionär repräsentiert den amerikanischen Traum ganz schön, zeigt aber auch die moralischen Schattenseiten des Erfolgs in einem kapitalistischen System auf. In der Welt von Sorry To Bother You, der im Oakland einer nahen Zukunft spielt, ist Arbeit und Beschäftigung ein stetiges Thema. Die Firma Worryfree bietet Arbeitern eine Unterkunft und warme Mahlzeiten, dafür sind die Arbeitsbedingungen miserabel, ebenso der Verdienst.

Riley erzählt diese Geschichte aber nicht als Drama, sondern als bissige Satire mit gut dosiertem Humor. Und dies nicht nur in den Dialogen - auch visuell lässt er sich einiges einfallen. So landet Cassius stets im Haus der Personen, die er am Telefon um den Finger zu wickeln versucht. Allgemein ist Sorry To Bother You handwerklich sehr einfallsreich. Die Kostüme und Kleider sind ausgefallen, die Umgebungen farbig und laut, die Charaktere spannend. Apropos Charaktere: Nicht nur Lakeith Stanfield als Cassius Green überzeugt. Auch seine Artsy-Freundin Detroit wird von Tessa Thompson toll gespielt. Der Showstealer dürfte aber Armie Hammer in der Rolle von Steve Lift sein, des CEO von Worryfree. Ihm gehört auch eine der absurdesten Sequenzen des Films: Im dritten Akt geschieht eine Wende, die zwar aus dem Nichts kommt, aber nicht unverdient ist.

Da hat Sorry To Bother You aber auch sein grösstes und schmerzhaftestes Problem. Zwar ist der Film stets unberechenbar, kippt aber immer wieder ins Wirre. Er schiesst gegen alle möglichen Konzepte. Rassismus, Internetfame und der gesamte Kapitalismus kommen in Rileys Visier. Dies funktioniert zu Beginn, danach verläuft sich der Film aber in seiner Schiesserei.

/ nna

Kommentare Total: 2

yan

Ich mag Satire. Boots trifft mit Sorry to Bother You vor allem in den ersten zwei Dritteln des Films voll meinen Geschmack. Doch in der letzten halben Stunde hab ich mich im Wirrwarr komplett verloren. Zu viele Subplots und eine ziemlich wirre Sci-Fi-Idee, die nicht hätte sein müssen.

nna

Filmkritik: Stick to the Script!

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Trailer Englisch, 02:29