Solo: A Star Wars Story (2018)

Solo: A Star Wars Story (2018)

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  2. 135 Minuten

Filmkritik: Zusammen ist man weniger Solo.

71e Festival de Cannes 2018
Runaway Train?
Runaway Train?

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie: Beim Versuch, ihren dreckigen Heimatplaneten Corellia zu verlassen, werden Han (Alden Ehrenreich) und seine Kindheitsfreundin Qi'Ra (Emilia Clarke) auf dramatische Art und Weise getrennt. So gelingt nur Han die Flucht, doch verspricht er, für Qi'Ra zurückzukommen und sie aus den harschen Lebensumständen zu retten.

Nerfherder and Fuzzball
Nerfherder and Fuzzball

Drei Jahre später: Bei den imperialistischen Truppen macht Han Bekanntschaft mit dem gewieften Dieb Tobias Beckett (Woody Harrelson), der gerade einen grossen Coup für den Unterweltboss Dryden Vos (Paul Bettany) plant. Han schliesst sich Becketts Gruppe an und geht mit ihr auf ein Abenteuer, auf dem er unter anderem auf einen Wookie namens Chewbacca (Joonas Suotamo), einen Spieler mit dem Namen Lando Calrissian (Donald Glover) und auf unerwartete Art und Weise wieder auf Qi'Ra trifft.

Solo: A Star Wars Story zeigt Dinge, die der Fan bei seinem Han-Spin-off erwartet und zudem einen Heist-Plot, der völlig chaotisch aufgegleist ist, in der zweiten Hälfte jedoch ganz gut zu unterhalten vermag. Nach Anlaufschwierigkeiten überzeugt Alden Ehrenreich in der Rolle, doch der MVP im ganzen Ensemble ist zweifelsohne Donald Glover als Lando.

Irgendwie scheint auf den Star-Wars-Spin-offs ein Fluch zu liegen. Schon bei Rogue One drangen vor dem Kinostart Gerüchte über extensive Nachdrehs an die Öffentlichkeit, wobei der eigentlich angeheuerte Regisseur Gareth Edwards mit dieser Nachbearbeitung nicht viel zu tun hatte. Doch das ist alles ist Pipifax im Vergleich dazu, wie es hinter dem Han-Solo-Spin-off rumorte. Der grösste Knall war dabei die Entlassung der Regisseure Phil Lord und Chris Miller, die Berichten zufolge eher was in Richtung Guardians of the Galaxy geplant hatten, was der Chefetage von Lucasfilm missfiel. Ron Howard sprang dann ein, der einen Film fertigstellte, der zuerst recht chaotisch, dann aber doch ganz unterhaltsam ist.

Wie auch in Rogue One springt die Handlung dabei zu Beginn fast im Minutentakt zwischen verschiedenen Planeten hin und her. Howard scheint es sehr daran gelegen haben, die Story voranzutreiben. Doch beim angeschlagenen Affenzahn wird nicht wirklich klar, wo es hingeht. Man braucht nur einmal "Wookie" sagen, und schon befindet man sich in einem halsbrecherischen und spektakulären Zugüberfall. Eingewöhungs- und Vorstellphase? Braucht man doch nicht! Wir kennen doch alle schon unseren Han, oder?

Jein, denn diesen Solo kennen wir noch nicht, und so fällt es schwer, Alden Ehrenreich von Beginn an in der Rolle ernstzunehmen, was dem Film zwischendurch das Gefühl eines Fan-Projekts verleiht. Ehrenreich wächst jedoch in den Part hinein und überzeugt zum Schluss auch. Er schlägt sich deutlich besser als angenommen, auch wenn ihm Donald Glover als Lando bei jeder Szene die Show stiehlt. Glover ist so verdammt cool und charmant, dass wir als nächstes gerne ein Lando-Spin-off hätten, Frau Kennedy. Bei Emilia Clarkes Qi'Ra weiss man hingegen nie, woran man genau ist. Das ist zwar durchaus beabsichtigt, doch kommt sie nie so mysteriös rüber, wie das wohl gedacht war. Eine verpasste Chance.

Was sich Lucasfilm zudem langsam abschminken kann, sind die vielen Referenzen zu anderen Filmen der Saga. Sie dienen nur dazu, dass der Fan rufen kann: "Jawohl, die Anspielung habe ich kapiert!" Einen wirklichen Beitrag steuern sie nicht zur Story bei und sind zudem auch nicht wirklich clever oder humorvoll in den Film eingearbeitet - genauso wie die Antworten zu Fragen, die nur sehr Fantasielose über die Vergangenheit von Han gestellt haben. Ein Cameo wirft zudem auch ein paar Fragen betreffend der Position des Filmes in der Star-Wars-Saga auf. Aber darüber dürfen gerne die Fans debatieren.

Solo: A Star Wars Story funktioniert dann am besten, wenn er sich ganz auf seinen Heist-Plot konzentriert, bei dem gelügt und betrogen wird, dass sich die Balken biegen. Das Ganze ist vor allem in der zweiten Hälfte rasant und äusserst unterhaltsam. Dem Film ist anzumerken, dass die Last der Skywalker-Familienkiste (noch) nicht auf den Schultern von Han lastet. Howards Werk fühlt sich so deutlich kleiner an als die anderen Beiträge der Saga, was eine nette Abwechslung ist, jedoch ein paar Hardcore-Fans vor den Kopf stossen könnte. Man wird am Ende aber trotzdem das Gefühl nicht los, dass hier irgendwie mehr dringewesen wäre - vor allem in der Sparte Humor. Was wäre das nur für ein Film geworden, wenn Phil Lord und Chris Miller an Bord geblieben wären? Wir werden es nie erfahren.

/ crs

Kommentare Total: 5

Ghost_Dog

Was für ne fehlbesetzung aus puren finanziellen hintergedanken die drachenlady clarke ist, omfg... der film war ok, aber da wurde ordentlich Potential verschwendet.

muri

Solider Actionfilm mit einem blassen Hauptdarsteller. EIn paar witzige Einschübe, Effektgewitter und ein Auftritt, der mich aus den Socken haute!

Schon nur aus diesem Grund hoffe ich auf ein Sequel.

fri

Ich kann schlecht nachvollziehen, wieso viele den Film nicht mögen. Er ist für mich ein gut unterhaltender Star Wars und vor allem weniger "kindisch" als die anderen neueren... Denke da zum Beispiel an die voll sinnlose Casino-Szene und die mit den Reittierviechern danach. Solo macht das viel besser mit seiner schlüssigen Handlung.

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